Serie Unser Rhein (Folge 3): Denkmal geschützt und ziemlich kultig

Serie Unser Rhein (Folge 3) : Denkmal geschützt und ziemlich kultig

Hafenstadtteil Duisburg-Ruhrort: Nicht nur Schimanski liebt den besonderen Flair des Viertels an der Mühlenweide.

Auf dem Rhein hinter Krefeld flussabwärts sieht man sie schon von weitem, die knall-farbene "Rheinorange", eine Stahlbramme als Kunst-Skulptur und Landmarke für die Region zugleich und ein besonderes Wahrzeichen Duisburgs. Dort, am Rheinkilometer 780, kündigt sich Ruhrort an, ein Stadtteil mit bewegter Geschichte und bewegender Gegenwart - aber auch mit Zukunft.

Eigentlich ist Ruhrort eine Insel und war bis vor rund 900 Jahren sogar linksrheinisch. Denn bevor man den Rhein zum Schutz vor Hochwasser und zum Nutzen der Schifffahrt zähmte und in ein festes Flussbett zwang, verlagerte er immer wieder seinen Lauf und suchte neue Windungen. Floss er bis zum 11. Jahrhundert noch mit einer östlichen Schleife im Bereich des heutigen Innenhafens am mittelalterlichen Duisburg vorbei, fand er später eine "Abkürzung", indem er die bisherige Ostschleife nach Norden hin durchbrach.

Das Leben und Wohnen in Ruhrort spielte sich bis etwa Mitte des 18. Jahrhunderts ausschließlich innerhalb der Stadtmauern auf einem Areal von nur 120 mal 115 Metern ab. 1716 war die Geburtsstunde des Ruhrorter Hafens und 1756 siedelte sich die Familie Haniel in Ruhrort an und begab sich auf den Weg erfolgreichen Unternehmertums. Handel und Schifffahrt beeinflussten fortan das Leben und die Entwicklung Ruhrorts. Das wiederum veranlasste die damals zu Preußen gehörende Klevische Kammer längst überfällige Stadterweiterungen in Ruhrort vorzunehmen. Mit der dritten und letzten Stadterweiterung Mitte des 19. Jahrhunderts waren alle räumlichen Ausdehnungsmöglichkeiten allerdings erschöpft. Ruhrort wurde im Norden durch die Werke der Schwerindustrie, im Osten durch den Hafen und im Westen und Süden durch die Flussläufe von Rhein und Ruhr begrenzt. Gut 12 400 Einwohner zählte zu diesem Zeitpunkt die Stadt. Heute sind es rund 5200 Menschen.

Was wäre Ruhrort ohne Horst Schimanski (hier bei Dreharbeiten zu "Loverboy). Foto: Reichwein/Archiv

Architektonisch ist vieles aus den Stadterweiterungsaktivitäten des 18. und 19. Jahrhunderts in Ruhrort erhalten geblieben und teils unter Denkmalschutz gestellt worden. Dazu gehören als Beispiele das Hanielsche Packhaus von 1866 auf der Hafenstraße 10, dem heutigen Haniel Museum, das ehemalige Wohn- und Packhaus des Kohlenhändlers Johann Wilhelm Borgemeister von 1787 auf der Dammstraße 25, dem heutigen Firmensitz des Personaldienstleisters im Gesundheitswesen Ruhrmed, und gleich gegenüber, auf der Dammstraße 16, das Wohnhaus seines Bruders, des Kaufmanns Cornelius Borgemeister, von 1776, in dem heute die Rechtsanwaltskanzlei NJP Grotstollen ihren Sitz hat. Aber auch die Häuserensembles in der Fabrik- und Harmoniestraße sowie auf dem Neumarkt legen Zeugnis ab von einer sehenswerten Architektur in Ruhrort. Einzig die eigentliche Altstadt, das Häuserrelikt vor Beginn der Stadterweiterungen, die in den 1960er Jahren gänzlich abgerissen wurde, hat das historische Ruhrort nicht überlebt - von Ausnahmen, wie beispielsweise der 1871 erbauten Hanielschen Kesselschmiede im Alten Werfthafen, die einem Brandanschlag 2010 mit späterem Abriss zum Opfer fiel, einmal abgesehen.

Mit dem Geländes des Alten Werfthafens, das dem Unternehmen Duisport gehört, dem Betreiber des größten Binnenhafens Europas, dem Bereich um den Eisenbahnhafen herum sowie der Mercatorinsel, die einst Speditionsinsel hieß, gibt es drei zentrale Brachflächen, um die sich seit Jahren die Duisburger Stadtentwicklung (bisher leider erfolglos) kümmert.

Vielleicht hilft es einer erfolgreicheren Vermarktung der Flächen, dass Ruhrort von der RUHR.2010 zum Kreativquartier bestimmt wurde. Denn mit den Duisburger Kulturhauptstadt-Akzenten zog Kunst und Kultur mächtig in den Hafenstadtteil ein, der bis heute davon nachhaltig profitiert. So gibt es Kunst im öffentlichen Raum, wie eine Outdoor-Galerie von Großfotos am Leinpfad nahe der Mühlenweide mit dem weithin sichtbaren Fahnenmast. Es gibt Spielstätten für Theater und Konzerte, die früher Ladenlokale waren und irgendwann leer standen. Es gibt Kultiges, wie sogenannte "Schimmi"-Touren zu ehemaligen Drehorten des legendären Tatort-Kommissars Horst Schimanski, dem man jetzt sogar eine Straße hier gewidmet hat.

Am Rheinkilometer 781 an der Mühlenweide endet das äußerst umtriebige Kreativquartier Ruhrort.

(RP)
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