Minister Wittke zeigt Interesse: "Section Control" für NRW-Tunnel

Minister Wittke zeigt Interesse : "Section Control" für NRW-Tunnel

Das Radar-System "Section Control" erhitzt die Gemüter weiter. Landesverkehrsminister Oliver Wittke (CDU) kann sich den Einsatz der abschnittsweisen Messung der Geschwindigkeit auch an Unfallbrennpunkten in NRW vorstellen.

Donnerstag Morgen im Düsseldorfer Rheinufer-Tunnel: Heinz Sahnen, Verkehrsexperte der CDU im Düsseldorfer Landtag, ist mit seinem Opel-Zafira auf der rechten Fahrspur unterwegs. "Plötzlich rauschte ein BMW mit etwa 100 Sachen an mir vorbei", berichtet der 62-Jährige. "Solche Raser bringen andere in Lebensgefahr — sie müssten erwischt werden."

In Österreich werden Tunnel-Raser durch das Radar-System "Section Control" erfasst. Die Anlage misst die Zeit, die zwischen der Einfahrt und der Ausfahrt eines Autos durch die Röhre vergeht. Wer zu schnell rauskommt, wird geblitzt. "Das wäre auch in NRW sinnvoll", sagt Sahnen. Ein Sprecher des NRW-Innenministeriums sagte gestern, er sehe keine Datenschutz-Bedenken. Die Experten des Verkehrsgerichtstags in Goslar wollen heute darüber entscheiden, ob sie die "Section Control"-Technik für den Einsatz auf deutschen Straßen empfehlen.

Im Gegensatz zu fest installierten Radarfallen hat das neue System den Vorteil, dass die Autofahrer sich im gesamten Überwachungsabschnitt ans Tempolimit halten müssen. Oft wird die Geschwindigkeit nur an den Blitzern reduziert, danach drücken die Autofahrer wieder aufs Gas.

48 Tunnel in NRW

In Nordrhein-Westfalen gibt es 48 Tunnel. Für eine "Section Control"-Überwachung sind die Röhren geeignet, die keine Abfahrten haben. Andreas Zens vom Landesbetrieb StraßenNRW nennt die wichtigsten: "Der Tunnel Burgholz bei Wuppertal ist mit 1860 Metern die längste Röhre in NRW", sagt der Experte. Danach folgt der Weserauentunnel bei Porta Westfalica (1730 Meter), der Wuppertaler Kiesberg-Tunnel (1023 Meter) und der Tunnel Velbert-Birth (807 Meter). Im zwei Kilometer langen Straßentunnel Bonn-Bad Godesberg, der sich gabelt, wird die Einhaltung des Tempolimits von 50 Stundenkilometern durch vier stationäre Radarfallen überwacht.

NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) kann sich den Einsatz von "Section Control" auch an Unfallbrennpunkten vorstellen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat eine Karte erstellt, auf der "signifikante Unfallhäufungen" erfasst sind. Besonders häufig kracht es demnach auf der A 42 zwischen Duisburg-Nord und Oberhausen-West, auf der A 40 zwischen dem Dreieck Essen-Ost und Bochum-Stahlhausen sowie auf der A 52 in Höhe Kreuz Kaarst. "Auf den Autobahnen im Regierungsbezirk Düsseldorf ereigneten sich 2007 mehr als 11 800 Unfälle", sagte ein Sprecher der Polizei in Düsseldorf. 1346 seien auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen.

(RP)