1. NRW
  2. Panorama

Rekowski hält Rassismus-Studie bei der Polizei für notwendig

Evangelischer Theologe : Rekowski hält Rassismus-Studie bei der Polizei für notwendig

Präses Manfred Rekowski, leitender Theologe der evangelischen Kirche im Rheinland, spricht sich für eine Untersuchung eines möglichen strukturellen Rassismus bei der Polizei aus. Seehofers Blockade halte er für „nicht besonders hilfreich“.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski hält eine wissenschaftliche Untersuchung für notwendig, die sich mit strukturellem Rassismus bei der Polizei beschäftigt. „Hier sollten wir nicht nur über gefühlte Situationen, sondern über Fakten sprechen können“, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Ich finde es nicht besonders hilfreich, dass der Innenminister an dieser Stelle so blockt.“

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) lehnt eine Studie über Personenkontrollen nur aufgrund der Hautfarbe oder anderer äußerlicher Merkmale, sogenanntes Racial Profiling, ab. „Stattdessen wären ein offensiver Umgang damit und ein hohes Maß an Klarheit geboten“, sagte Rekowski. Er betonte zugleich, Rassismus sei ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, deshalb sollte diese Frage nicht auf die Polizei eingeengt werden: „Eine Analyse vorzunehmen um zu klären, wo wir als Gesellschaft besonders anfällig und gefährdet sind - das bringt uns weiter.“

Dagegen hält der 62-jährige Theologe nichts davon, im Zuge der Rassismus-Debatte Straßen umzubenennen. „Ich würde nicht den Versuch unternehmen wollen, unsere Geschichte klinisch zu reinigen“, sagte er. „Man muss im Straßenbild und an Straßennamen auch wahrnehmen können, welche Haltungen und Einstellungen früher bei uns prägend waren.“ Die Kolonialgeschichte mit ihren „unsäglichen Nebenwirkungen“ habe es gegeben und sie finde ihren Niederschlag auch in Straßenbezeichnungen. Diese Namen müssten aber eingeordnet und interpretiert werden.

Rekowski räumte ein, dass auch die Kirche mehr Vielfalt und kulturelle Öffnung brauche: „Unsere Innenstädte sind ziemlich bunt, das bildet sich so in unseren Gemeinden und Leitungsorganen zu selten ab. Wir beschränken uns häufig auf unsere angestammten Milieus.“ Deshalb gelte es, offener, aktiver und fantasievoller als bislang auf die „Menschen vor unserer Haustür“ zuzugehen. In Kirche und Diakonie müssten Menschen unterschiedlicher Herkunft und Milieus zusammengebracht werden.

In der Kirchengeschichte habe es ebenfalls nicht nur Ruhmesblätter gegeben und die Ausbreitung des Christentums sei auch mit Gewalt verbunden gewesen, sagte der rheinische Präses mit Blick auf die Missionsgeschichte. „Die Christenheit hat hier Schuld auf sich geladen und trägt große Verantwortung.“

(chal/epd)