RWTH Aachen: Baute Professor seine Villa auf Kosten der Hochschule?

Skandal in Aachen : Baute Professor seine Villa auf Kosten der Hochschule?

Ein hoch dotierter Architektur-Professor der RWTH Aachen hat mit seinem Lehrstuhl eine teure Luxusvilla als Forschungsprojekt gebaut. Anschließend ist er selbst in das Gebäude eingezogen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Es ist eine echte Prachtvilla, die da seit nicht allzu langer Zeit im Aachener Südviertel an einer der feinsten Adressen der Stadt steht. Ein modernes Gebäude, ein eleganter Kubus, ein Vorzeigebau. Sollte es wohl auch sein, denn es ist kein normales Haus.

Es ist ein Forschungsprojekt, ein „Reallabor“, wie es in einer Beschreibung des Projekts heißt. Als solches wurde es nach Informationen unserer Zeitung von einem Lehrstuhl der RWTH-Fakultät für Architektur gebaut, versehen mit Technik, die moderner nicht sein könnte.

Diese quasi wissenschaftliche Prachtvilla mit Pool im Garten beschäftigt jetzt jedoch ganz andere Experten, nämlich solche für Strafrecht. Die Aachener Staatsanwaltschaft schaut sich derzeit genau an, was beim Bau des Gebäudes passiert ist. Im Fokus steht der Inhaber des Lehrstuhls, ein höchst renommierter und mit mehreren internationalen Preisen dekorierter Forscher und Professor.

Von der RWTH angezeigt

„Ermittelt wird wegen des Verdachts des Betruges, der Insolvenzverschleppung und der Untreue in Bezug auf Gelder der RWTH“, sagte Jost Schützeberg, Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Mittwoch auf Anfrage der Aachener Zeitung. Angezeigt hat den Mann die RWTH nach intensiven Untersuchungen des Sachverhalts durch die Innenrevision und die Rechtsabteilung der Hochschule. In dem Fall soll sich nach Informationen dieser Zeitung Folgendes zugetragen haben: Für den Bau des modernen – und sicherlich enorm teuren – Gebäudes soll der Professor der RWTH Drittmittel zugesagt haben, die von einer seiner Firmen kommen sollten.

Diese Firmen führt er offenbar neben seinem Hauptberuf, teils auch zusammen mit Familienmitgliedern, wie Wirtschaftsdatenbanken zu entnehmen ist. Besagte Drittmittelgeberin sollte eine im Jahr 2004 ins Handelsregister eingetragene Firma sein. Doch aus den Drittmitteln wurde wohl nichts. Die Firma rutschte Anfang 2018 ins Insolvenzverfahren und wurde im Frühjahr liquidiert.

Eingezogen ist in das Gebäude schließlich besagter Professor inklusive seiner Firmen, die er führte und teils heute noch führt. Man könnte also annehmen, dass er selbst der größte Nutznießer seines eigenen Forschungsprojekts ist. Und er ist wohl auch sein eigenes Versuchskaninchen. Denn in der Beschreibung des Projekts heißt es unter anderem, dass die mit dem Gebäude zu erforschenden Dinge „in einer wohnlich genutzten Umgebung geprüft werden“ und seine, „Bewohner [...] mit dem Prototypen konfrontiert“ werden sollen. Das passiert wohl just unter der Adresse im Aachener Südviertel.

Rechtsanwalt Rolf Schwedhelm aus Köln, der den Professor in dem Verfahren vertritt, wollte sich auf Anfrage zu dem Fall nicht äußern, wie er über sein Vorzimmer mitteilen ließ. Die RWTH Aachen gibt wegen des schwebenden Verfahrens derzeit ebenfalls keine konkreten Auskünfte.

Disziplinarverfahren ruht

Fakt ist: Gegen den Aachener Lehrstuhlinhaber wurde seitens der Hochschule auch ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Wegen der staatsanwaltlichen Ermittlungen ruht dieses Verfahren allerdings. Deswegen kann der Professor auch nicht suspendiert werden und ist weiterhin im Dienst. Was rechtlich so auch vorgeschrieben ist. Schließlich gilt die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils.

Dieser Text ist zuerst bei der Aachener Zeitung erschienen.

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