So lief der Rhine-Cleanup 2019 in den NRW-Städten

NRW-Bilanz des Rhine-Cleanups : Müllsammler finden Poesie aus Leeds in Duisburg

Rund 20.000 Menschen machten mit beim Rhine-Cleanup und sammelten am Samstag Müll am Rheinufer – davon die meisten in NRW. Das schöne Wetter sorgte zusätzlich für gute Stimmung. Ein Blick in die Region.

Dormagen

Foto: Heiko Lissy

Die große Resonanz beim Rhine-Cleanup in Dormagen hat Organisatorin Karin Schwanfelder selbst überrascht. Nicht weniger als 65 Mitwirkende fanden sich im Stürzelberger Grind zum Müllsammeln ein und wurden wieder einmal in allzu reichem Maße fündig. Insgesamt dürften es Karin Schwanfelder zufolge am Ende zwei Tonnen Müll gewesen sein, die die ehrenamtlichen Helfer eingesammelt haben. Autoreifen und Computerteile gehören dabei zu den Standardfunden, wobei das aufgegebene Lager eines Obdachlosen der womöglich spektakulärste Fund war. Ein sechsköpfiges Covestro-Team aus Leverkusen zeigte besonderes Interesse für zum Teil „antike“ Bayer-Hinterlassenschaften: Alte Werkstaschenlampen wurden ebenso gefunden wie ausrangierte Werkstelefone. (Sebastian Meurer)

Duisburg

Foto: Norbert Prümen (nop)

Auch in Duisburg haben sich Hunderte Teilnehmer auf beiden Seiten des Flusses an die Arbeit gemacht. So organisierte das Team des Getränkeherstellers Rheinfelsquellen eine Säuberungsaktion rund um die Anlegestelle der Fähre zwischen Duisburg-Walsum und Orsoy, andere waren in den Rheinwiesen am Alsumer Berg aktiv. Weitere Aktionen gab es rund um die Landmarke „Rheinorange“ in Duisburg-Neuenkamp sowie in Duisburg-Wanheimerort. An der linken Rheinseite waren die Mitglieder des Wassersportvereins besonders fleißig. In Duisburg-Homberg hatten sich 20 Schüler der Jahrgangsstufe 12 des Franz-Haniel-Gymnasiums beteiligt und dabei neben großen Mengen Müll auch einen kuriosen Fund gemacht: Ein Schüler fand ein Buch aus der Oxford-Reihe, von den Elementen gezeichnet, aber noch gut lesbar. (siehe Foto) „The poetical works of Lord Byron“ lag im Gebüsch, berichtet der Müllsammler, und das alte Buch hat wohl eine abenteuerliche Reise hinter sich. Der Sammelband stammt aus der Universitätsbibliothek in Leeds in Nordengland und wurde 1998 zuletzt ausgeliehen. Wie das Buch seinen Weg in die Duisburger Rheinwiesen fand, bleibt wohl ein  Geheimnis. (Mike Michel)

Emmerich

Foto: Markus van Offern (mvo)

An drei Uferabschnitten wurde gesammelt: unterhalb der Rheinbrücke, in der Emmericher Ward und zwischen dem Dornicker Pionierhafen und dem Industriehafen in Emmerich, wo die meisten Teilnehmer waren. Unter ihnen eine Gruppe von sieben jungen Pfadfindern. „Unser Leitspruch ist: Die Welt besser verlassen als wir sie vorgefunden haben. Da passt die Aktion“, sagte Leiterin Britta Pauly. Zehn Schüler der Gesamtschule mit ihren Lehrern Frederik Lach und Tim Beenen fanden neben dem Müll auch einige Dinge, die sie für ihre Schülerfirma „Rheinhaltig“ verwenden wollten. „So können wir die Ufer säubern und gleichzeitig Sachen finden“, sagte der 15-jährige Jan Hegel.

„Erfreulich ist, dass insgesamt weniger Müll an den Ufern lag als im Vorjahr“, sagte Bürgermeister Peter Hinze, der natürlich mitmachte. Im letzten Jahr waren es noch 35, in diesem Jahr nur rund 20 Kubikmeter Abfall. Neben einem Kühlschrank wurden auch Grillteile, Campingstühle, Elektrogeräte, Plastikteile und etliches an Glas und Papiertellern gefunden. Domenic Roth fand eine Flaschenpost. „Die ist aus Kerken, da steht auch ein Absender drin“, sagte der Zehnjährige. „Vielleicht schreibe ich eine Karte zurück.“ Nach der Arbeit gab es zur Belohnung Würstchen, Brötchen und Süßigkeiten. (Monika Hartjes)

Kalkar

In Kalkar bilden rund 14 Rheinkilometer die Stadtgrenze. In Niedermörmter am Parkplatz Fähre/Flutmulde konnte Bürgermeisterin Britta Schulz rund 25 fleißige Müllsammler begrüßen. Unter ihnen waren acht Mädels im Alter von acht bis zehn Jahren, die der Fußballmannschaft von TuS Kalkar angehören. Begleitet wurden sie von Eltern und dem Trainer Erik van der Lippe. „Hier ist es ja relativ sauber, das ist schön“, freute sich Jutta Gerard, die mit ihren Töchtern Ella, neun Jahre, und Lucy, sechs Jahre, mithalf. Außerdem waren Mitarbeiter der Sparkasse dabei. „Die Sparkasse Rhein-Maas unterstützt alle vier Rheinstädte des Kreises bei dieser Aktion finanziell“, erklärte Alexander Kannenberg, der von seinem neunjährigen Sohn Leo begleitet wurde. Auch die Auszubildende Hannah Theunissen war dabei. „Man sollte sich neben dem Demonstrieren bei ‚Fridays for future‘ auch tatkräftig an solchen Aktionen beteiligen“, sagte sie. Caroline Breidenbach und Anne Gromann vom BUND lobten, dass die Aktion in Herbst stattfand und nicht im Frühjahr, weil dann die Brut gestört werde.

Weitere Sammelstellen waren in Grieth am Parkplatz an der Fähre und in Hönnepel am Deich beim Klärwerk . Ab 12 Uhr wurden alle Aktiven der Aktion Rhine-Cleanup zu einem kleinen Imbiss eingeladen: Das Landhaus-Café servierte Flammkuchen und alkoholfreie Erfrischungsgetränke. (Monika Hartjes)

Kleve

Dort trafen sich die Teilnehmer am Parkplatz der ADM Spyck GmbH an der Rheinstraße 24 in Kleve-Salmorth. Sie wurden mit Müllbeutel, Handschuhen und Greifern ausgestattet. Nach der Müllsammelaktion standen Getränke und ein kleiner Imbiss für die Helfer bereit. (Monika Hartjes)

Langenfeld

Zigarettenstummel gesammelt beim Cleanup in Langenfeld. Foto: RP/Heike Schoog

„Eklige Kippen“, Kronkorken und Glasscherben hat Mila (6) am Rheindeich in Monheim gesammelt. Sie ist mit Onkel und Tante Thomas und Heike Kehlinger unterwegs. Thomas Kehlinger lenkt einen von zwei Traktoren, die den Müll zum Schützenplatz transportieren. Auch ein Quad ist unterwegs und sammelt Säcke ein. Gut 100 Helfer haben sich zu der privat organisierten Aktion zusammengefunden, um ihr Rheinufer vom Müll zu befreien. „Das sind mehr als dreimal so viele wie im vergangenen Jahr“, sagt Organisatorin Claudia Schmidt, die sich um Container und Genehmigungen gekümmert hat. Unterwegs sind die Helfer vom Monheimer Schiffsanleger bis zur Stadtgrenze an Gut Blee. Gefunden haben sie Autoreifen, Matratzen, Grill und Trollis sowie jede Menge Elektroschrott, den die Helfer der Monheimer Grünen gleich vor Ort aussortiert haben. Joachim Krenz hält zwei Zwei-Liter-Flaschen mit Zigarrettenkippen in die Kamera. „Jede Kippe vergiftet 40 Liter Trinkwasser“, sagt er, „und die Fische im Rhein“. (Heike Schoog)

Neuss

Der Rhine-Cleanup in Neuss war ein voller Erfolg. Foto: Barbara Bücken

Beim Rhine-Cleanup in Neuss haben laut Veranstalter rund 250 Ehrenamtler fleißig mitangepackt. Sie haben geschätzt eine Tonne Müll und Schrott, auch vom Wasser aus, auf den Rheinwiesen von der Ölgangsinsel bis zur Kardinal-Frings Brücke, dem Rheinpark und bis zur Erftmündung eingesammelt. Ausgestattet mit Müllzange, Handschuhen und Müllsäcken, übersahen die Teilnehmer auch kleine Kunststoffabfälle nicht. Die Ehrenamtler verhinderten damit, dass die Kunststoffabfälle bei Hochwasser in den Fluss und mit zeitlicher Verzögerung ins Meer gelangen. Neben Vereinen, Privatpersonen und Unternehmen beteiligten sich auch drei Gymnasien an der Aktion. Für viele Teilnehmer steht jetzt schon fest, dass sie im nächsten Jahr wieder dabei sind. (Rudolf Barnholt)

Rees

Foto: Markus van Offern (mvo)

In Rees wurden die Helfer am Marktplatz von Mitarbeitern des Bauhofs mit Handschuhen, Greifern und Müllsäcken ausgestattet. Lothar Krassa holte Material für Haffen und Mehr ab. „Die Jugendfeuerwehr wird mit einem Boot teilnehmen und an schwer zugänglichen Uferstellen sammeln“, sagte er. Bereits im letzten Jahr war Christiane Jaarsma mit ihren Kindern Jonathan, zehn Jahre, und Leah, vier Jahre, dabei. „Wenn der Müll ins Wasser kommt, ist das schlecht für die Fische und Vögel“, sagte Jonathan. Auch mehrere Asylanten aus Haldern sammelten mit. „Wir leben hier und wollen etwas für das Land tun“, sagte Halit aus der Türkei. „Es ist wichtig, die Natur sauber zu halten“, ergänzten Damith und Shazna aus Sri Lanka.

Eine kleine Gruppe von zehn Leuten säuberte das Rheinufer im Namen der Ökologischen Forschungsstation der Universität Köln in Rees-Grietherbusch. „Wir reinigen die Strecken, in denen normalerweise unsere wissenschaftlichen Befischungen stattfinden“, erzählte Dr. Svenja Storm vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe. Auch in Esserden wurde gesammelt. Rund zehn Kubikmeter Müll kamen in Rees zusammen. Gegen 13 Uhr wurde am Rathaus ein kleiner Imbiss serviert. (Monika Hartjes)

Voerde

Christina Kinold, Sarah Spettmann, Mona Kronenburg, Hans Pryba und Yvonne de Groodt. Foto: Florian Langhoff

Allein im Rheindorf Götterswickerhamm, neben den Rheindörfern Mehrum und Ork, wo sich eine der drei Sammelstellen auf Voerder Stadtgebiet befand, nahmen 60 Personen am Rhine-Cleanup teil, darunter auch viele Familien. Die ehrenamtlichen Helfer fischten dabei vor allem die Überreste von Wattestäbchen aus dem Treibgut entlang des Flussufers. Aber auch alte Anglerstühle, eine Kühlschranktür und ein Sonnenschirm fanden sich hier am Rheinufer. (Florian Langhoff)

(RP)
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