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Regenwetter in NRW erschwert Neustart in Biergärten

„Reger Zulauf“ in Düsseldorf : Regen am Pfingstwochenende erschwert Neustart in NRW-Biergärten

Das durchwachsene Wetter hat zu Beginn des Pfingstwochenendes zahlreiche Menschen in Nordrhein-Westfalen nicht davon abgehalten, vielerorts wiedergewonnene Freiheiten zu nutzen. Auch wenn die Bedingungen mehr als erschwert waren.

Besonders am Samstag erschwerten zahlreiche Schauerden Neustart in vielen Biergärten.

In gut der Hälfte aller Kreise und kreisfreien Städte des Landes ist die Öffnung der Außengastronomie möglich, weil die Sieben-Tages-Inzidenz stabil unter der Marke von 100 liegt. Dort durften auch Freibäder unter Auflagen wieder an den Start gehen. Auch in Hotels, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen in den Regionen mit stabiler Sieben-Tages-Inzidenz unter 100 dürfen wieder Touristen begrüßt werden.

In Düsseldorf, aber auch Städten wie Essen, Oberhausen und Mönchengladbach lockten Terrassen und Biergärten bereits am Freitag zahlreiche Besucher. Weil die Beschränkung auf die reine Außengastronomie für viele Betriebe insbesondere angesichts der mauen Wetterprognosen nicht wirtschaftlich sei, machten nach Schätzung des Gaststättenverbandes Dehoga zum Pfingstwochenende etwa ein Drittel der Gastronomen von ihrer Öffnungsoption Gebrauch. Die Dehoga hatte sich daher für eine gleichzeitige Öffnung von Innen- wie Außengastronomie stark gemacht.

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Trotz gelegentlicher Schauer und kühler Temperaturen hatte die Öffnung am Freitagabend viele Menschen in die Düsseldorfer Altstadt und ans Rheinufer gelockt, berichteten Polizei und Wirte. „Wir hatten schon einen regen Zulauf“, sagte ein Sprecher der Polizei am Samstagmorgen. Polizei und Ordnungsamt waren im Einsatz, um etwa am Rheinufer und an der „Kö“ die Einhaltung von Abstandsregeln und Maskenpflicht zu kontrollieren. Größere Einsätze seien aber ausgeblieben, sagte der Polizeisprecher. Wie eine Sprecherin der Stadt am Nachmittag mitteilte, wurden jedoch mehrere Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Nichtbeachtung der Maskenpflicht und der Mindestabstände eingeleitet. Kurz nach Mitternacht habe man in einer Straße der Altstadt eine Menschenansammlung auflösen müssen. Die Räumung sei friedlich verlaufen.

„Die Stadt war gut gefüllt, aber nicht überfüllt“, sagte Isa Fiedler, Sprecherin der Düsseldorfer Altstadtwirte zum Start ins Pfingstwochenende. Gelegentlicher Regen habe der „besonderen Stimmung“ am Freitagabend keinen Abbruch getan. „Bei Gästen und Kollegen hat man einfach diese Befreiung gespürt“, sagte Fiedler. Schlangen gab es nicht nur an den Biergärten und Lokalen mit Tischen vor der Tür, sondern auch an den Corona-Teststellen: Zugang zu den geöffneten Außenbereichen gibt es nur für Negativ-Getestete, vollständig Geimpfte oder Genesene.

Der Düsseldorfer Gastronom Frank Engel, der mehrere Lokale in der Altstadt betreibt, zeigte sich positiv überrascht über den regen Zulauf am Freitagabend – „obwohl das Wetter nur mäßig mitgespielt hat“. Selbst zum Start in den windigen und regenreichen Samstag hätten es sich einige „hartgesottene Stammgäste“ nicht nehmen lassen, auf der Terrasse Platz zu nehmen. „Diese Kombination aus Pandemiebedingungen, Regen und Wind ist für uns das Schlimmste: Da fliegt ihnen alles vom Tisch und die Regenschirme und Markisen kann man auch nicht richtig nutzen“, sagte er. Doch ganz unabhängig von den Umsatzaussichten, will er so viele Gäste erfreuen, wie möglich: „Ich mache das aus Leidenschaft und wenn ich die Möglichkeit habe, auch nur drei Gästen das Angebot zu machen, dann tue ich das“, sagte Engel.

Die Düsseldorfer Gastronomin Kerstin Rapp-Schwan zeigte sich am Samstag ebenfalls anerkennend angesichts der Leidensfähigkeit ihrer Gäste: „Die sitzen da wirklich mit Schal unterm Schirm“, berichtete sie. „Wenn der Regen aber waagerecht kommt, dann geht da natürlich auch nicht mehr viel“. Wegen des stürmischen Regenwetters sei am Samstag daher bislang „deutlich weniger los“ als noch am Freitag.

Auch Nelson Müller, Fernsehkoch aus Essen, kann seit Freitag wieder Gäste an einem seiner Restaurants im Ruhrgebiet begrüßen. Es sei toll, zu sehen, dass die Gäste ihm die Stange gehalten hätten. „Manche hatten Tränen in den Augen“, sagte Müller. Dennoch blicke er mit gemischten Gefühlen auf die Situation: „Da ist Freude dabei übers Öffnen, da ist Hoffnung dabei. Da ist aber auch Sorge um die Wirtschaftlichkeit ob der eingeschränkten Möglichkeiten“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auch das Wetter mache ihm eher Sorgen.

Glücklicher schätzen konnte sich da Wirte in Münster oder in den Kreisen Soest und Coesfeld: Eine Inzidenz stabil unter 50 erlaubt es, die getesteten, geimpften oder genesenen Gäste in den Innenräumen zu bekochen und bewirten. Wo dies möglich sei, rechnete auch der Dehoga NRW mit deutlich mehr Öffnungen. „Wir hätten uns gewünscht, dass es überall dort, wo außen geöffnet wird, auch drinnen wieder losgehen darf“, sagte Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig. Solange dies nicht so sei, befinde sich die Branche in einer „ambivalenten Situation“. Auch wenn es unwirtschaftlich und logistisch eine riesige Herausforderung sei, seien Gastronomen und Hoteliers ja häufig „Überzeugungstäter“ und nutzten jetzt die Möglichkeit, nach sieben Monaten wieder für die Gäste da zu sein: „Da ist einfach eine Sehnsucht da. Die Gäste sind ja auch im wahrsten Wortsinn ausgehungert und ausgetrocknet“, sagte Hellwig.

Auch einige Freibäder in den Regionen mit stabil auf unter 100 gesunkenen Inzidenzen konnten ihren Gästen wieder ein Angebot machen: Für eine begrenzte Zahl negativ getesteter, genesener oder geimpfter Personen öffnete beispielsweise das Rheinbad am Samstag seine Schwimmbecken. Liegewiesen bleiben vorerst dicht. Doch das und auch das widrige Wind- und Regenwetter hielt Hartgesottene nicht davon ab, in dem Freibad endlich wieder Bahnen zu ziehen.

(bsch/dpa)