Salafisten, Pegida, Hooligans: Stimmung in Wuppertal gereizt

Demonstration von Salafisten, "Pegida", Hooligans : In Wuppertal fliegen Flaschen und Böller

Wasserwerfer standen bereit, es flogen Knallkörper, Hundertschaften in voller Montur riegelten die Straßen ab: Ein brisanter Mix von Extremisten hatte sich in Wuppertal versammelt. Besonders aggressiv zeigten sich rechte Hooligans. Es gab mehrere kleine Ausschreitungen.

Insgesamt waren nach Einschätzung der Polizei deutlich weniger als die erwarteten 3000 Demonstranten in der Stadt. Zu der Pegida-Kundgebung kamen rund 1000 statt der erwarteten 2000 Menschen, darunter auch vermummte Neonazis und Hooligans. Bei den Salafisten waren es rund 100 statt der erwarteten 400 Teilnehmer. Weit mehr als 1000 Polizisten waren im Einsatz, unter anderem mit Wasserwerfern.

Schon vor Beginn der offiziellen Kundgebungen um 15 Uhr mussten Reiterstaffeln der Polizei in Elberfeld Hooligans und Autonome auseinanderhalten. Die Mitglieder der "Hogesa" (Hooligans gegen Salafisten) zogen dann durch die Straßen und sangen rechtes Liedgut.

Demo der Salafisten in Wuppertal

Für die "Pegida" trat Lutz Bachmann am Schauspielhaus ans Rednerpult, Mitgründer der Bewegung. Ihm hörten rund 1000 Anhänger zu. Dabei war die doppelte Menge angekündigt worden 2000 Menschen sollten als Teilnehmer kommen. Die Stimmung im "Pegida"-Lager war zeitweise schneidig: Es flogen Böller und Flaschen, die Polizei fuhr drei Wasserwerfer auf und brachte sie in Stellung. Schließlich untersagten die Beamten "Pegida" einen Marsch und erklären die Veranstaltung für beendet. Die "Pegida"-Organisatoren stimmten dem zu. Wie ein Polizeisprecher sagte, waren rund 100 Hooligans unter den "Pegida"-Demonstranten, die "hochaggressiv" waren.

Salafisten starten mit Verspätung

Von den Salafisten hatten sich bis 15.30 Uhr nur 20 bis 30 Mitglieder versammelt. Vor ihnen stand die Masse von Gegendemonstranten, die laut Parolen brüllten. Laut Angaben der Polizei haben die Kundgebungen des "Wuppertaler Bündnisses gegen Nazis" mit 700 Demonstranten eine weitaus höhere Teilnehmerzahl als angenommen.

Mit Verspätung traf am Nachmittag auch der "prominente" Redner der Salafisten ein: Sven Lau, einer der Hintermänner der "Scharia-Polizei", die in Wuppertal aufgetreten war. Nach Angaben der Polizei hatten viele Salafisten durch das Verkehrschaos in der Stadt Probleme, zum Veranstaltungsort zu gelangen. Zu Rangeleien kam es auch, als Polizisten die Teilnehmer der Salafisten-Kundgebung durchsuchten. Gegen 16.30 Uhr waren rund 100 Salafisten zusammengekommen.Sie skandierten lautstark "Allahu akbar" - "Allah ist groß".

Eine Gruppe linksextremer Demonstranten versuchte nach Laus Rede, zu provozieren: Die Teilnehmer hatten ein lautstrakes Pfeikonzert angestimmt und warfen Böller Richtung Polizei und Salafisten. Die Einsatzkräfte griffen sofort durch.

Gespenstische Atmosphäre in der Stadt

Vor der Begegnungsstätte "Alte Synagoge" waren Bürger zusammengekommen, die gegen eine Salafisten-Demo ganz in der Nähe protestierten. "Es ist ein Unding, dass die Salafisten sich in Sichtweite einer Synagoge versammeln. Ich möchte nicht, dass solchen Leuten das Feld überlassen wird", sagte ein 63-Jähriger. "In der Stadt herrscht wirklich eine gepenstische Atmosphäre - überall Straßensperren, Wasserwerfer und Polizei", sagte ein 44 Jahre alter Wuppertaler, der auf dem Weg zur Arbeit durch die Stadt musste. Da keine Züge vom Hauptbahnhof fahren, musste er wie viele Fahrgäste auf den Bus umsteigen - und die standen im Stau.

Viele Geschäftsleute hatten schon frühzeitig ihre Läden geschlossen und baten mit Schildern im Schaufenster um Verständnis. In den Kaufhäusern die noch geöffnet hatten, herrschte gähnende Leere. Auch nach Ende der Demos gegen 17.30 Uhr ist die Innenstadt an diesem Samstag menschenleer. Auf der Poststraße, einer Haupteinkaufsstraße, haben alle Geschäfte geschlossen. Man könnte meinen, es sei ein Sonntag.

Polizei verhindert Aufeinandertreffen

An den Demonstrationen sollten laut Anmeldungen rund 3000 Menschen teilnehmen, doch es wurden bedeutend weniger. Die Polizei war mit mehr als 1000 Einsatzkräften in der Stadt präsent. Sie sollten die Demonstrationen absichern und ein Zusammentreffen der verschiedenen Gruppen verhindern. "Es ist eine einmalige Situation. So etwas hatten wir bundesweit noch nicht", sagte Wuppertals Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher im Vorfeld.

Die Behörden nahmen das Gewaltpotenzial auch wegen der Erfahrungen in den vergangenen Monaten sehr ernst. Ende Oktober war es bei einer Hogesa-Kundgebung in Köln zu schweren Krawallen gekommen. Salafisten hatten sich bereits in Solingen und Bonn Straßenschlachten mit der Polizei geliefert.

Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung rief im Vorfeld zum Protest gegen die Extremisten auf. Und so sind auch zahlreiche demokratische Bündnisse, Kirchengruppen und Parteien zur Gegendemo gekommen.

Neben der Begegnungsstätte Alte Syagoge wird mit Musik und Reden demonstriert #14mwtal #wuppertal pic.twitter.com/2Df5HCKjBr

Bunte Vielfalt. Wuppertaler Bürger vor der Begegnungsstätte Alte Synagoge. #14Mwtal #Wuppertal pic.twitter.com/QKlHbkZ8Td

Mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wuppertal: Demo mit Hooligans, "Pegida", Salafisten

(Mit Agenturmaterial)
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