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Flüsse in Deutschland: So schön ist der Rhein von oben

Flüsse in Deutschland : So schön ist der Rhein von oben

Eine neue Dokumentation aus der Vogelperspektive begleitet den Rhein von seinen Quellen in der Schweiz bis zur Mündung in die Nordsee. Die beeindruckenden Bilder zeigen einen majestätischen Fluss - und wie der Mensch an dessen Ufern lebt und arbeitet.

Womöglich hat der Mensch nicht nur vom Fliegen geträumt, weil er sich über die Welt erheben und vogelgleich seine Fortbewegung beschleunigen wollte. Vielleicht hat er schon geahnt, dass die Dinge von oben, von hoher Warte aus gesehen und mit dem Sinn für Weite betrachtet, eine ganz andere Geschichte erzählen als sie es am Grunde tun, im Blickfeld der Menschen. Eine Geschichte, in der das Vergehen der Zeit erkennbar wird, das Werk der Jahrtausende.

Der Rhein tut das. An seinen Ufern kann man ihn gurgeln hören, kann Schiffe vorüberziehen sehen, den eigenen Blick treiben lassen in der mächtigen Strömung oder den dicken Zeh ins Wasser stippen. Doch immer bleibt das gegenüberliegende Ufer der nahe Horizont, scheint der Fluss nur für den Moment seine Wassermassen am Betrachter vorbeizuschieben. Im Alltag entlang des Ufers verschwindet die wahre Majestät dieses Flusses.

Geht der Mensch aber in die Luft, betrachtet den Rhein von oben, dann erschließen sich ihm die Größe und Zeitenthobenheit des Flusses, der von seinen Ursprüngen in den Schweizer Alpen bis zur Mündung in die Nordsee sechs Länder berührt: die Schweiz, Liechtenstein, Frankreich, Deutschland, Österreich, die Niederlande und über Jahrtausende sein Bett in die Berge und Täler gefressen hat. Erhabenheit - man muss Innehalten an einem Punkt mit Weitblick, um sie zu erleben.

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Ein neuer Film versucht dieses Gefühl nun sichtbar zu machen: "Rheingold - Gesichter eines Flusses". Am Donnerstag kommt die Doku aus der Vogelperspektive in die deutschen Kinos. Gedreht wurden die Luftaufnahmen über zwei Jahre hinweg mit einer Cineflex-Kamera, einer hochklassigen Helikopter-Kamera. Beschaulich fliegt der Betrachter mit ihr über Fluss und Landschaft, von den aufgewühlten Fluten am Rheinfall von Schaffhausen über Gebirgslandschaften bis zu den Auen des Niederrheins und den Weiten vor der Rheinmündung. Er sieht Windmühlen kreisen.

Doch der Film gaukelt keine Unberührtheit vor, die heute nicht mehr existiert. Auch die Stromkraftwerke und Stahlwerke entlang des Flusses werden gezeigt, beleuchtete Schlote in Duisburg, Chemiewerke wie BASF mit ihrem gigantischen Röhrensystem, der Braunkohletagebau bei Garzweiler. Auch die Katastrophen am Rhein wie das Sandoz-Unglück 1986 oder die großen Hochwasser finden sich wieder. Leider folgt der Film einer schlichten Gut-Böse-Dramaturgie, die vor allem durch Musik geschaffen wird. Sind Reiher im Schilf alter Rheinarme zu sehen, wird das lieblich begleitet. Holen Bagger Geröll aus dem Rheingrund oder pusten Kraftwerkstürme Kondenzwolken in die Luft, dräut musikalisch Unheil.

Dazu sind die Autoren des Films Peter Bardehle und Lena Leonhardt auf die Idee verfallen, dem Rhein selbst eine Stimme zu geben. Und zwar die von Ben Becker. Der spricht nun als "Vater Rhein" poetische Texte von zweifelhafter Qualität oder raunt Selbstreflexionen eines Flusses wie "Habe schon Menschen auf ihrem Nachtlager ertränkt, wenn ich Platz brauchte." Das ist überflüssig, die Filmemacher hätten ihren starken Bildern vertrauen und den Zuschauer ganz zum genießenden Betrachter werden lassen sollen, der im Kino auch einmal zur Ruhe kommen kann.

Er hat ja so viel zu entdecken in diesem Film: Die Familie in den Niederlanden, die mit einem alten Kahn zum Hausboot schippert. Die Mädchen sitzen in rosa Kleidchen und Schwimmwesten im Boot und werden gleich an Land sicher losstürmen. Oder die Architektur der vielen Burgen am Mittelrhein, der imposanten Dome zu Speyer und Worms oder der mittelalterlichen Häuser in Straßburg. Der Rhein als Handels- und als Lebensader zeichnet sich da ab und als Mythenspender, der etwa Wagner zu seinem "Rheingold" inspirierte. Der Kölner Dom wird fliegend umrundet, der Düsseldorfer Medienhafen als hipper Treffpunkt gezeigt und die Stadt als "die Kosmopolitin" am Rhein gepriesen. Und wie im Flug ist die Zeit vorbei, schwebt die Kamera schon der Mündung des Rheins in die Nordsee entgegen.

Jeder Betrachter wird eine andere Stelle entlang des Flusses vermissen. Doch das ist auf Augenhöhe des Menschen gedacht. Der Flug über den Rhein lässt diese Perspektive vergessen. Er schenkt Weite und Großzügigkeit.

(RP)