Siegburg: Böschungsbrand ergreift mehrere Häuser in Brückberg

Siegburg bei Bonn: Böschungsbrand greift rasend schnell auf Häuser über

Siegburg: Böschungsbrand greift auf Wohnhäuser über

In Siegburg haben nach einem Böschungsbrand mehrere Häuser binnen kürzester Zeit Feuer gefangen. 32 Menschen wurden verletzt. Eine wichtige ICE-Strecke blieb längere Zeit gesperrt, am Mittwochmorgen rollte immerhin der Fernverkehr wieder.

Ein Funke genügt. Das hört man in diesen Tagen, in denen Trockenheit und Dauerhitze zur Gefahr werden, immer wieder. Ein Funke, und eine Wiese steht in Flammen. Oder ein Wald. Dass auch Wohngebiete bedroht sind, hört man hierzulande dagegen selten. Doch sie sind es. Wie schnell es gehen kann, zeigt sich an diesem tropisch heißen Dienstagnachmittag im Siegburger Stadtteil Brückberg. Acht Wohnhäuser haben gebrannt, plus Anbauten und Autos.

32 Menschen werden verletzt, wie ein Sprecher der Leitstelle Rhein-Sieg-Kreis am frühen Mittwochmorgen sagte. Demnach wird eine Person durch die Flammen schwer verletzt. Die übrigen Betroffenen erleiden leichte Rauchgasvergiftungen oder leiden an Kreislaufproblemen. Die Angaben der Behörden zur Zahl der Verletzten waren am Abend noch auseinander gegangen. Die Leitstelle hatte zunächst von 28 Verletzten gesprochen.

Büsche brennen wie Zunder

„Böschungsbrand“, so lautet die Einsatzmeldung der Siegburger Feuerwehr um 14.45 Uhr. An der Wilhelmstraße, die zwischen Siegburg und Troisdorf parallel zur Bahnstrecke verläuft, ist auf einer Grünfläche ein Feuer ausgebrochen – wahrscheinlich infolge der Hitze. Die genaue Ursache steht noch nicht fest. In kürzester Zeit fliegen Funken über die Bahnlinie hinweg und setzen die gegenüberliegende Böschung in Brand. Büsche und Bäume brennen wie Zunder. Die Feuerwalze steigt den gut zehn Meter hohen Hang hinauf und dehnt sich augenblicklich auf Palisaden und Gartenhäuser aus, schließlich auch auf die dazugehörigen Wohnhäuser. Die Flammen schlagen aus den Dächern. „Die ersten Einsatzkräfte hatten quasi eine Feuerwand vor sich“, berichtete ein Feuerwehrsprecher von dem Einsatz.

Jörg Grabowski, dessen Kfz-Service unmittelbar an der Bahntrasse liegt, ist Augenzeuge. Er entdeckt den Brand als einer der ersten. „Meine Nachbarin hat sofort die Feuerwehr gerufen. Das war zunächst eine ganz kleine Fläche an der Böschung unmittelbar an der Fußgängerbrücke.“ Die Feuerwehr sei schnell zur Stelle gewesen, dann habe der Wind die Flammen ins Unterholz getrieben. Explosionsartig habe sich die Feuerwalze ausgeweitet, sagt Grabowski. Die Einsatzkräfte bestätigen das. „Das ging rasend schnell. Die Kollegen, die zuerst vor Ort waren, standen vor einer Feuerwand“, sagt Sascha Lienesch, Sprecher der Sankt Augustiner Feuerwehr, die früh zur Unterstützung der Siegburger Kollegen alarmiert wird.

Alfons Müller und Monika Höhnscheid wohnen nahe dem Brandort. Sie bemerken Brandgeruch und sind alarmiert: „Wer brennt denn bei diesem Wetter etwas ab?“, fragen sie sich. Doch dann sehen sie Flammen in der Nachbarschaft, und schon setzt ein Funke die staubtrockene Wiese eines Nachbarn in Brand. Mit der Gießkanne unternehmen sie Löschversuche – vergebens.

Ein Ehepaar, dessen Haus vom Brand betroffen ist, bemerkt plötzlich Feuer in den Bäumen des Nachbarn. Kurz danach greift es über. Sie packen Hals über Kopf das Nötigste zusammen – und dann raus, nichts wie raus. „Wir wollten einfach nur noch weg“, berichten sie. Anwohnerin Lydia Bergen ist mit dem Schrecken davongekommen, ebenso wie ihre beiden Schwestern, die nebenan leben. Doch ihre Häuser sind zerstört. „Wir sind froh, dass wir überhaupt gesund herausgekommen sind“, sagt sie. Mehr Augenzeugenberichte aus Siegburg lesen Sie hier.

„Als ich draußen war, waren die Flammen schon über meinem Kopf.“ In der Adolph-Kolping-Schule werden rund 130 Evakuierte von Rettungsdiensten betreut. Als der erste Schock einigermaßen verdaut ist, lautet dort die drängendste Frage: „Was ist mit meinem Haus?“ Die Stadt hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Dieses ist unter den Rufnummern 02241/102-234, -232, -399, -233, -211, -398 zu erreichen.

Nach Angaben der Leitstelle dürfen 15 Bewohner ihre Häuser nicht mehr betreten. 13 von ihnen werden in Ersatzquartieren der Stadt untergebracht, zwei kommen bei Familienmitgliedern unter.

550 Feuerwehrkräfte im Einsatz

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550 Einsatzkräfte aus der ganzen Region sind auf den Brückberg geeilt, hauptsächlich Feuerwehreinheiten. Sie kommen aus dem ganzen Rhein-Sieg-Kreis. Probleme bereitet der Feuerwehr zunächst die Versorgung mit Löschwasser. Der "Tuffi-Tanker" der Feuerwehr Hennef ist im Einsatz, ein Landwirt bringt Wasser in einem Tankwagen. Die für Bahnanlagen zuständige Bundespolizei zwei ihrer großen Wasserwerfer zur Einsatzstelle. Die Bahnstrecke ist durch das Feuer in Mitleidenschaft gezogen worden und wird am Nachmittag gesperrt.

Nach Angaben eines Bahnsprechers sind diverse Schaltanlagen neben der ICE-Strecke beschädigt, was Ausfälle und erhebliche Behinderungen zur Folge hatte. Neben dem Regionalverkehr fährt dort der ICE auf der Schnellstrecke zwischen Köln und Frankfurt. Der Zugverkehr wird am Nachmittag gestoppt, Fernzüge fahren stattdessen über das Rheintal.

Am Mittwochmorgen dann kann zumindest der Fernverkehr wieder aufgenommen werden. Wann die wichtige Bahnstrecke zwischen Köln und Frankfurt auch wieder für den Regionalverkehr freigegeben werden kann, sei noch unklar, sagte ein Bahnsprecher.

Der Großeinsatz sorgt zudem für Behinderungen und Staus auf den Straßen. Die Bundesstraße 56 wird gesperrt, Autofahrer sollen das Gebiet weiträumig umfahren. Autofahrer, die auf der gesperrten B56 zwischen Menden und Siegburg-Zange festsitzen, werden von Einsatzkräften mit Wasser versorgt.

Brandursache völlig unklar

Am Abend dauern die Löscharbeiten noch an, die Lage ist aber unter Kontrolle. „Feuer in der Gewalt“, heißt es um 19 Uhr. Abgekämpfte Feuerwehrmänner kommen vom Einsatz. Sie lassen sich auf Bürgersteige fallen und setzen Wasserflaschen an die Kehlen. 20 Kilogramm wiegt ihre Montur, allein ein Atemschutzgerät bringt es auf 17 Kilo. Einige Kameraden sind unter der Belastung – das Thermometer steht bei fast 40 Grad – kollabiert. „Sie vollbringen heute körperliche Höchstleistungen“, sagt Peter Kern, Sprecher der Feuerwehren im Rhein-Sieg-Kreis. Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn, mit dem Krisenstab telefonisch in Kontakt, bricht seinen Urlaub ab. Er kündigt sich für die Nacht an.

Am frühen Mittwochmorgen dann ist der Großeinsatz der Feuerwehr beendet. Lediglich ein Fahrzeug ist den Angaben zufolge noch zur Brandschutzwache vor Ort.

Wie es zu dem Feuer kommen konnte? Als sicher gilt, dass die Wetterlage – Hitze, Trockenheit und Wind – maßgeblichen Anteil hat. Die Stadt Siegburg mutmaßt am Nachmittag, dass der Funkenschlag eines Zuges eine Rolle gespielt haben könnte. Doch auf eine Ursache wollen sich weder die Feuerwehr noch die Bahn festlegen. „Der Auslöser des Brandes ist völlig offen, Spekulationen sind verfrüht“, so die Bahn.

Ab 21 Uhr dürfen die Anwohner wieder in ihre Häuser – sofern die noch bewohnbar sind. Währenddessen kündigt sich über die sozialen Netzwerke Hilfe für Betroffene an. Die Facebook-Gruppe „Brandopfer Siegburg und Umgebung“ findet regen Zulauf, binnen weniger Stunden hat sie mehr als 2000 Mitglieder. Unterkunft, Lebensmittel, Kleidung – alles wird dort angeboten.

(GA/RPO)