Rechter Terror: Köln und das NSU-Mahnmal, das nie gebaut wurde

Rechter Terror in Deutschland : Warum es in Köln bis heute kein NSU-Mahnmal gibt

Anfang Oktober wurden in Zwickau zwei Gedenkstätten zerstört, die an die Anschläge des NSU erinnern. In Köln, wo die Terroristen 2004 eine Nagelbombe zündeten, gibt es bis heute kein Mahnmal. Dabei war die Grundstücksfrage schon geklärt und Entwürfe lagen vor.

Erst haben sie einen Baum gefällt. Dann, nur wenige Stunden später, eine Holzbank zertrümmert. In Zwickau zerstörten Unbekannte in der vergangenen Woche zwei Mahnmale, die beide an das erste Mordopfer des "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) erinnern sollten. Der NSU hatte sich jahrelang in Zwickau versteckt. Auch in Köln haben die Terroristen um Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt Anschläge verübt. Bis heute gibt es hier kein Mahnmal – und das obwohl die Stadt 2016 schon einen künstlerischen Wettbewerb ausgeschrieben hatte.

2001 explodiert eine Bombe in einem Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse, eine Deutsch-Iranerin wird schwer verletzt. Drei Jahre später zündet der NSU in der Keupstraße eine Nagelbombe, die einen Friseursalon und mehrere Geschäfte verwüstet. 22 Menschen werden verletzt. In den folgenden Jahren zieht sich nicht nur die Aufklärung der Taten hin, auch ein offizielles Gedenken an die Opfer in Form eines Mahnmals verzögert sich immer wieder.

Der NSU wird 2011 enttarnt. Erst jetzt ist klar, dass die Bombenanschläge ein rechtsextremes Motiv haben. 2014 beschließt der Rat in Köln, den Opfern in der Keupstraße und der Probsteigasse besonders zu gedenken. Favorisiert wird ein Grundstück an der Keupstraße, direkt an der Kreuzung, an der die Bombe explodierte.

Der Mahnmal-Entwurf des Berliner Künstlers Ulf Aminde. Foto: Ludwig Museum Köln/Ulf Aminde

2016 gewinnt der Berliner Künstler Ulf Aminde die städtische Ausschreibung und präsentiert unter anderem einen Entwurf für eine multimediale Aussstellung, die den Ablauf des Anschlags mit einer Augmented-Reality-App zeigen soll. Anwohner, Opfer und Politiker einigen sich auf das Konzept. Doch gebaut werden kann die 120 Quadratmeter große Begegnungsstätte nicht.

Das vorgesehene Grundstück ist mittlerweile Teil eines Bebaungsplans und in privatem Besitz. Dazu teilt das Stadtplanungsamt auf Anfrage mit: „Sämtliche Vorschläge der Verwaltung für Modifikationen und Alternativen auf dem vorgesehenen Areal und in direkter Umgebung erhielten bislang weder von der Eigentümergemeinschaft, noch von dem in der Diskussion involviertem Integrationsrat und der IG Keupstraße eine Zustimmung.“ Eine Enteignung sei nicht möglich. Neue konkrete Ideen für einen anderen Standort gibt es nicht. Auch die Probsteigasse war im Gespräch, wurde aber nicht von allen Beteiligten akzeptiert.

„Wenn das so weitergeht, haben wir in zehn Jahren noch kein Denkmal“, sagt Norbert Fuchs, Bezirksbürgermeister von Köln-Mülheim. In seinem Stadtteil liegt die Keupstraße. Auch unter anderen Kölner Politikern sorgt die aktuelle Situation für Kopfschütteln. „Das NSU Mahnmal muss endlich umgesetzt werden – dazu müssen alle möglichen Maßnahmen und Möglichkeiten ergriffen werden“, sagt Brigitta von Bülow, Fraktionsvorsitzende der Kölner Grünen.

Die Initiative „Keupstraße ist überall“ will indes keinen anderen Standort für das Mahnmal. „Es muss dahin, wo der Anschlag auch passiert ist“, sagt Kutlu Yurtseven. Die Eigentümergemeinschaft des Grundstücks müsse sich bewegen. Zu den zerstörten Mahnmalen in Zwickau sagt Yurtseven: „Das zeigt, dass es rechten Terror nach wie vor gibt und er auch so benannt werden muss.“

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