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Virus in Düsseldorf ausgebrochen: Schweinegrippe: Eltern haben Angst

Virus in Düsseldorf ausgebrochen : Schweinegrippe: Eltern haben Angst

Die Düsseldorfer Tagesstätte, in der ein erkranktes Kind betreut wurde, haben auch Schüler der benachbarten Grundschule besucht. Dort fiel der Unterricht gestern aus. Die Eltern der 140 Kinder wollten kein Risiko eingehen.

Die Grundschüler wissen Bescheid. "Da ist zu", erklärt ein Steppke mit Tornister der jungen Frau, die mit ihrem Kleinkind an der Hand ratlos vor der Kita steht. "Schweinegrippe", setzt der Knirps nach. "Ein Kind hat das bekommen und deshalb ist die Kita zu, und bei uns fällt die Schule aus."

Am Himmelfahrtstag hatte sich in Düsseldorf bestätigt, was am Mittwoch noch ein Verdacht war: Die sechsjährige Tochter des an der Schweinegrippe erkrankten Ehepaares, ist ebenfalls infiziert. Weil sie Anfang der Woche zwei Tage lang in ihrer Kita-Gruppe war, ließ die Stadt die Tagesstätte am Donnerstag desinfizieren.

In der benachbarten katholischen Grundschule war gestern kein Brückentag geplant. Trotzdem haben Silke Roos und Sabine Meyer ihre Mädchen zuhause gelassen. "Wir wollen wissen, was los ist", sagt Meyer. Ihre Tochter war zwar nicht gleichzeitig mit dem kranken Mädchen in der Kita. Aber am Mittwoch. "Wer garantiert mir, dass das Virus nicht noch da gewesen ist?"

Silke Roos treibt eine weitere Sorge um. Sie ist schwanger. Und ihre Älteste ist zusammen mit vier anderen Grundschülern am Dienstag zur Vorlesestunde in den Kindergarten nebenan gegangen: "Ich muss wissen, ob sich Vanessa angesteckt haben kann."

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Schulleiter Wilhelm Brockers wiederholt seit früh um sieben, was ihm das Gesundheitsamt mitgeteilt hat. Dass kein Anlass zur Panik bestehe, dass bloß die Schüler, die nachmittags in den Hort der Tagesstätte gehen, zuhause bleiben sollen. "Aber die Eltern machen sich nun einmal Sorgen", sagt Brockers, der den gesamten Feiertag am Telefon verbracht hat. Besorgte Eltern hatten angerufen, und auch das Gesundheitsamt hielt ihn auf dem Laufenden. "Das war vorbildlich."

Gut informiert fühlen sich die Mütter trotzdem nicht. "Jeder sagt was anderes, im Internet hab' ich ganz andere Ratschläge gelesen, als sie nun vom Amt kommen", sagt Sabine Meyer. Ihre älteste Tochter ist elf. Sie hat am Donnerstag beschlossen, zu einer Freundin zu ziehen, "weil ihre Schwester in einem verseuchten Kindergarten war." Und die zehnjährige Vanessa fühlt sich schuldig wegen der Aufregung, die ihre Familie durchmacht, bloß weil sie in der Vorlesestunde war.

Eltern und Schulleiter beschließen: Das Schulhaus bleibt den gesamten Freitag über zu. Ein Vater trägt die Tornister seiner Kinder zurück zum Auto. Und schaut skeptisch zur Hausmeisterin, die mit einer Atemmaske ausgerüstet ist. Sie fegt Lindenblüten zusammen und brauchte die Maske wegen einer Allergie. Aber an einem Tag wie diesem ist Heuschnupfen das letzte, woran man denkt.

Hier geht es zur Infostrecke: Alles zur Schweinegrippe in Düsseldorf

(RP)