Dortmund: Rechtsextreme Kirchenbesetzer müssen nicht in Haft

Dortmund : Rechtsextreme Kirchenbesetzer müssen nicht in Haft

Eine Gruppe Neonazis verbarrikadierte sich am Freitagabend in der Dortmunder Reinoldikriche und zündete Leuchtfeuer. Nun sind die Männer wieder auf freiem Fuß.

Haftbefehle seien nicht beantragt worden, teilte ein Polizeisprecher am Samstag mit. Die polizeibekannten Mitglieder einer Neonazi-Gruppierung hatten am Freitagabend die evangelische Kirche in der Innenstadt besetzt und vom Turm aus islamfeindliche Parolen gezeigt und Pyrotechnik gezündet.

Die Polizei räumte die Kirche, beendete die Aktion und nahm die Männer vorläufig fest. Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs, der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole sowie des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz, weil Leuchtfeuer entzündet worden waren.

Wie die Polizei am Samstag mitteilte, sind die Mitglieder der Gruppe, die sich in der Kirche verschanzte, zwischen 24 und 38 Jahre alt und kommen aus Dortmund, Chemnitz, Wuppertal und Düsseldorf. Beteiligt war auch eine 26-jährige Dortmunderin. Im Umfeld der Kirche wurden laut Polizei drei Dortmunder Rechtsextremisten (24, 32 und 61 Jahre alt) in Gewahrsam genommen. Sie werden verdächtigt, mit der Aktion in Verbidnung gestanden zu haben.

Die evangelische Kirche in Dortmund kritisierte die fremdenfeindliche Aktion scharf. "Hier ist kein Platz für Rassismus", sagte der Superintendent der Stadtkirche, Ulf Schlüter. "Wir empfinden es als Respektlosigkeit, unsere Kirche für rechte Propagandazwecke zu missbrauchen."

Superintendent Schlüter betonte, die Aktion der Rechten sei eine Perversion dessen, wofür Kirche stehe, nämlich für Frieden, Gebet, Versöhnung und Verständigung. Die Kirche und der Zugang zum Turm blieben in der Adventszeit weiter für alle Menschen geöffnet. "Wir werden keine Kontrollen einführen, aber verstärkt darauf achten, wer zu uns herein kommt." Die evangelische Kirchenarbeit in Dortmund setze seit Jahren klare Zeichen gegen rechts und werde das auch weiter tun.

(sef/dpa/lnw)
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