Rhein: Extremes Niedrigwasser bereitet Schifffahrt Probleme

Extremes Niedrigwasser: Ein Rinnsal namens Rhein

Niedrigwasser 2018 am Rhein: so tief sinkt der Pegel in Emmerich und Duisburg

Die lang anhaltende Trockenheit hat den Rhein stellenweise zum Rinnsal schrumpfen lassen. An manchen Orten sind die Pegel unter die Rekordtiefstände gefallen. Das hat Folgen für die Schifffahrt. Aber auch Landwirte klagen.

Der Rhein führt derzeit so wenig Wasser wie selten zuvor. In Emmerich erreichte der Pegelstand mit 22 Zentimetern einen Rekordtiefststand – sechs Zentimeter unter dem niedrigsten bekannten Wasserstand vom 1. Oktober 2003. An anderen Rheinabschnitten sieht es ähnlich aus. Niedrigwasser für diese Jahreszeit sei zwar typisch, erklärte Jan Böhme, Experte beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Duisburg-Rhein. „Die derzeitige Situation ist jedoch schon extrem“, sagte der Hydrologe. Grund ist die seit Monaten anhaltende Trockenheit. Das hat vor allem Folgen für die Schifffahrt, aber auch für Landwirtschaft und Wasserversorgung.

Besonders für Unternehmen, die auf den Rhein als wichtigen Transportweg angewiesen sind, sei die Lage dramatisch, sagte Thomas Kleinbongartz, Vertriebsleiter bei Hülskens. Die Firma mit Sitz in Wesel vertreibt unter anderem Kies und Sand als Zuschlagstoffe für Beton. „Wir können zum Teil nur ein Drittel der üblichen Menge verladen. Wenn bei Normalwasser 3000 Tonnen auf ein Schiff passen, sind es derzeit nur 900 bis 1000 Tonnen.“ Das bestätigte Harry Packert, Bauingenieur bei Deltaport, dem Betreiber der Häfen Emmelsum, Rhein-Lippe und Wesel. „Die Schiffe in unseren Häfen fahren teilweise nur mit der Hälfte der üblichen Ladung“, sagte Packert.  Das mache sich vor allem beim Kunden bemerkbar, der im schlimmsten Fall das Drei- bis Vierfache des üblichen Preises bezahlen müsse, sagte Kleinbongartz. Aber auch der Endverbraucher müsse sich bald auf Preiserhöhungen einstellen.

Nicht nur die Speditionen ächzen unter dem Niedrigpegelstand. Auch bei der Personenbeförderung gibt es Einschränkungen. Die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt AG hat ihr Saisonende für Linienfahrten am Mittelrhein zwischen Koblenz und Mainz bereits eine Woche früher einläuten müssen. Zumindest die Rundfahrten auf dem Rhein bei Köln und Düsseldorf könnten weiterhin stattfinden, sagte der Vorstandsvorsitzende Achim Schlömer. „Noch jedenfalls. Sollte der Pegel weiter sinken, wird es zu gefährlich.“ Denn die Güterschiffe hätten in der Fahrrinne Vorfahrt, die Touristenboote müssten ausweichen und aufpassen, nicht auf eine Kiesbank aufzulaufen.

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Unter der Dürre leiden auch die Landwirte. „Die Situation ist unverändert schwierig“, sagte Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW. So sei der Raps schon unter der Erde, wachse aber kaum. Auch die Wintergerste liege im Wachstum zurück. „Die Folgen der Dürre sind noch lange nicht ausgestanden“, sagte Rüb.

Das gilt auch für die Wasserversorger. Die Talsperren im Sauerland sind derzeit nur rund zur Hälfte gefüllt. Mit dem Wasser hält der Ruhrverband den Pegel der Ruhr künstlich hoch. „Wenn wir kein Wasser in die Ruhr einleiten würden, wäre sie bereits über weite Strecken trockengelaufen“, sagte Britta Balt, Sprecherin des Ruhrverbands. Aus der Ruhr wird das Trinkwasser für 4,6 Millionen Menschen aufbereitet. Grund zur Sorge bestehe nicht, die Wasserversorgung sei bis in den Winter hinein gesichert. Problematisch werde es erst, wenn auch im Winter Niederschläge ausblieben. Laut einer Meteorologin des Deutschen Wetterdiensts ist für die kommenden Tage kein Regen in Sicht. „Zwei, drei Tröpfchen sind das höchste der Gefühle.“

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