Siegen: Mann gesteht Doppelmord nach Erbstreit

Prozess in Siegen: Mann soll Bruder und Schwester getötet haben - und gesteht

Ein 63-Jähriger hat in Siegen gestanden, seinen älteren Bruder und die Schwägerin getötet zu haben. Es ging um eine geerbte Wohnung.

Ein 63-jähriger Iraner hat gestanden, im Streit um das gemeinsame Erbe seinen älteren Bruder und dessen Frau getötet zu haben. Vor dem Siegener Landgericht legte der Mann am Donnerstag ein umfassendes Geständnis ab. Es ging in dem Familiendrama vor allem um eine Wohnung in Teheran, um die der Angeklagte sich betrogen fühlte. Die Tat ereignete sich im November vergangenen Jahres in Wilnsdorf-Niederdielfen im Siegerland.

Der Angeklagte soll seinen Bruder erst mit dem Auto angefahren und dann mit Messerstichen getötet haben. Danach hatte er laut Geständnis seine Schwägerin wie im Rausch erstochen und sich dann widerstandslos festnehmen lassen. Er ist wegen Mordes und Totschlags angeklagt.

Rund vier Stunden lang erzählte der Angeklagte vor Gericht den Tatablauf aus seiner Sicht. Er habe am Tattag wieder einmal versucht, mit seinem Bruder über die Wohnung in Teheran zu sprechen. Der Vater hatte seinen Kindern mehrere Wohnungen im Iran vererbt. Der Angeklagte wollte seine Wohnung an die Geschwister verkaufen, so erzählte er vor Gericht, um von dem Geld in Deutschland leben zu können. Er habe das vereinbarte Geld aber nie bekommen. Trotzdem sei er als Besitzer aus dem Grundbuch gestrichen worden, stattdessen habe sein Bruder darin gestanden.

„Das wäre gegen meine Ehre gewesen“

Der Ältere sei zu diesem Thema schon lange nicht mehr zu einem Gespräch bereit gewesen, auch nicht an diesem Samstag, als er ihn in seinem Auto unterwegs traf. Er habe ihn bis zu seinem Haus verfolgt, geparkt und gehofft, dass sein Bruder zu ihm käme, um zu reden, sagte der Angeklagte. Als der ihm aber nur mit einer Geste bedeutete, er solle verschwinden, habe er Gas gegeben und sei in den Wagen seines Bruders gerast. „Wegfahren konnte ich nicht. Das wäre gegen meine Ehre gewesen.“

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Er könne sich nicht mehr erinnern, dass er dabei den 78-Jährigen, der am Kofferraum seines Autos stand, schwer verletzte, sagte der Angeklagte. Er sei ausgestiegen und habe ein Messer mitgenommen, das er immer im Wagen liegen habe. Damit habe er seinen Bruder lediglich im Gesicht verletzen wollen, um ihm einen Denkzettel zu verpassen. Da dieser sich aber wehrte, sei der Stich im Hals des 78-Jährigen gelandet. Laut Anklage gab es fünf Stiche in Lunge, Speiseröhre und Bauch. Der Mann starb noch am Tatort.

Plötzlich sei seine Schwägerin aus dem Haus gelaufen gekommen und habe ihn angeschrien, da habe er die Nerven verloren und wie im Blutrausch auch auf sie eingestochen. Eine vorbei fahrende Nachbarin des Ehepaares sah das Drama, stieg aus und ging auf den Angeklagten zu. Sie habe ihn von der blutenden Ehefrau zurückgezogen, da sei er aufgewacht. Er sei in die Knie gegangen, habe das Messer neben sich ins Gras gesteckt und gebeten: „Ruft einen Krankenwagen und holt die Polizei!“ Kurze Zeit später ließ der Angeklagte sich festnehmen.

Mit im Gerichtssaal saß auch der erwachsene Sohn der getöteten Eltern als Nebenkläger. An vielen Stellen des Geständnisses seines Onkels weinte er. Bei dem Angeklagten war keine Spur von Reue zu hören. Er sei von seinem Bruder hintergangen und betrogen worden, betonte er. Schon lange habe er davon geträumt ihm weh zu tun, allerdings habe er ihn nicht töten wollen. Der Prozess wird in vierzehn Tagen fortgesetzt.

(dpa/hsr)