Rettungseinsätze in NRW: Feuerwehr hat immer mehr mit Fettleibigen zu kämpfen

Schwierige Rettungseinsätze : Feuerwehr hat immer mehr mit Fettleibigen Patienten zu kämpfen

Sie passen weder in normale Rettungswagen noch durch ihre Wohnungstür: Wenn extrem dicke Menschen ins Krankenhaus müssen, ist die Feuerwehr mit Spezialausrüstungen und viel Manpower im Einsatz.

Die Patientin wog 180 Kilo und wohnte im zweiten Stock. Um sie aus ihrer Wohnung zu hieven, rückte die Düsseldorfer Feuerwehr mit Höhenrettern und einem Kran an. Ein speziell ausgestatteter Rettungswagen für Schwergewichtige brachte die Frau schließlich in ein Krankenhaus. Dieser Einsatz vom vergangenen September ist kein Einzelfall. Der Transport extrem fettleibiger Patienten stellt die Feuerwehren vor besondere Herausforderungen.

„Es kommt durchaus schon mal vor, dass ein Patient 300 Kilo wiegt“, sagt Mike Filzen, Sprecher der Essener Feuerwehr. „So jemand kann nicht durchs Treppenhaus transportiert werden, weil das gar nicht passt oder die Statik das nicht hergeben würde.“ In einer oft stundenlangen Aktion versuchen die Feuerwehrleute dann, die Person irgendwie von ihrem Bett in den Krankenwagen zu bekommen. „Manchmal müssen wir Fenster und Türen ausbauen. Im Zweifel muss man sogar ein Loch in die Wand kloppen“, erzählt Filzen.

„Die Patienten können sich praktisch nicht mehr bewegen“, erläutert Alex Lechleuthner, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Köln. Wegen Atemproblemen könnten sie nicht flach auf dem Rücken liegen, sondern müssten teils sitzend transportiert werden. „Da braucht man viel Erfahrung“, sagt Lechleuthner. Und auch viel Personal: Wenn neben zusätzlichen Trägern noch Höhenretter benötigt werden, sind 15 bis 20 Helfer mehrere Stunden lang im Einsatz.

„Wir haben im Rettungsdienst eine Zunahme der Einsätze mit schwergewichtigen Patienten“, sagt Jörg Schmidt, NRW-Landesvorsitzender des Arbeitskreis Rettungsdienste der Berufsfeuerwehren. Zahlen dazu liegen wegen der kommunalen Organisation des Rettungsdienstwesens nicht vor. Jedoch ist der Anteil fettleibiger Menschen in der Bevölkerung in den vergangenen Jahren gestiegen. 2017 waren nach Angaben des Statistischen Landesamtes 16,7 Prozent der Erwachsenen adipös, 2005 lag der Anteil noch bei 13,6 Prozent.

Vielerorts haben sich die Feuerwehren inzwischen mit sogenannten Schwerlast-Rettungswagen (RTW) auf stark übergewichtige Patienten eingestellt. Diese umgebauten Lastwagen haben meist eine hydraulische Laderampe und sind für Patienten mit einem Gewicht ab etwa 150 Kilogramm gedacht. Die Innenausstattung und das medizinische Zubehör haben XL-Maße: Extra-breite Tragen, eine stabile Luftkissen-Matratze, längere Infusionsnadeln und Blutdruckmessgeräte mit größeren Manschetten. Der Anschaffungskosten liegen nach Feuerwehr-Angaben mit rund 300 000 Euro um etwa ein Drittel höher als bei einem normalen RTW und werden von den Krankenkassen getragen.

Die beiden Essener Schwerlast-RTW fuhren 2017 nach Angaben von Feuerwehr-Sprecher Filzen - einschließlich Notfälle und Verlegungen - insgesamt rund 800 Einsätze, 2010 waren es noch 266. Der Düsseldorfer Wagen ist durchschnittlich 210 mal pro Jahr unterwegs, das Kölner Fahrzeug 170 mal. Aber auch die Fläche rüstet auf. So hat der Kreis Recklinghausen in seinem jüngsten Rettungsdienst-Bedarfsplan wegen gestiegener Einsatzzahlen die Anschaffung eines Schwerlast-RTW beschlossen.

Das Rettungsdienstgesetz NRW sieht seit 2015 vor, dass sich Kreise und Kommunen aus wirtschaftlichen Gründen zu sogenannten Trägergemeinschaften zusammenschließen und sich ein Spezialfahrzeug teilen sollen. Jörg Schmidt vom Arbeitskreis Rettungsdienste rechnet deshalb damit, dass sich die Zahl der Schwerlast-RTW in NRW langfristig auf etwa ein Dutzend einpendeln wird.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Feuerwehr Düsseldorf rettet übergewichtige Patientin mit Kran

(skr/dpa)