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Serie Unser Rhein (Folge 22): Vom Floßgiganten zum Containerschiff

Serie Unser Rhein (Folge 22) : Vom Floßgiganten zum Containerschiff

Das Rheinmuseum Emmerich dokumentiert mit 140 Modellen die Entwicklung der Rheinschifffahrt.

Unmittelbar an der deutsch-niederländischen Grenze, liegt der Rhein-Waal-Terminal Emmerich näher an den wichtigen Nordseehäfen Rotterdam und Antwerpen als jeder andere deutsche Binnenhafen. Zwei Containerbrücken gewährleisten den Umschlag zwischen Schiff und Bahn oder Lastwagen. Im ersten Halbjahr 2014 schlugen die 35 Beschäftigten 70 000 Standardcontainer um.

 Dieses Modell eines Rheinfloßes ist im Emmericher Rheinmuseum zu finden.
Dieses Modell eines Rheinfloßes ist im Emmericher Rheinmuseum zu finden. Foto: Scholten

Mitte der 70er Jahre revolutionierte der genormte 20-Fuß-Container, übernommen aus der Logistik der US Army, auch den Transport von Stückgut aller Art auf dem Rhein. Mit einer Tragfähigkeit von mehr als 5000 Tonnen und einer Geschwindigkeit von bis zu 25 Kilometern pro Stunde sind Containerschiffe die Giganten der Binnenschifffahrt. Das Modell eines Rheinriesen aus dem Jahr 1780 ist im Rheinmuseum Emmerich zu finden. Ein sogenanntes Holländerfloß im Maßstab 1:200 erinnert an die bis zu 300 Meter langen und 50 Meter breiten Holzungetüme, die von Koblenz oder Mannheim flussabwärts bis nach Holland rauschten. Dort brauchte man im 18. und 19. Jahrhundert gewaltige Holzmengen, um Schiffe zu bauen oder in den sumpfigen Böden ein Fundament für Städte wie Amsterdam und Rotterdam zu schaffen. Im Schwarzwald, zum Beispiel im Kinzigtal, wurden Eichen und Tannen im Akkord gefällt, die Stämme auf Bächen und Flüssen zum Rhein geschafft und dort tausendfach zusammengebunden. Danach rauschten die schweren Konstrukte - mit bis zu 500 Mann Besatzung - den Rhein hinunter und mussten mit reiner Menschenkraft um die vielen scharfen Krümmungen des Stromes herumgeführt werden.

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Das Steuern war eine Kunst, die in wenigen Familien als Tradition weitergegeben wurde. Dennoch scheiterten einige Flöße und zerbrachen vor allem bei Niedrigwasser an einem der damals noch zahlreichen Riffe. Dies konnte den Ruin für ein alteingesessenes Familienunternehmen bedeuten.

"Um 1800 mussten auch noch 20 Zollstellen entlang des Rheins passiert werden, weil jeder Landesvater an dem riesigen Holzgeschäft mitverdienen wollte", erklärt Herbert Kleipass, Leiter des Rheinmuseums. Anhand des 1968 von Karl Marquard gebauten Modells erläutert er die Funktionsweise des Floßes: "Ruderknechte standen in langer Reihe und lenkten das Floß in die Richtung, die der erhöht sitzende Steuermann vorgab. Jedes der bis zu 20 Ruder war 14 Meter lang und wurde von sieben Männern gleichzeitig bedient. In einem kleinen Boot fuhr ein Wahrschauer um etwa eine Stunde voraus; er ließ die Brücken öffnen und forderte durch Signale alle Segelschiffe auf, Platz zu machen. Denn die Kollision mit so einer riesigen Holzmasse wäre fatal gewesen."

Ein Holländerfloß glich einer kleinen Stadt und bot Hütten für die Ruderknechte, ein vollständiges Haus für den Flößer, dazu Kammern für den Küchenmeister sowie Ställe. Denn auch Viehherden standen auf den Flößen und wurden während der aufreibenden Reise geschlachtet und verspeist. Die Mannschaft setzte sich aus einem kleineren Flößerstamm und einer großen Menge Handwerker oder Auswanderer, die ab Rotterdam nach Amerika weiterfuhren, zusammen. Für sie war das Mitfahren als Hilfskraft eine billige Reisemöglichkeit. Manchmal waren aber auch reiche Abenteurer mit an Bord, so etwa Mark Twain, der 1878 auf einem Floß den Neckar von Heilbronn bis Heidelberg erkundete.

Dordrecht, das Zentrum des holländischen Schiffsbaus, war das Ziel fast aller Flöße. Dort wurden sie komplett zerlegt, denn sie waren ja Transportmittel und Frachtgut in einem. Das Holz wurde einer Maklerfirma übergeben, die als Vermittler zwischen Flößern und Käufern fungierte. Die Eichen- und Tannenstämme wurden im Abstand von sechs Wochen versteigert, jährlich wurden dabei mindestens zwei Millionen Gulden umgesetzt.

Der technische Fortschritt veränderte auch die Flößerei. Fortan dirigierten die ab 1830 aufkommenden Dampfschiffe die schwimmenden Holzmassen, deren Länge und Breite aber gesetzlich stark beschränkt wurde. Durch den Ausbau des Schienen- und Straßennetzes verlor die Rheinflößerei gegen Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg blühte sie noch einmal kurz auf, wurde aber 1967 vollends eingestellt.

(RP)