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Solingen: Fünf tote Kinder gefunden - Hintergründe noch unklar

Mutter unter Verdacht : Fünf tote Kinder in Solingen gefunden

In der Wohnung eines Mehrfamilienhauses in Solingen wurden fünf tote Kinder entdeckt. Die Mutter versuchte sich offenbar in Düsseldorf das Leben zu nehmen. Nachbarn reagieren bestürzt. NRW-Innenminister Reul drückt seine Trauer aus.

Nur das älteste von sechs Kindern hat eine Familientragödie in Soligen überlebt: Ein elf Jahre alter Junge. Seine fünf Geschwister im Alter zwischen einem und acht Jahren sind am Donnerstagmittag tot in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Solingen entdeckt worden. Dies bestätigte eine Sprecherin der Polizei Wuppertal unserer Redaktion.

Wie die Polizei am Abend mitteilt, ist der Elfjährige mit seiner Mutter bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof gefahren und von dort alleine weiter zu seiner Großmutter nach Mönchengladbach. Seine Mutter hat sich danach in Düsseldorf vor einen Zug geworfen und schwer verletzt überlebt. Sie steht unter Verdacht, die Kinder getötet zu haben. Danach wollte sie sich am Düsseldorfer Hauptbahnhof offenbar das Leben nehmen. Die Deutsche wird derzeit in einem Krankenhaus behandelt.

Wie die Kinder getötet wurden, hat die Polizei indes noch nicht mitgeteilt. „Wir nehmen eine Straftat an und werden die Mutter dazu befragen müssen. Im Moment ist sie aber noch nicht vernehmungsfähig“, sagt der Sprecher der Polizei Wuppertal, Stefan Weiand. „Was genau passiert ist, wissen wir nicht, nur, dass es eine sehr tragische Situation ist.“

Das Haus liegt im Stadtteil Hasseldelle, zahlreiche Polizei- und Rettungswagen standen am Nachmittag davor. Wie ein Polizeisprecher vor Ort sagte, handelt es sich bei den Kindern um drei Mädchen (18 Monate, zwei und drei Jahre alt) und zwei Jungen (sechs und acht Jahre alt).

Der Elfjährige befindet sich in der Obhut von Verwandten. Die Großmutter der Kinder, die in Mönchengladbach lebt, alarmierte die Polizei kurz vor 14 Uhr. Vor Ort entdeckten die Beamten dann die toten Kinder. Ein Nachbar berichtet, dass am Vormittag laute Musik aus der Wohnung zu hören gewesen sei.

Eine Nachbarin sagt über die Familie: „Denen ist es nicht gut gegangen.“ Sie will sie aber auch nur flüchtig gekannt haben. Sie bezeichnet den Solinger Stadtteil Hasseldelle als sozialen Brennpunkt. Sie selbst wolle schon lange wegziehen, finde aber keine Wohnung, wenn sie sage, dass sie derzeit in Hasseldelle wohne. Drei oder vier Jahre habe die Familie in dem Haus gewohnt, berichtet eine andere Nachbarin. Die Mutter habe sie nie gesehen, dafür umso häufiger den Vater der Kinder, der sie oft zur Schule oder in den Kindergarten gebracht habe. Höflich und freundlich seien die Kleinen gewesen, auch zurückhaltend. Habe man ihnen Bonbons angeboten, hätten die Kinder mit dem Hinweis abgelehnt, sie sollten nicht so viel Süßes essen. „Dafür hielten sie einem die Tür auf, und obwohl es eine große Familie war, war es in der Wohnung recht ruhig“, erinnert sich die Nachbarin.

Eine junge Frau mit Kinderwagen ist wie die anderen Anwohner sichtlich schockiert. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass so etwas Schreckliches bei uns passiert“, sagt sie. Kriminaltechniker waren am späten Nachmittag noch in der Tatwohnung. Die Spurensicherung dauerte bis in die späten Abendstunden an. Ob die Familie dem Jugendamt bekannt gewesen ist, konnte die Polizei bislang nicht sagen. Das werde überprüft, hieß es.

„Das Familiendrama von Solingen erfüllt mich mit großer Trauer und im Moment bin ich mit meinen Gedanken und mit meinem Gebet bei fünf kleinen Kindern, die so furchtbar früh aus dem Leben gerissen wurden“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf.

Wuppertals Polizeipräsident Markus Röhrl bezeichnete die Tat als „absolut erschreckend - auch in dieser Dimension“. Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) kam am Nachmittag zum Tatort und sah sich die Wohnung an. Er hatte vorher bereits angekündigt, den Wahlkampf angesichts der Tragödie übers Wochenende ruhen zu lassen.

Hinweis der Redaktion: In einer vorherigen Fassung dieses Artikels haben wir aus einem WhatsApp-Chat zitiert. Die Redaktion hat sich entschlossen, diese Passage zu streichen.

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