1. NRW
  2. Panorama

Schwere Unwetter treffen NRW 2018 - Einkaufscenter in Wuppertal überflutet

Feuerwehr im Dauereinsatz : Schwere Unwetter in NRW - Einkaufscenter in Wuppertal überflutet

User-Videos: So heftig tobte das Unwetter über NRW

In weiten Teilen von NRW hat es am Dienstagnachmittag Unwetter mit schweren Regenfällen gegeben. Straßen wurden überflutet. Besonders schlimm traf es Wuppertal. Dort stand das Wasser in einem Einkaufszentrum 30 Zentimeter hoch.

Am Dienstagnachmittag sind schwere Unwetter über weite Teile von NRW gezogen. Besonders hart getroffen hat es das Bergische Land, den Aachener Raum und die Eifel. „Dort sind exorbitant hohe Regenmengen gefallen“, sagte Malte Witt, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Essen, bereits am frühen Nachmittag. Einher ging der starke Regen teilweise mit Hagel und starken Gewittern.

Tankstellendach bricht in Wuppertal zusammen

In Wuppertal standen zahlreiche Straßen in der Innenstadt unter Wasser. In mindestens einem Fall soll das Wasser rund 70 Zentimeter hoch gestanden haben. In der Spitze fielen im Raum Wuppertal nach Informationen des DWD 100 Millimeter Regen, also 100 Liter pro Quadratmeter. „Das war schon extrem und ist in der Regenmenge etwa das, was normalerweise im Laufe eines Monats fällt“, sagte ein Sprecher am Mittwochmorgen. Noch am späten Abend hieß es von der Wuppertaler Feuerwehr, die Stadt befinde sich in einem “Ausnahmezustand”.

Knapp 550 Feuerwehrleute seien in der Stadt im Einsatz, viele davon bereits seit mehr als 15 Stunden, sagte ein Feuerwehr-Sprecher am Mittwoch. Ganze Straßenzüge seien auch am Mittwochmorgen sicherheitshalber immer noch stromlos geschaltet, berichtete ein Sprecher der Stadtwerke.

Das Dach einer Tankstelle an der Bundesstraße 7 hielt den Wassermassen nicht stand und fiel zusammen. Unter dem Dach parkten 14 Fahrzeuge, als es zu einer Seite kippte und auf den Asphalt krachte. Ein Mann konnte sich aus seinem Auto retten, als das Dach auf sein Fahrzeug stürzte. Der Oberhausener wurde leicht verletzt.

Auch ein Gebäude der Bergischen Universität am Campus Haspel wurde beschädigt. An einem Uni-Gebäude stürzten etwa 30 bis 50 Quadratmeter eines Daches ein. Zudem stünden der Keller sowie Teile des Erdgeschosses mindestens zweier Gebäude unter Wasser, teilte die Universität auf ihrer Webseite mit. „Nach ersten Einschätzungen ist der Ausmaß des Schadens erheblich“, erklärte Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch. Verletzt wurde niemand.

Auf vielen Straßen wurden Gullydeckel hochgedrückt und dadurch mehrere Autounfälle verursacht. Auf den überfluteten Straßen seien mehrere Autos vor die Deckel gefahren, sagte eine Polizeisprecherin. In einem Fall sei dadurch ein Airbag ausgelöst worden und habe den Fahrer im Gesicht verletzt. Mehrere Bäume stürzten um. Auch das Einkaufszentrum Cityarkaden in der Elberfelder Innenstadt lief voll Wasser.

Auch Feuerwehren aus den Nachbarstädten hatten in der Nacht in Wuppertal alle Hände voll zu tun, um durch Starkregen einsturzgefährdete Gebäude zu sichern und vollgelaufene Keller leerzupumpen. Auf Anforderung der Bezirksregierung Düsseldorf machten sich am Mittwochmorgen weitere Einsatzkräfte zur Beseitigung von Unwetterschäden auf den Weg in die Stadt im Bergischen, darunter Helfer aus Mönchengladbach, Krefeld und dem Kreis Viersen.

Hier lesen Sie, wie die Aufräumarbeiten in Wuppertal laufen.

Zugverkehr zeitweise eingestellt

Die Deutsche Bahn stellte im Raum Wuppertal den Verkehr ein. „Die Züge stehen alle am Bahnsteig“, sagte ein Bahnsprecher in Düsseldorf. Teilweise seien die Gleise vom Regen überspült worden. Maßnahmen für Ersatzverkehr seien in die Wege geleitet worden. Die Bahn riet Fahrgästen, sich über die Bahn-App über die Lage zu informieren. Auch die Schwebebahn stellte den Verkehr ein. Seit Mittwochmorgen fahren die Züge wieder weitgehend nach Plan.

Auch in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens war der Bahnverkehr beeinträchtigt. Es gab witterungsbedingte Verspätungen in den Regionen Duisburg, Oberhausen, Gelsenkirchen, Aachen sowie im Kreis Euskirchen.

Gedenkfeier in Solingen abgebrochen

Die Feuerwehr in Solingen warnte vor Hochwasser in der Wupper. In Unterburg und Wipperkotten wurde die Bevölkerung am Dienstagabend aufgerufen, Häuser zu sichern und sich in höher gelegenes Gelände zu begeben.

In Solingen wurde aufgrund einer Unwetterwarnung die Gedenkveranstaltung am Mildred-Scheel-Berufskolleg abgebrochen und das Gelände geräumt. Eigentlich hatten dort der deutsche Außenminister Heiko Maas und sein türkischer Amtskollege Mevüt Cavusoglu sprechen sollen.

So traf das Unwetter Düsseldorf, Duisburg und Aachen

An seiner Station am Düsseldorfer Flughafen maß der DWD Windstärke 10. „Das entspricht schweren Sturmböen mit 90 bis 95 Stundenkilometern“, sagt Meteorologe Malte Witt. Pro Quadratmeter fielen im Düsseldorfer Norden 48 Liter, stellenweise könnten es 65 Liter gewesen sein. Am Düsseldorfer Flughafen musste der Flugbetrieb zwischen 17 und 18.30 Uhr immer wieder aus Sicherheitsgründen eingestellt werden. Zehn Flüge fielen aus, neun Landungen wurden gestrichen.

Bis zum Abend zählte die Düsseldorfer Feuerwehr mehr als 187 Einsätze, größtenteils aufgrund überfluteter Keller und Straßen. Am stärksten betroffen waren die Düsseldorfer Stadtteile Rath, Mörsenbroich, Kaiserswerth, Kalkum, Unterrath, Stockum, Unterbach und Hubbelrath. Am Zeppenheimer Weg kam es zu einem Zimmerbrand, als Ursache wurde ein Blitzeinschlag vermutet. Dabei wurde nach Angaben eines Feuerwehrsprechers eine Person verletzt. Am Kleiansring schlug der Blitz in ein leer stehendes Gebäude ein und setzte den Dachstuhl in Brand.

Auf der A52 stürzte hinter der Ausfahrt Tiefenbroich ein Baum um. Es kam zu Verkehrsbehinderungen. Die Feuerwehr räumte den Baum weg. Verletzt wurde bei dem Unwetter in Düsseldorf niemand.

Aus Ratingen meldete die Feuerwehr Überschwemmungen und vollgelaufene Keller durch Starkregen. Es gab bis zum Morgen 365 Einsätze. Neben der Ratinger Feuerwehr waren auch Kräfte der Feuerwehren Heiligenhaus, Hilden, Mettmann, Monheim, Velbert und Wülfrath im Einsatz.

In Duisburg lief Wasser in den Keller des Polizeipräsidiums, wie die Beamten via Twitter mitteilten. Auch die Keller vieler Wohnhäuser standen laut Polizei unter Wasser. So gut wie alle Straßenunterführungen zwischen der Stadtmitte und dem Süden der Stadt seien überflutet. Außerdem ließen heftige Windes einige Bäume umstürzen. Vielerorts blieben Autos auf überfluteten Straßen liegen. Auch in Duisburg wurden Gullydeckel von den Wassermassen aus der Form gedrückt. Etwa 200 Einsatzkräfte waren im Einsatz.

Bei Kleve musste am frühen Mittwochmorgen ein Autobahnzubringer gesperrt werden, um die Fahrbahn zu reinigen. Überschwemmungen hatten die Straße unbefahrbar gemacht. Aus Bedburg-Hau meldete die Feuerwehr ebenfalls vollgelaufene Keller und umgekippte Bäume. In Hau schlug ein Blitz in eine Wohnhaus ein.

Heftige Regenfälle gab es auch in Aachen. Dort registrierte die Feuerwehr am späten Nachmittag 450 Notrufe. Man habe Hilfe aus den Nachbarkommunen angefordert, sagte ein Sprecher. In einem Stadtteil von Aachen fiel zeitweise der Strom aus, nachdem ein Wassereinbruch einen Kurzschluss in einem Trafohäuschen verursacht hatte. Wassereinbrüche in Kellern gab es auch im Raum Monschau.

Das sind die Aussichten für die kommenden Tage

In den kommenden Tagen wird das Wetter in NRW kaum besser. „Am Mittwoch bleibt es im Rheinland relativ ruhig. Am Donnerstag, Freitag und Samstag drohen allerdings wieder heftige Niederschläge. Die derzeitige Wetterlage wird uns also noch bis zum Wochenende erhalten bleiben“, sagt Witt. Für die Meteorologen sei es nicht leicht, Unwetter präzise vorherzusagen. „Die Unwetter ziehen sich wie ein Flickenteppich über weite Teile des Landes. Wir können nur kurzfristig genau vorhersagen, wo es heftig wird.“
Für Mittwoch gab der Deutsche Wetterdienst keine Entwarnung. „Es ist keine Entspannung in Sicht“, sagte ein Sprecher am Morgen. Vom Nordwesten bis in den Osten und Südosten sowie lokal im Südwesten werde es teils wieder kräftige Schauer und Gewitter geben. „Es wird wieder krachen“, sagte der Sprecher.

Über aktuelle Wetterwarnungen informiert die Katastrophen-Warn-App Nina.

(eler/sef/das/th/mso/juju/dpa)