Sicherheit im Karneval: Kleine Vereine leiden unter Sicherheitsvorkehrungen

Ordner und Straßensperren : Kleine Karnevalsvereine leiden unter Kosten für mehr Sicherheit

Mehr Vorschriften, mehr Ordner, Straßensperren – auf die Karnevalsvereine kommen in dieser Session viele neue Kosten zu. Vor allem die kleinen Vereine bekommen finanzielle Schwierigkeiten. Wir haben uns umgehört.

Mehr Vorschriften, mehr Ordner, Straßensperren — auf die Karnevalsvereine kommen in dieser Session viele neue Kosten zu. Vor allem die kleinen Vereine bekommen finanzielle Schwierigkeiten. Wir haben uns umgehört.

Am teuersten ist das Personal: Wer mehr Sicherheitskräfte einsetzt, muss die auch bezahlen. Das sei eine ganz einfache Rechnung, sagt Michael Braune. Er organisiert den jecken Zug in Leverkusen-Hitdorf. 40 Gruppen ziehen am Karnevalsfreitag durch den kleinen Ort. Die Zugstrecke ist knapp 1,5 Kilometer lang. Obwohl der Zug damit sehr überschaubar ist, müssen die Hitdorfer in diesem Jahr mit 2000 bis 3000 Euro höheren Kosten rechnen, erklärt Braune.

Das liegt an den Sicherheitsauflagen, die die Polizei verfügt hat. Sie bedeuten vor allem längere Arbeitszeiten und mehr Personal. Die Absperrungen müssen länger stehen, und an den Absperrungen müssen zwei statt bisher ein Aufseher stehen. Im vergangenen Jahr gab man etwa 7000 Euro für den Umzug aus, sagt Braune. "Wir müssen überlegen, wie wir die Kosten auffangen. Wenn die Anforderungen immer weiter steigen, müssen wir irgendwann die Mitgliedsbeiträge erhöhen oder einen Zug-Euro für jeden Zuschauer einführen." Dieses Jahr könne man aber noch von einem finanziellen Polster zehren.

Ähnlich geht es Braunes Kollegen aus Leverkusener Stadtteilen Opladen und Wiesdorf. Für die beiden Züge am Karnevalsonntag bzw. am Rosenmontag muss der Festausschuss Leverkusener Karneval rund 4000 bis 5000 Euro mehr zahlen als im Vorjahr. 40.000 Euro haben beide Züge im vergangenen Jahr gekostet, sagt Uwe Krause vom Festausschuss auf Anfrage unserer Redaktion. Auch er sagt, dass die Personalkosten für Zugordner den größten Anteil ausmachen, hinzu kommen Kosten für Straßensperren.

In den Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf gibt man sich indes zugeknöpft, was die Kosten angeht. In der vergangenen Woche gab das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) bekannt, man rechne mit etwa 20.000 Euro mehr. Konkreter werden die Verantwortlichen vorerst nicht, man wolle nicht, dass zu viele Details über das Sicherheitskonzept an die Öffentlichkeit gelangen. "Klar ist, wir müssen seit Jahren mehr Geld für Sicherheit ausgeben", sagt Hans-Peter Suchand, Sprecher des CC.

2016 fanden die Karnevalsumzüge kurz nach den Terroranschlägen in Paris und Brüssel statt, im Jahr davor war kurz vor Karneval das Attentat auf die Pariser Redaktion der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" passiert. 2016 war auch das angekündigte stürmische Wetter der Grund für mehr Sicherheitspersonal. Wegen des Terror-Anschlags in Berlin vor Weihnachten haben Städte, Polizei und Karnevalsvereine ihre Sicherheitsbedingungen noch einmal angepasst.

Was die Sicherheit in diesem Jahre kosten soll, will auch das Festkomitee Kölner Karneval nicht öffentlich machen. Das Festkomitee berechnet den teilnehmenden Karnevalsvereinen 11 Euro pro Person, die im Rosenmontagszug mitlaufen, reiten oder fahren. 2016 waren 10.150 Menschen angemeldet, in diesem Jahr seien es ungefähr wieder so viele, sagt die Sprecherin des Festkomitees Sigrid Krebs. Kostendeckend sei der Betrag von etwa 112.000 Euro bei weitem nicht, so viel verrät sie. Erst Mitte Februar wollen Stadt, Polizei und Festkomitee Näheres zum Sicherheitskonzept bekanntgeben.

Sowohl in Köln als auch in Düsseldorf wird darüber gesprochen, wegen des Terror-Anschlags in Berlin Lkw-Blockaden einzurichten, etwa wie in Düsseldorf an Silvester mit Bauschutt-Containern oder auch mit anderen Lkw, die Zufahrtswege sperren. Eine Umfrage unter Speditionen am Niederrhein ergab, dass die Kosten für einen Lkw, der etwa einen halben Tag gebraucht wird, bei etwa 200 Euro je Fahrzeug liegen. Eine sogenannte Abrollkippermulde (Bauschuttcontainer) von Remondis mit 22 Kubikmetern, wie sie an Silvester in Düsseldorf zum Schutz standen, kostet bis zu 1100 Euro.

Der Zug am Tulpensonntag in Krefeld wird laut Aussage von Zugleiter Albert Höntges rund 10.000 Euro mehr kosten. "Wir wissen noch nicht, wie wir das bezahlen", sagt Höntges. Man wolle die Kosten nicht auf die Vereine oder die Teilnehmer umwälzen. Für das Comitee Crefelder Carneval wird es finanziell nicht einfach, denn auch die Zuschüsse der Stadt gehen zurück. In Krefeld müssen Vereine je Erwachsener 20 Euro und je Kind bis 16 Jahre 10 Euro für die Teilnahme zahlen. 1800 Teilnehmer sind gemeldet. Da klafft eine große finanzielle Lücke, die nur mühsam durch Spenden und Einnahmen aus Veranstaltungen oder Marketing geschlossen werden kann. "Wir wollen aber alles dafür tun, dass das Brauchtum nicht leidet", sagt Höntges.

(heif)
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