Kostenzusammensetzung in NRW Wie teuer ist ein Führerschein 2024?

Düsseldorf · Theorieunterricht, Lernmaterial, Fahrstunden, Prüfungen – ein Führerschein kann heute schnell mal mehrere Tausend Euro kosten. Wie sich so eine Rechnung zusammensetzt und welche Ausgaben im Detail anstehen.

Führerschein-Quiz: Einige Fragen aus der theoretischen Prüfung
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Foto: www.123fahrschule.de/fragenkatalog

Den Führerschein zu haben, bedeutet Freiheit. Unabhängig von Eltern und Freunden unterwegs sein können, neue Reisemöglichkeiten haben – all diese Optionen warten seit Jahrzehnten auf Fahranfänger, sobald der „Lappen“ in der Tasche ist. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg: Eine Fahrschule finden, Theorieunterricht mitmachen, Fahrstunden absolvieren, Prüfungen ablegen. Damit verbunden ist ein erheblicher finanzieller Aufwand. Doch wie viel kostet es eigentlich, heute den Führerschein zu machen? Wie setzen sich die Gebühren zusammen? Gibt es einen Unterschied zwischen Stadt und Land? Wir bieten einen großen Überblick.

Wie setzen sich die Kosten zusammen?

Zunächst: Ein genauer Preis für die Kosten eines Führerscheins lässt sich nicht beziffern. Das hängt damit zusammen, dass die Fahrschulgebühren nicht geregelt sind – jede Fahrschule darf also die Preise selbst bestimmen. Gesetzlich geregelt ist dagegen die Transparenz dieser Kosten. Fahrschulen müssen also einen festen Preis für ihre Leistungen wie Theorie- und Fahrstunden oder Anmeldegebühren öffentlich angeben. So lässt sich auf den Websites von Fahrschulen oftmals ein erster Eindruck gewinnen, Fahrschüler können Preise vergleichen und so den kostengünstigsten Anbieter finden.

Was sagen Verbände wie der ADAC zu den Kosten?

Bei der Umfrage des Automobilclubs im November vergangenen Jahres gaben 46 Prozent derjenigen an, die ihren Führerschein relativ frisch gemacht hatten, 2500 bis 3500 Euro ausgegeben zu haben. Für Fahrschulstunden, Antrags- und Prüfungsgebühren sowie Sehtest, Erste-Hilfe-Kurs und Passbilder. 22 Prozent berichteten sogar von Gesamtkosten zwischen 3500 und 4500 Euro. Bei 56 Prozent musste die Familie komplett die Rechnung übernehmen – deutlich mehr als noch drei Jahre zuvor.

Laut ADAC ist der Kostenanstieg gerade bei Fahrstunden schon seit einigen Jahren zu beobachten. Spürbar nach oben sei es vor allem in den vergangenen zwei Jahren gegangen – durch gestiegene Fahrzeug-, Sprit- und vor allem Personalkosten infolge der Inflation. „Insgesamt ist es nicht verwunderlich, dass der Führerschein teurer geworden ist. Allein schon, weil vieles mehr kostet“, so ADAC-Sprecherin Katharina Lucà zu unserer Redaktion. Auch sei feststellbar, dass die Fahrschüler immer länger bräuchten. Hauptgrund dafür sei der komplexer werdende Straßenverkehr. „Mehr Autos, die unterwegs sind, dazu E-Scooter oder Lastenfahrräder“, erläuterte die Sprecherin. Nach Ansicht von Experten ist das veränderte Straßengeschehen auch eine Ursache dafür, dass die Quote derer, die zunächst einmal durch die theoretische oder praktische Prüfung fallen, immer weiter ansteigt – was wiederum die individuellen Kosten erhöht. Zuletzt gab es in manchen Bundesländern knapp 50 Prozent Durchgefallene.

Welche Ausgaben sind vor der Anmeldung in der Fahrschule nötig?

  • Sehtest: Bevor es in der Fahrschule losgeht, muss ein Sehtest vorgelegt werden. Dieser ist etwa beim Optiker erhältlich und kostet knapp sieben Euro. Wer eine Sehschwäche hat, muss eine Bescheinigung vom Augenarzt vorlegen. Diese wird in der Regel von der Krankenkasse übernommen.
  • Erste-Hilfe-Kurs: Was ebenfalls nicht fehlen darf, ist die Absolvierung eines Erste-Hilfe-Kurses. Dieser kostet in der Regel zwischen 30 und 100 Euro und kann bei verschiedenen Anbietern absolviert werden. Dazu gehören beispielsweise das DRK, die Johanniter oder Malteser, aber auch private Anbieter. Der Kurs geht einen Tag, am Abschluss bekommen die Teilnehmenden ein Zertifikat ausgestellt. Bei manchen Anbietern ist ein Sehtest Teil des Paketes.
  • Passbilder: Ebenfalls wichtig sind Passbilder, schließlich wird auf dem Führerschein einmal ein Bild prangen. Diese können entweder in einem Automaten oder von einem Fotografen gemacht werden, auch bei Drogeriemärkten ist das inzwischen problemlos möglich. Kostenpunkt: unter zehn Euro. Höhere Preise können etwa bei Fotografen anfallen.
  • Führerscheinantrag bei der Straßenverkehrsbehörde: Für diesen Antrag sind die oben genannten Nachweise erforderlich. Damit geht es dann zur Anmeldung in die Fahrschule, deren Stempel auf dem Antrag nötig ist. Je nach Gemeinde sind die Gebühren unterschiedlich hoch, in Düsseldorf liegen die Kosten für die Bearbeitung des Antrags zwischen 43,90 und 56,90 Euro.

Welche Kosten kommen in der Fahrschule auf Fahranfänger zu?

Bei Anmeldung wird zunächst eine Grundgebühr fällig. In ihr ist der theoretische Unterricht, also zwölf Doppelstunden mit jeweils 90 Minuten, enthalten. Dazu kommen zwei Doppelstunde für den zusätzlichen Stoff. Auch Verwaltungsgebühren sind hier enthalten. Der Gesamtbetrag variiert je nach Fahrschule und startet bei etwa 250 Euro und aufwärts.

Zusätzlich wird eine Gebühr für Lernmaterialien erhoben. Dazu gehören etwa Online-Zugänge, Lern-Apps oder weitere Materialien. Die Kosten hierfür liegen zwischen 60 und 80 Euro.

Wie viel kostet eine Fahrstunde?

Den wohl größten Kostenblock nehmen die praktischen Fahrstunden ein, die jeweils 45 Minuten dauern. Für diese werden im Schnitt zwischen 50 und 80 Euro fällig. Wie viele Übungsstunden ein Fahranwärter braucht, ist individuell und hängt vom Lernfortschritt ab. Zu den regulären Fahrstunden kommen noch zwölf Sonderfahrten hinzu, die ähnlich oder leicht mehr kosten. Hier sollten zwischen 60 und 100 Euro pro Stunde eingeplant. Die Sonderfahrten setzen sich wie folgt zusammen: Vier Stunden über die Autobahn fahren, fünf Mal über Land sowie drei Mal nachts. Diese Fahrstunden sind verpflichtend.

Was kostet die Ablegung der Prüfungen?

Die theoretische und praktische Prüfung werden in der Regel beim TÜV oder der Dekra abgelegt, die Anmeldung erfolgt durch die Fahrschule. Für die Vorstellung zur theoretischen Prüfung werden regulär knapp 25 Euro fällig. Wer die praktische Prüfung für die Fahrzeugklasse B ablegen möchte, muss rund 130 Euro bezahlen. Bei Wiederholungsprüfungen gelten dieselben Preise. Achtung: Einige Fahrschulen schlagen auf die Kosten der Anmeldung noch eine Gebühr drauf, sodass diese auch höher ausfallen kann.

Wie könnte eine Beispielrechnung aussehen?

Damit sich angehende Fahrschüler und Angehöre ein Bild machen können, hier zwei Beispielrechnungen.

  • Beispiel A: Eine Fahranfängerin möchte in Düsseldorf den Führerschein der Klasse B ablegen. Bevor es aber losgeht, müssen der Erste-Hilfe-Kurs und ein Sehtest absolviert werden, auch Passfotos werden benötigt. Gesamtkosten bisher: 130 Euro. Für die Anmeldung in der Fahrschule werden 285 Euro fällig, obendrauf noch 80 Euro für Lernmaterialien. Schon jetzt fallen also Kosten von 520 Euro gesamt an. Dazu kommen aber noch die Fahrstunden. In diesem Szenario reichen 15 Übungsstunden für jeweils 65 Euro aus. Neuer Gesamtbetrag: 1495 Euro. Fehlen noch die zwölf Sonderfahrstunden für ebenfalls 65 Euro: Das sind 780 Euro gesamt. Plus bisherige Kosten sind es nun bereits 2275 Euro. Für die praktische Prüfung kommen nochmals knapp 130 Euro dazu. Somit ist ein Gesamtpreis von 2405 Euro erreicht. Das allerdings nur unter der Voraussetzung, dass es relativ wenige Fahrstunden braucht und die Prüfungen auf Anhieb bestanden werden.
  • Beispiel B: Für dieses Beispiel wird zunächst dieselbe Grundlage genutzt: Erste-Hilfe-Kurs, Sehtest, Passfotos, Antrag bei der Behörde und Anmeldegebühr sowie Lernmaterialien in der Fahrschule belaufen sich auf gesamt 495 Euro. Die theoretische Prüfung wird im ersten Anlauf bestanden, damit sind es 520 Euro insgesamt. Doch mit dem Fahren klappt es nicht so wirklich auf Anhieb, hier sind weitere Übungsstunden notwendig – 25 Stück für jeweils 65 Euro. Das macht 1625 Euro plus die schon ausgegebenen 520 Euro, also 2145 Euro. Dazu kommen noch die Sonderfahrten, also 780 Euro. Nun die Prüfung, die knapp 130 Euro kostet. Neuer Gesamtbetrag: 3055 Euro. Doch es soll nicht sein, der Führerscheinanwärter fällt in der praktischen Prüfung durch. Nun verlangt die Fahrschule weitere Übungsstunden, bis es erneut zur Prüfung geht. Fünf Stunden kommen obendrauf, das sind 325 Euro. Nochmals für die Prüfung anmelden: 130 Euro. Dafür geht beim zweiten Mal alles gut – doch das hat seinen Preis. Insgesamt kostet dieser Führerschein 3510 Euro.

Diese Rechnungen wurden mit denselben Preisfaktoren berechnet. Sobald sich einzelne Posten ändern, etwa die Kosten einer Übungsstunde oder der Sonderfahrten, verteuert sich die ganze Sache wieder. So können durchaus mehrere tausend Euro zusammenkommen – was sich mit den Ergebnissen der ADAC-Umfrage deckt.

Wie erklären sich Preisunterschiede?

Der Vergleich zwischen Fahrschulen ist nicht ganz einfach – schließlich spielen verschiedene Faktoren mit ein. Dazu gehören etwa die Miete für ein Ladenlokal – die in der Stadt, besonders zentrumsnah, deutlich teurer als auf dem Land ist – und Personalkosten. Aber auch Werkstattbesuche müssen mit einberechnet werden, schließlich werden Fahrschulautos intensiver als Privatwagen genutzt. Der Verschleiß ist entsprechend höher. Zudem ist die Kfz-Versicherung ein großer Kostenfaktor: Fahrschulautos kosten mehr als private Fahrzeuge.

 Den Führerschein zu haben, bedeutet Freiheit. Unabhängig von Eltern und Freunden unterwegs sein können, neue Reisemöglichkeiten haben – all dies bietet die Fahrerlaubnis (Symbolfoto).

Den Führerschein zu haben, bedeutet Freiheit. Unabhängig von Eltern und Freunden unterwegs sein können, neue Reisemöglichkeiten haben – all dies bietet die Fahrerlaubnis (Symbolfoto).

Foto: dpa/Swen Pförtner

Nicht zu vergessen sind insbesondere auch die Spritkosten. Denn nicht nur private Haushalte sind von Kostensprüngen betroffen – auch Fahrschulen stellen die Preissprünge vor Herausforderungen. Sie müssen die gestiegenen Kosten an die Fahrschüler weiterreichen. Und auch die Leistung des Fahrschülers spielt mit ein.

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