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Wetter in Nordrhein-Westfalen: Schneefall sorgt für Unfälle im Berufsverkehr

Wetter in Nordrhein-Westfalen : Schneefall sorgt für Unfälle im Berufsverkehr

Knapp 400 Unfälle auf glatten Straßen - das ist die Bilanz der Polizei für den Wintereinbruch auf den NRW-Straßen am Wochenende. Neuer Schneefall hat in der Nacht zu Montag erneut für rutschige Straßen in NRW gesorgt. Es kam zu Unfällen. Ein größeres Chaos blieb aber aus.

Zwar drei Tage zu spät, aber mit Schnee am "dritten Weihnachtsfeiertag" hat es im Rheinland, am Niederrhein und im Bergischen Land mit dem Wetter-Projekt "Weiße Weihnachten" irgendwie doch noch geklappt. Obwohl: Der Schnee war wählerisch. Während sich zum Beispiel in Düsseldorf oder auch in Krefeld nur wenige Flocken blicken ließen und schon gar nicht liegenblieben, schaufelten die Menschen im Bergischen und am Niederrhein bis zu 20 Zentimeter von den Bürgersteigen. Alle Kinder jubelten über den Schnee, manche Autofahrer stöhnten - ein Überblick.

Aktuelle Lage

In der Nacht zu Montag hat neuer Schneefall für rutschige Straßen in NRW gesorgt. Nach Angaben der Düsseldorfer Polizei gab es bislang aber keine größeren Verkehrsprobleme. "Die Straßen wurden früh genug geräumt. Die Autofahrer verhalten sich vorbildlich", sagt ein Sprecher der Autobahnpolizei auf Anfrage. In Köln, Leverkusen und auf den umliegenden Autobahnen, die im Zuständigkeitsberich der Kölner Polizei liegen, gab es bis 7 Uhr 20 Unfälle. Unter anderem rutschte eine Kehrmaschine in einen Graben. "Es gab mehr Unfälle als gewöhnlich. Es blieb allerdings bei Sachschäden", sagte ein Polizeisprecher. Nach 7 Uhr habe es dann nur noch vereinzelt witterungsbedingte Probleme gegeben.

Nach Angaben der Rheinbahn gab es am Montag im Betriebsablauf nur wenige Probleme. "Bereits in den frühen Morgenstunden haben wir die Oberleitungen der Straßenbahnen freigefahren. Insofern kommt es kaum zu Verzögerungen", sagt Rheinbahn-Sprecher Eckhard Lander. Es könne im Verlauf des Tages auf einzelnen Linien aber zu Verspätungen kommen, wenn eine Weiche einfriert.

In Köln ist es wegen Schnee und Eis zu Verspätungen auf verschiedenen Bus- und Stadtbahn-Linien gekommen, wie aus einer Mitteilung der Kölner Verkehrs-Betriebe AG hervorgeht. Vielerorts sorgten Mitarbeiter des Winterdienstes für freie Straßen und Gehwege.

Der Betrieb am Düsseldorfer Flughafen ist nach Auskunft von Flughafen-Sprecher Christian Hinkel nicht beeintächtigt. "Die Flugzeuge werden enteist, Start- und Landebahnen geräumt. Auf die Flüge wirkt sich das aber nicht aus. Alles läuft nach Plan", sagt Hinkel.

Auf der Deichstraße in Rees ist am Montagmorgen ein Lkw wegen Glatteis von der Fahrbahn abgekommen. Bei dem Unfall wurde niemand verletzt. Die Deichstraße ist seit fünf Stunden gesperrt.

Eine Schneefront hat am frühen Montagmorgen den Nordosten Deutschlands erreicht. Innerhalb weniger Stunden seien an einigen Orten in Mecklenburg-Vorpommern bis zu fünf Zentimeter Neuschnee gefallen, sagte Peter Hartmann, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Auch Berlin, Niedersachsen und Sachsen waren betroffen. Am Vormittag sollte es auch in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern weiter schneien.

Auf der Autobahn 2 in Niedersachsen mussten zahlreiche Lastwagen wegen des Schneefalls sehr langsam fahren, wie ein Sprecher der Autobahnpolizei Hannover mitteilte. Zu Unfällen kam es aber nicht. Auf der A9 in Sachsen wurde vor Glätte gewarnt. In Hamburg waren rund 100 Streufahrzeuge seit Mitternacht im Einsatz, weil sich Glatteis durch überfrierende Nässe gebildet hatte, wie die Stadtreinigung mitteilte.

Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes lagen am Montagmorgen in Köln bis zu 6, in Essen 5 und in Münster 2 Zentimeter Schnee. "Man sieht in weiten Teilen von NRW, dass ein bisschen Schnee liegt", sagte der diensthabende Meteorologe des DWD in Essen. Richtig winterlich sei es im Bergland mit Dauerfrost und beispielsweise 21 Zentimetern Schnee auf dem Kahlen Asten. Im Tiefland wie am Niederrhein seien am Montag Höchsttemperaturen von 3 bis 4 Grad zu erwarten. Auf den Straßen könne es glatt werden.

Schöne Seiten des Schnees

Alles, was nur im Entferntesten Kufen hat, wurde am Wochenende aus den Kellern und Garagen geholt. In Mönchengladbach-Rheydt ging es zum Beispiel am "Monte Clamotte" für alle Besucher auf Schlitten bergab. Auch das Sauerland erlebte einen Ansturm. Vor Winterberg staute sich der Verkehr auf der Autobahn auf sechs Kilometer Länge. Während über Weihnachten nur zwei Skilifte geöffnet waren, konnten die Besucher am Wochenende knapp 60 Lifte nutzen, sagte eine Sprecherin. Der beliebte Wintersportort verfügt über zehn Skigebiete mit 83 Abfahrten auf einer Gesamtlänge von 50 Kilometern.

Glück im Unglück hatte ein Pferdebesitzer am Samstag bei einer ungewöhnlichen Schlittenfahrt in Remscheid. Laut Polizeibericht hatte er drei Schlitten hinter das Tier gebunden und wollte seine Kinder durch den Schnee ziehen lassen. Doch das Pferd hatte offenbar andere Pläne. Anwohner meldeten schließlich bei der Polizei ein herrenloses Pferd, das drei leere Schlitten hinter sich herzog. Einsatzkräften der Polizei gelang es, das Pferd zu stoppen, kurz bevor es auf die Autobahnauffahrt Remscheid-Lennep einbiegen konnte.

Schlechte Seiten des Schnees

Am stärksten betroffen vom Wintereinbruch waren am Samstag das Rheinland und das Bergische Land. Auf vereisten und schneeglatten Straßen krachte es bis gestern Früh 367 Mal in ganz NRW. Der Gesamtschaden beträgt nach ersten Schätzungen rund 1,1 Millionen Euro. Bei den Unfällen wurden 38 Menschen verletzt, wie die Polizei mitteilte. Ein Mann kam bei einem Glätte-Unfall ums Leben: Der 23-Jährige war gestern Morgen auf glatter Straße bei Monheim mit seinem Auto gegen einen Baum geprallt und im Krankenhaus gestorben.

In Neuss fuhr eine S-Bahn gegen einen umgestürzten Baum. Hierbei wurde niemand verletzt. Es entstand jedoch Schaden in Höhe von 50.000 Euro. Auf der Strecke des RE 13 der Eurobahn (Hamm über Wuppertal, Düsseldorf, Mönchengladbach, Viersen nach Venlo und zurück) fielen Verbindungen zwischen Venlo und Breyell in beiden Richtungen aus. In Moers spielten wegen des Schnees diverse Ampeln und Schranken an Bahnübergängen verrückt. Die Schaltung funktionierte nicht mehr, so dass einige der Übergänge von der Polizei gesperrt werden mussten. Dadurch kam es zu erheblichen Einschränkungen im Straßenverkehr.

Durch Blitzeis auf der A 1 zwischen Burscheid und Wermelskirchen kam es gestern Nachmittag zu drei Unfällen mit insgesamt zwei Leicht- und drei Schwerverletzten. Bis 22.15 Uhr sperrte die Polizei die Autobahn in Richtung Dortmund, weil das extreme Glatteis laut Kölner Polizei nicht in den Griff zu bekommen war.

Kurz gesperrt wurde die Leverkusener Rheinbrücke der A 1. Für etwa eine Viertelstunde ging nichts mehr, weil gefährliche Eiszapfen an den Drahtseilen der Brücke beseitigt werden mussten. Die Umweltbetriebe der Stadt Kleve (USK) waren am Samstag mit 50 Mann und sieben Fahrzeugen von 6 bis 21 Uhr im Einsatz. 15 Zentimeter Schnee fielen in zehn Stunden. "Das ist für Kleve und für einen Zeitraum von zehn Stunden nicht wenig", sagte USK-Chef Rolf Janssen.

Am Düsseldorfer Flughafen musste gestern Morgen nahezu jeder Jet enteist werden, im Verlauf des Tages war dies wegen der trockenen Kälte nicht mehr nötig.

Die Aussichten

Nach dem traumhaften Winterwetter werden die kommenden Tage eher eine matschige Angelegenheit, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes. Schon in der Nacht zu heute sind weitere Schneefälle möglich. Nach einer frostigen Nacht steigen die Temperaturen in der Region auf zwei bis drei Grad Celsius und verwandeln die zu erwartenden Niederschläge in Schneeregen, der sich bis Mittwoch fortsetzen soll. Für den Jahreswechsel erwartet der Deutsche Wetterdienst zwar keinen Schnee, dafür aber eine trockene, klirrend kalte Silvesternacht mit bis zu minus drei Grad. Der Neujahrstag wird voraussichtlich trocken mit einem Mix aus Sonne und Wolken sowie Temperaturen knapp über null Grad.

Schnee in Deutschland

Wegen des Wintereinbruchs war der Betriebsablauf am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main gestört. Von den 939 geplanten Flügen seien gestern 20 annulliert worden, berichtete der Flughafenbetreiber Fraport. Zudem kam es zu Verspätungen von durchschnittlich 30 Minuten je Maschine, weil jedes Flugzeug enteist und die Start- und Landebahn geräumt werden musste. Auf der verschneiten Autobahn 8 bei Stuttgart standen am Samstag Verkehrsteilnehmer über 20 Kilometer im Stau.

Schnee in Europa

Etwa 15.000 Reisende haben im Osten Frankreichs wegen verschneiter Straßen die Nacht zu gestern in Notunterkünften verbracht. In den Alpengebieten der Savoyen kamen nach Angaben der Präfektur Tausende Fahrzeuge nicht mehr vom Fleck. In zahlreichen Gemeinden wie Albertville, Chambéry, Moutiers oder Aix-les-Bains wurden Notunterkünfte für Urlauber und Ausflügler eingerichtet. Innenminister Bernard Cazeneuve hatte appelliert, geplante Reisen in die Schneeregion nach Möglichkeit zu verschieben.

In mehr als 100 000 britischen Haushalten fiel zeitweise der Strom aus. In den Alpen gibt es zudem schon erste Lawinenwarnungen. In einigen Regionen der Schweiz gab es an den letzten drei Tagen ungefähr einen Meter Neuschnee.

(RP)