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Schulstart NRW: Schule nach den Ferien – so liefen die Coronatests

Schulstart in NRW : Unterricht mit Massentests und aufgerissenen Fenstern

Für die rund 2,5 Millionen Schüler in NRW hat am Montag wieder der Unterricht begonnen. Alle Schüler, Lehrkräfte und weitere Beschäftigte sollen am ersten Schultag nach den Ferien auf das Coronavirus getestet werden. Ein Besuch an einer Realschule in Düsseldorf.

Es ist 8.01 Uhr am Montagmorgen, Unterrichtsbeginn an der Thomas-Edison-Realschule in Düsseldorf-Flingern. Dominique Jagusch öffnet die weiße Box mit den Selbsttests und verteilt sie an ihre Schüler. Es geht ruhig und gesittet zu; für die Jugendlichen der zehnten Jahrgangsstufe ist es Routine, die dünnen Stäbchen jeweils 15 Sekunden in jedes Nasenloch zu stecken. Nach 15 Minuten ist das Ergebnis der Klasse da: alle negativ. Niemand muss nach Hause.

Für die rund 2,5 Millionen Schüler in Nordrhein-Westfalen hat mit dem Ende der Weihnachtsferien am Montag wieder der Unterricht begonnen. Alle Schüler, Lehrkräfte und weitere Beschäftigte an den Schulen sollen am ersten Schultag auf das Coronavirus getestet werden. An den regelmäßigen Tests in den Schulen müssten auch Geimpfte und Genesene teilnehmen, hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) mitgeteilt. Diese erweiterte Testpflicht solle für zusätzliche Sicherheit im Schulbetrieb sorgen. Die Corona-Tests reagieren laut Ministerium auf alle bekannten Virusvarianten einschließlich der Omikron-Variante.

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Präsenzunterricht trotz Corona

„Hier gilt Mund-Nase-Schutz-Pflicht“ steht auf einem Plakat am Haupteingang der Thomas-Edison-Realschule. Zutritt zum Gebäude haben nur Geimpfte, Genesene und Personen mit negativem Corona-Schnelltest – es gilt die 3G-Regel. Am Montagmorgen werden die Schüler vor Unterrichtsbeginn auf dem Hof vor der Schule von ihren Lehrern abgeholt. Es gibt feste Aufstellplätze, damit die Klassen nicht durcheinandergeraten. Dann geht es in die Klassenräume, wo die Testmaterialen bereitliegen. „Wir gehen immer davon aus, dass der größte Teil negativ getestet wird“, sagt Schulleiterin Claudia Sieker. Im Durchschnitt gebe es pro Woche ein bis zwei Positiv-Fälle an ihrer Schule. „Das betroffene Kind wird dann zur Schulsozialpädagogin gebracht. Sie spricht dann mit dem betroffenen Kind darüber; geht mit ihm raus und wartet, bis die Eltern zur Abholung da sind“, sagt Sieker.

An diesem Montag gibt es einen positiven Fall an der Schule. Kein Kind, das positiv getestet wird, müsse Angst haben, ausgegrenzt zu werden von den Mitschülern, sagt Konrektorin Melanie Lersch. Das Gegenteil sei der Fall. „Es gibt keine negativen Reaktionen. Die Schüler kümmern sich umeinander, bauen einander auf.“

Rahel (16) und Amira (15) gehen in die 10b der Edison-Realschule. Beide haben kein Problem damit, morgens in der Schule getestet zu werden. Das sei schließlich gut für ihre Gesundheit, sagen sie. „Und auch für unsere Familien und Freunde ist es ja gut, wenn sie wissen, dass wir negativ getestet sind“, sagt Rahel. Grundsätzlich stört die beiden, dass durch die Pandemie das Schulleben leidet – Klassen- und Abschlussfahrten ausfallen, Ausflüge und Feste nach stattfinden können. „Und leider sind auch viele Praktika nicht möglich gewesen, die sehr wichtig für uns gewesen wären. Dadurch fehlt uns jetzt viel Erfahrung“, sagt Rahel.

Gegen 8.15 Uhr klopft es an der Tür von Anja Schmidt; sie ist die Schulsozialpädagogin an der Edison-Realschule. Es ist ein Junge, der an diesem Montag positiv getestet worden ist. Nun muss er von seinen Eltern abgeholt werden und einen PCR-Test machen. Schmidt redet ihm gut zu und informiert ihn über alles, was er jetzt wissen muss. Die positiv getesteten Kinder seien zunächst ein bisschen verschreckt. „Sie haben schon etwas Angst. Aber dann geht es auch schnell wieder“, sagt sie. Die meisten hätten keine Symptome. „Und wenn doch, dann sind es leichte Erkältungserscheinungen“, so Schmidt.

Die ersten beiden Unterrichtsstunden an der Edison-Realschule sind um; der Pausengong läutet, die Kinder und Jugendlichen kommen aus den Klassenräumen und gehen auf den Hof. Alle tragen Mundschutz; man sieht nicht einen Schüler, der vergessen hat, die Maske aufzusetzen. „Wir haben hier eine hohe Disziplin. Die Schüler ziehen wirklich alle mit“, sagt Sieker, während die Jugendlichen an ihr vorbeigehen. Die Kinder seien auch dankbar, in die Schule kommen zu können und nicht zuhause bleiben zu müssen. „Präsenzunterricht ist für sie wichtig. Und auch wir als Kollegium sind Befürworter des Präsenzunterrichts“, sagt Sieker.

Grundsätzlich bleibt es in NRW bei dem bisherigen Testrhythmus für die Schüler: An den weiterführenden Schulen stehen dreimal wöchentlich Antigen-Selbsttests an. An den Grund- und Förderschulen sowie den Schulen mit Primarstufe bleibt es bei der Testung zweimal wöchentlich mit PCR-Lolli-Tests. Das immunisierte Schulpersonal soll ab Montag dreimal pro Woche einen Antigen-Selbsttest oder einen Bürgertest durchführen. Das nicht immunisierte Schulpersonal soll weiterhin an den Präsenztagen in der Schule einen Antigen-Selbsttest unter Aufsicht in der Schule vornehmen oder einen Bürgertest vorlegen.

Corona hat den Schulalltag an der Thomas-Edison-Realschule verändert. Auch wenn der Unterricht vor Ort stattfindet, kann nicht alles gelehrt werden. „Durch die Testungen geht wertvolle Unterrichtszeit verloren, die uns natürlich fehlt, wenn es um das Erreichen der Lernziele geht“, sagt Schulleiterin Sieker. Auch die äußerlichen Umstände für die Schüler sind andere als vor der Pandemie. Die Fenster im Gebäude sind fast alle geöffnet, damit permanent frische Luft reinkommt. Auch in der Klasse von Dominique Jagusch ist es am Montagmorgen recht kühl; einige Schüler haben Jacken und Schals angelassen, einer hat sogar Handschuhe an. „Das geht aber. Viel wichtiger ist, dass keiner von uns positiv getestet worden ist“, sagt einer der Schüler.

(csh)