1. NRW
  2. Panorama

Sechs Omikron-Verdachtsfälle in NRW

Corona-Lage spitzt sich zu : Ministerpräsident Wüst will Kontaktreduzierungen noch diese Woche umsetzen

In Nordrhein-Westfalen gibt es nach Informationen des Gesundheitsministeriums derzeit insgesamt sechs Verdachtsfälle der neuen Omikron-Variante des Coronavirus. Angesichts der sich zuspitzenden Lage fordert Ministerpräsident Wüst Kontaktreduzierungen noch „in dieser Woche“.

Dabei geht es einem Überblick von Montagmittag zufolge um vier Verdachtsfälle in Essen, einen Verdachtsfall in Düsseldorf und einen Verdachtsfall im Kreis Kleve. Das sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage der dpa.

Der Kreis Kleve teilte mit, dass sich um einen Verdachtsfall in Rees handele. Die vollständig immunisierte Person sei mit ihrem Partner am 24. November in Frankfurt am Main aus Südafrika eingetroffen. Am Folgetag seien dann Krankheitssymptome aufgetreten. Ein PCR-Test fiel den Angaben zufolge positiv aus. Beide Personen befänden sich in Quarantäne. Bisher wurde laut dem Kreis eine weitere Kontaktperson ermittelt.

Angesichts der sprunghaft steigenden Corona-Zahlen will Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) noch in dieser Woche weitere Kontaktreduzierungen umsetzen. „Die Wissenschaft mahnt uns dazu, Kontaktreduzierungen zu verschärfen und da deutlich besser aufzupassen“, sagte Wüst am Montag im Radiosender WDR 2. „Das werden wir noch in dieser Woche umsetzen.“

  • Corona im Rhein-Kreis Neuss : Omikron-Variante bei Tests im Blick
  • Ein Flugzeug aus Johannesburg ist in
    Reisende aus Südafrika : Paar flüchtet aus Quarantäne-Hotel in Amsterdam
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die neue
    WHO begründet Wahl : Omikron – Was hinter dem Namen der neuen Corona-Variante steckt

Wie die Deutsche Presse-Agentur in Düsseldorf aus Regierungskreisen erfuhr, wird das Landeskabinett an diesem Dienstag über weitere kontaktreduzierende Maßnahmen beraten.

Wüst sprach sich zudem für ein einheitliches Vorgehen von Bund und Ländern aus. „Das Thema Kontaktreduktion müssen wir möglichst gemeinsam und einheitlich ausgestalten“, sagte Wüst, der auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) ist. Er drängte erneut auf ein vorgezogenes Bund-Länder-Treffen noch in dieser Woche.

Angesichts der zugespitzten Corona-Lage fordert auch SPD-Oppositionsführer Thomas Kutschaty die sofortige Schließung von Bars, Clubs und Diskotheken. Außerdem müsse es strengere Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte geben, sagte Kutschaty am Montag in Düsseldorf. So sollten sich nicht geimpfte Personen nur noch mit maximal zwei Haushalten und höchstens zehn Personen treffen dürfen, schlug der SPD-Landtagsfraktionschef vor. Auch Großveranstaltungen sollten nicht mehr stattfinden. Fußballspiele sollten nur noch ohne Publikum laufen.

Die von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) angekündigte Wiedereinführung der Maskenpflicht im Unterricht nannte Kutschaty einen richtigen Schritt. Es sei aber falsch gewesen, die Maskenpflicht im Unterricht überhaupt abgeschafft zu haben. Auch Schulen seien Infektionstreiber. Kutschaty sprach sich auch für noch engmaschigere Corona-Tests an Schulen aus. Schülerinnen und Schüler sollten jeden Tag und nicht nur alle zwei Tage getestet werden. Die Schüler müssten auch für die Weihnachtsferien Tests mit nach Hause bekommen.

Darüber hinaus müssten die Impfangebote ausgeweitet werden, um mit den Auffrischungsimpfungen nachzukommen, sagte Kutschaty. „Beim Boostern kommen wir nicht in dem Tempo voran, wie es sein müsste.“ Die Impfzentren müssten wieder geöffnet werden.

Auch die Grünen in Nordrhein-Westfalen fordern angesichts der dramatisch steigenden Corona-Zahlen drastische Kontaktbeschränkungen. Öffentliche Veranstaltungen in Innenräumen sollten untersagt und im Außenbereich die Anzahl der Teilnehmer massiv begrenzt werden, heißt es in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Zehn-Punkte-Plan. Bars und Clubs sollten geschlossen und Ausgleichszahlungen für Betreiber sichergestellt werden. Für eine bessere Koordinierung zwischen Land und Kommunen müsse der Krisenstab der Landesregierung aktiviert werden.

Darüber hinaus fordern die NRW-Grünen schärfere Schutzmaßnahmen auch für Geimpfte im gesamten Freizeitbereich. So sollten nur noch Geimpfte oder Genesene mit aktuellem negativen Corona-Test Zutritt zu Restaurants, Hotels, zum Einzelhandel jenseits des täglichen Bedarfs sowie zu Freizeitaktivitäten im Innenraum erhalten. Die 2G-plus-Regel sollte ab dem 18. Lebensjahr gelten.

In den Kitas sollten die Gruppen wieder getrennt werden und an den Schulen flächendeckend wieder die Maskenpflicht gelten. In Innenräumen und im Nah- und Fernverkehr sollten FFP2-Masken für Personen ab 14 Jahren als Standard gelten.

Zur Unterstützung der Krankenhäuser sollte nach Ansicht der Grünen die Bundeswehr herangezogen werden. Dafür müsse die Landesregierung in Absprache mit dem Bund sorgen. Aufgrund der neu aufgetretenen Omikron-Variante müssten alle positiven Corona-Tests auf die Variante untersucht werden.

„Wir erleben aktuell die wahrscheinlich schlimmste Phase dieser Pandemie“, sagte die Landesvorsitzende der Grünen, Mona Neubaur. „Alles was geeignet ist, die Impfquote zu erhöhen und Kontakte zu vermeiden, muss jetzt diskutiert werden.“ Landtagsfraktionschefin Verena Schäffer sagte: „Die extrem angespannte Corona-Lage duldet kein Zögern mehr.“ Die Landesregierung dürfe nicht bis zur nächsten Bund-Länder-Runde warten, sondern müsse jetzt sofort handeln.

Kutschaty forderte eine allgemeine Corona-Impfpflicht, um gegen eine fünfte Corona-Welle gerüstet zu sein. „Wir müssen an allen Ecken und Enden impfen.“ Auch Apotheken und Zahnärzte sollten einbezogen werden. Das Land müsse einen Corona-Krisenstab nach dem Vorbild des auch im Bund geplanten Krisenstabs bilden. Es sei wertvolle Zeit verloren gegangen, sagte Kutschaty. „Das Tempo der vierten Welle ist einfach zu hoch. Die Infektionszahlen schießen durch die Decke.“

Die CDU-/FDP-Landesregierung bereitet nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bereits weitere Verschärfungen der Corona-Maßnahmen vor. Das Landeskabinett will demnach am Dienstag über weitere kontaktreduzierende Maßnahmen beraten.

(bsch/dpa)