Sexuell misshandelte Kinder: Zahl in NRW gestiegen

„Extrem hohes Dunkelfeld“: Zahl sexuell misshandelter Kinder gestiegen

Die meisten Misshandlungen finden im Umfeld der Familie statt, bei Missbrauchsfällen sieht es ganz anders aus. Die Täter setzen auf "massive Scham- und Schuldgefühle der Opfer", wie Innenminister Reul im Landtag sagte.

Im vergangenen Jahr hat es landesweit 2803 Opfer beim sexuellen Missbrauch und 703 Opfer bei der Misshandlung von Kindern gegeben. Das teilte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion im Landtag mit. Bei den Missbrauchsfällen habe es zwischen Täter und Opfern in etwa 20 Prozent der Fälle familiäre Beziehungen geben. Die Misshandlungsfälle seien zu fast 80 Prozent dem Familienbereich zuzuordnen.

2016 waren laut der Angaben lediglich 2679 Opfer beim sexuellen Missbrauch und 660 Opfer bei der Misshandlung von Kindern registriert worden. Dagegen hatte die Polizei in dem Zeitraum zwischen 2008 und 2014 einen Rückgang dieser Übergriffe auf Kinder vermeldet. Die angezeigten Misshandlungsfälle werden demnach in NRW zu 97 Prozent und die sexuellen Missbrauchsfälle an Kindern zu 80 Prozent aufgeklärt.

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Im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern sei "von einem extrem hohen Dunkelfeld" auszugehen, erklärte Reul. Die meisten Täter stammten aus dem Umfeld der Geschädigten und hätten zu ihnen "eine enge soziale Beziehung". Mit offenen und versteckten Drohungen wirkten die Täter meist erfolgreich auf die Geheimhaltung ihrer Straftaten ein. Dabei würden oft auch "massive Scham- und Schuldgefühle der Opfer" ausgenutzt.

Die Bearbeitung von Missbrauchs- und Misshandlungsdelikten bei Kindern stellten hohe Ansprüche an die Polizei, betonte der Innenminister. Die jungen Opfer seien durch die strafrechtlichen Ermittlungsverfahren "erheblichen zusätzlichen Belastungen" ausgesetzt. Es bestehe die Gefahr, dass ohne die notwendige Sensibilität in den Vernehmungen Verletzungen verstärkt und das Aussageverhalten beeinträchtigt werden könnten. Dies gelte vor allem für Missbrauchsdelikte "im sozialen Nahbereich". Hier ergäben sich immer wieder Probleme aufgrund einer ungewissen Familienzukunft oder durch mögliche Einflussnahme von Tatverdächtigen.

(skr/kna)
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