Unser Rhein: Die Geschichten der Leser

Unser Rhein : Die Geschichten der Leser

Zu unserer Serie über den Rhein haben wir Leser um ihre Geschichten gebeten. Die Ausbeute ist so zahlreich wie vielfältig und auf einer Seite nicht abzudrucken. Deshalb geht es heute unter anderem um einen Hund, der Kilometersteine sammelt, einen Lebensretter und eine Floßfahrt.

Mein Großvater Hermann Adams, geboren am 8. Januar 1875, war ein leidenschaftlicher Schwimmer. Mit 50 Jahren rettete er einen Ertrinkenden vor dem Tod. Die Rettungsmedaille halte ich bis heute in Ehren. Wegen eines Herzfehlers hatte der Arzt meinen Großvater längeres Schwimmen verboten. Meine Großmutter unterstützte dieses Verbot und versteckte seinen Badeanzug. Aber Großvater konnte und wollte seine Leidenschaft nicht aufgeben. Wenn er dann zu meiner Mutter kam, um sich Vaters Badeanzug zu leihen, konnte ihm diese seine Bitte nicht abschlagen. Sie musste ihm das Versprechen geben, Stillschweigen zu bewahren. Oft sahen meine Eltern Großvater im Rhein schwimmen. Mein Vater hat diese Leidenschaft geerbt und ließ sich sogar von Frachtkähnen mitziehen. Das war damals schon verboten, wurde aber von vielen praktiziert.
Monika Katzer, Düsseldorf

Bei einer Fahrt nach Kleve-Griethausen habe ich mich an einer Geschichte von vor 40 Jahren erinnert. Damals hat mein Vater mit mir und meinen jüngeren Geschwistern einen Ausflug gemacht: Wir waren "Hochwasser-Gucken". So standen wir Kinder mit Papa in seiner Bäckerkleidung oben auf dem Deich und schauten Richtung Schenkenschanz. Es fuhren kleine Boote, die den Ort mit Lebensmitteln ansteuerten. Aber das Erstaunlichste war der rudernde Postbote.
Hildegard Hufschmidt, Hilden

Meine Jugend habe ich im Sommer in den 50er- und 60er-Jahren hauptsächlich am Rhein verbracht. Für das Schwimmbad fehlte uns das Geld. Leider gab es am Rhein keinen Schatten, so dass wir unser Zelt aufbauen mussten. Aber trotz Hut holte ich mir einen ordentlichen Sonnenbrand. Abends bekam ich von meiner Mutter eine Ganzkörperpackung mit Quark zum Kühlen. Dieser backte sofort an, und ich bekam ihn kaum mehr runter.
Karin Stoffels, Düsseldorf

Im Mai sind wir mit Verwandten aus Sachsen-Anhalt durch den Fernwärme-Tunnel unter dem Rhein in Köln gelaufen. Es ist schon ein wenig unheimlich, wenn man in der Mitte liest, welches Gewicht auf dem Tunnel lastet. Bei normalem Wasserstand sind es 177 Tonnen. Nachdem auch die letzte Quasselstrippe endlich still war, hörte man den Motor von einem Schiff über uns. Nachdem wir den 461 Meter langen Tunnel passiert hatten, ging es wieder 100 Stufen nach oben ans Tageslicht. Der Rhein von oben lässt sich aus der Seilbahn betrachten, knapp acht Minuten dauert eine Fahrt. Damit haben wir einer Freundin eine Freude gemacht, die viele Jahre in Köln gearbeitet hat und oft zur Seilbahn schaute, aber nie mitgefahren war. Selbst der Rollator der Freundin bereitete kein Problem, der bekam eine Gondel für sich, und wir fuhren hinterher. Das war schon lustig. Der Rhein von unten und von oben — beides hat uns gut gefallen.
Marion Fiedler, Leichlingen

Der irische Wolfshund Kurt liebt den Rhein. Foto: Andrea Debusmann

Zur Kommunion in den 60ern bekam ich ein hübsches, goldenes, mit meinem Namen eingraviertes Armband geschenkt. Jahrelang trug ich ganz stolz — mein erstes goldenes Armband. Dann kam der verhängnisvolle Tag. Wir fuhren bei bestem Wetter mit dem Schiff von Düsseldorf nach Zons. Ich hielt meine Arme über die Reling und spielte an meinem Lieblingsarmband. Meine Mutter ermahnte mich noch, nicht so damit rumzuspielen, aber ich hörte nicht auf. Aus irgendeinem Grund öffnete sich der Verschluss des Armbands und fiel in den Rhein. Keine Chance es jemals wiederzufinden — mein Armband mit meinem Namen drauf. Ich war sehr entsetzt und traurig. Es gab natürlich auch kein Neues — das war zu teuer und ich sollte ja auch was daraus lernen. Nun liegt es seit vielen Jahren auf dem Grund des Rheins — Rheingold halt.
Irmgard Kaiser, Mönchengladbach

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(RP)