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Sensationsfund in Hagen: Hochwasser legt Nazi-Versteck hinter Wand frei

Historisch bedeutsamer Fund in Hagen : Hochwasser legt Nazi-Versteck hinter Wand frei

Für Historiker hat das Hochwasser in Hagen einen Sensationsfund freigespült: Hinter einer Wand in einem Wohnhaus ist ein Versteck der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt zutage getreten. Der Fund elektrisiert die Experten.

Alte Briefe, Dokumente, Gasmasken, Schlagringe: Das verheerende Hochwasser in NRW hat in einem Hagener Wohnhaus in der Wand versteckte Unterlagen aus der Nazi-Zeit freigespült. Es handle sich dabei um „Unmengen an Material“ einer örtlichen Dienststelle der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), sagte Ralf Blank, Leiter des Hagener Stadtarchivs am Dienstag. Die frühesten Fundstücke werden bislang auf das Jahr 1928 datiert. Experten seien momentan noch mit der Sichtung des Materials beschäftigt, das in rund einem Dutzend großer Kunststoffkisten liege.

Kurz nach der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli hatte Sebastian Yurtseven bei Aufräumarbeiten den Fund im Haus seiner Tante entdeckt. In dem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert war an einer Wand im Erdgeschoss eine Rigipsplatte herausgebrochen, hinter der die Dokumente in einer Art Schacht lagerten. Zuerst stieß Yurtseven auf eine Zeitung aus dem Jahr 1945. „Das war tatsächlich erst mal Gänsehaut. Dass das so ein Riesenfund wird, hab ich nicht gedacht“, erzählte der Geschichtslehrer am Dienstag.

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Er habe dann dem Stadtarchiv in Hagen Bescheid gegeben. NSV-Mitglieder hätten womöglich die Unterlagen ihrer Dienststelle im Stadtteil Eckesey hektisch in den rund 30 Zentimeter breiten Zwischenraum von zwei Häusern geworfen, als amerikanische Truppen im April 1945 nach Hagen einrückten, vermutete Blank. Die NSV habe im Zweiten Weltkrieg etwa die Kinderlandverschickung und die Bevölkerung nach Luftangriffen betreut oder auch Schwangerschaften dokumentiert.

Zu der NSDAP-Parteiorganisation existiere bisher wenig Quellenmaterial, weshalb es sich laut Blank um einen „seltenen Fund“ handelt. Dieser soll zunächst im Stadtarchiv bleiben. Man wolle die Dokumente auch teils für eine Ausstellung im Stadtmuseum aufbereiten. Zuvor hatten Medien berichtet.

(felt/dpa)