Säugling getötet – Vater weist vor Gericht Vorwürfe zurück

Prozess in Aachen : Baby stirbt durch Schädelbruch - „Liebevollster Vater“ vor Gericht

Der Sohn war ein Wunschkind. Als der Vater mit ihm allein ist, stirbt der Säugling an den Folgen eines Schädelbruchs. Der Vater steht vor Gericht, aber für die Kindsmutter gibt es keinen besseren Vater.

43 Minuten kämpfen die Rettungskräfte an jenem Tag im März um das Leben des Säuglings - vergeblich. Sie schaffen es nicht, den Säugling ins Leben zurückzuholen, wie der Notarzt am Dienstag vor dem Landgericht Aachen aussagte. Der verzweifelt wirkende Vater, die Geschwister der Kindsmutter und deren Eltern - „in der ganzen Wohnung war tiefe Trauer“, schilderte ein Polizist am Dienstag die damalige Situation beim Prozessauftakt gegen den 37 Jahre alten Vater.

Er wird beschuldigt, sein sechs Monate altes Kind getötet zu haben, als die Kindsmutter im Krankenhaus war: entweder mit massiven Schlägen gegen den Schädel des Kindes - oder er habe den Säugling gegen die Wand oder einen Gegenstand geschlagen, hieß es in der Anklage. Der Säugling starb demnach an den Folgen eines Schädelbruchs. Der Vater steht wegen Totschlags vor Gericht. Er habe den Tod des Jungen billigend in Kauf genommen, heißt es in der Anklage weiter.

„Mein Lebensgefährte ist der liebevollste Vater, den ich kenne“, sagte die 27-jährige Mutter und Lebenspartnerin am Dienstag vor Gericht unter Tränen. Dem Mann auf der Anklagebank war in dem Moment anzusehen, wie schwer für ihn der Schmerz seiner Freundin zu ertragen war. Er könne sich nicht erklären, wie es zu dem Schädelbruch gekommen sei, hatte der Mann vorher ausgesagt.

Sein Verteidiger verwies auf ein von ihm selbst in Auftrag gegebenes Gutachten: Demnach könnte das Kind schon früher verletzt worden und die tödlichen Folgen erst mit Zeitverzögerung eingetreten sein.

Die Lebenspartner schilderten unabhängig voneinander, dass sie sich vor gut zwei Jahren kennenlernten und 2017 in Alsdorf bei Aachen zusammenzogen. Sie sei zwei Mal schwanger geworden, zwei Mal habe sie ihr Kind verloren, sagte die junge Frau. Dann kam der Junge zur Welt, in einer schwierigen Geburt mit einer Schädeldeformation, wie die Mutter emotional aufgewühlt schilderte.

Als sie ins Krankenhaus musste, brachten die beiden den Jungen erst einmal zur Schwiegermutter. Bis zur Narkose sei er bei seiner Freundin geblieben und dann gefahren, schilderte der Angeklagte: Er habe Einkäufe erledigt, die Wohnung aufgeräumt, und dann das Kind abgeholt. „Dem Kleinen ging es nicht so gut, er hatte vorher schon Fieber“, sagte er vor Gericht - wegen einer Erkältung. Am Nachmittag fuhren Vater und Sohn zur Mutter ins Krankenhaus und dann war der Vater die erste Nacht allein mit dem Kind.

Das Kind war unruhig, erbrach sich am späten Abend und hatte Durchfall, wie der Angeklagte vor Gericht angab. Erstaunen klingt aus der Stimme des Mannes, als er in einer vorgespielten Sprachnachricht an die Freundin über die Mengen von Erbrochenem und Darminhalt spricht. Er habe den Sohn sauber gemacht, eingepackt, aber jetzt suche er das Fieberthermometer, sagte der 37-Jährige in der Nachricht. Nach Mitternacht schickte er ihr nach eigenen Angaben ein Video, wegen der Schnappatmung des Jungen: Im Gerichtssaal ist die unterbrochene Atmung des Säuglings zu hören.

Der Junge sei dann aber eingeschlafen, schilderte der Vater. Am nächsten Morgen habe er den den Sohn nach Atemaussetzern ins Krankenhaus bringen wollen. Auf der Fahrt dorthin habe der Säugling so merkwürdige Geräusche von sich gegeben, dass er unterwegs den Notarzt alarmiert habe und umgekehrt sei. Dieser Einsatz lief bei dem Arzt unter dem Stichwort „Reanimation Kind“ auf.

(anst/hsr/dpa)
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