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Schwimmbäder NRW: Zehn Bäder werden saniert, viele andere gehen leer aus

Trotz Fördermitteln vom Bund : Wieso viele Schwimmbäder in NRW nicht saniert werden

Der Bund hat eine Fördersumme von 110 Millionen Euro für die Sanierung von Schwimmbädern bereitgestellt. Lediglich zehn Bäder aus NRW bekommen etwas von dem Geld. Und das, obwohl es unter Kindern und Erwachsenen immer mehr Nichtschwimmer gibt.

Angelaufene Fliesen, marode Umkleiden und Duschkabinen wie aus den Sechzigern. Wer regelmäßig Gast in nordrhein-westfälischen Schwimmbädern ist, weiß: Viele Bäder müssten saniert werden. Der Bund hat dafür ein Förderprogramm mit dem Titel „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ ins Leben gerufen. 110 Millionen Euro wurden für die Sanierung von Schwimmbädern in ganz Deutschland bereitgestellt.

Eine Anfrage der Linksfraktion hat nun ergeben, dass mit dem Geld bundesweit lediglich 67 Bäder instand gebracht werden - ein Bruchteil dessen, was möglich wäre. Wie WDR und Berliner Morgenpost übereinstimmend berichten, sind 408 Anträge auf Sanierung beim Bund eingegangen. 60 Bäder aus NRW haben Förderung beantragt, lediglich zehn haben auch tatsächlich den Zuschlag bekommen. Dazu gehören unter anderem Schwimmbäder aus Wuppertal, Tönisvorst und Bad Oeyenhausen. Die größte Summe geht mit 4,2 Millionen Euro an ein Bad in Hemer im Sauerland. Geflossen sind die Mittel aber dem Innenministerium zufolge noch nicht. Die Projekte befänden sich noch in der Antragsphase, heißt es dazu vom Innenministerium.

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Linken-Fraktionsvorsitzender Dietmar Bartsch kritisiert das Vorgehen des Bundes. Er fordert, dass alle 408 Anträge auf Förderung bewilligt werden sollten und dass der Bund den Fördertopf gefälligst aufstocken solle. „Wenn der Bundesregierung die Schwimmfähigkeit der Gorch Fock mehr wert ist als die Schwimmfähigkeit unserer Kinder, zeigt das, wie weit sie von den Menschen entfernt ist.“

Mit seinem drastischen Vergleich hat Bartsch nicht ganz unrecht. 2017 hat die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) eine Umfrage durchführen lassen, die ergab, dass 60 Prozent aller zehnjährigen Kinder in Deutschland nicht richtig schwimmen können. Auch bei den Erwachsenen sieht es nicht besser aus: Fast jeder zweite (52 Prozent) gab an, entweder gar nicht oder nur schlecht schwimmen zu können. Als Grund für die vielen Nichtschwimmer in Deutschland wurde auch der erschwerte Zugang zu Schwimmbädern angeführt. Ein Viertel aller Grundschulen können keinen Schwimmunterricht anbieten, weil immer mehr Bäder schließen oder weil die Sportschwimmbecken in reine Spaß- und Freizeitanlagen umgewandelt werden. In NRW wurden zwischen 2016 und 2018 insgesamt 36 Schwimmbäder geschlossen.

(siev)