Razzia in NRW - Mehr als 100 Festnahmen bei Großrazzia gegen Menschenhandel

Schwerpunkt der Durchsuchungen in NRW : Mehr als 100 Festnahmen bei Razzia gegen Menschenhandel

Razzia in NRW gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel

Seit den frühen Morgenstunden durchsuchen mehr als tausend Beamte der Bundespolizei deutschlandweit Wohnungen und Geschäftsräume im Rotlichtmilieu - auch in NRW.

Seit den frühen Morgenstunden durchsuchen mehr als tausend Beamte der Bundespolizei deutschlandweit Wohnungen und Geschäftsräume im Rotlichtmilieu. Schwerpunkt der Aktion ist NRW. Es gibt zahlreiche Festnahmen, mehrere davon in Siegen.

Mehr als 100 Personen seien vorläufig festgenommen worden, wie ein Sprecher der Bundespolizei in Siegen sagte. Sieben Haftbefehle seien vollstreckt worden. Viele der festgenommenen Personen seien in den durchsuchten Bordellen und Massagesalons angetroffen worden. In zahlreichen Fällen bestehe zumindest der Verdacht des illegalen Aufenthaltes.

Bei der Aktion der Bundespolizei sei in Siegen auch die GSG 9 im Einsatz gewesen, weil nicht ausgeschlossen worden sei, dass Schusswaffen vorhanden waren, sagte der Polizeisprecher weiter. Es habe aber keine Zwischenfälle gegeben: "Der Einsatz ist ruhig verlaufen."

Bei der Razzia gegen das Organisierte Verbrechen, die seit den frühen Morgenstunden läuft, geht es unter anderem um gefälschte Visa, Menschenhandel, Zuhälterei und Zwangsprostitution.

Unter Federführung der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main wurden auch mehrere Objekte in Nordrhein-Westfalen durchsucht, darunter zwei in Düsseldorf. Dabei handelt es sich um eine Privatwohnung und ein Bordell. In keiner der Einrichtungen traf die Polizei illegale Prostituierte an. Nach Informationen unserer Redaktion gab es zudem Einsätze in Dortmund, Gelsenkirchen, Siegen und Bonn. Regionale Schwerpunkte der Aktionen waren Nordrhein-Westfalen mit 17 durchsuchten Einrichtungen, Hessen (10), Niedersachsen und Baden-Württemberg (je 9), teilte die federführende Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit.

In Siegen sitzt laut Polizei der Kopf der Menschenhändlerbande, gegen die die Polizei vorgeht. Hauptbeschuldigte ist nach Angaben der Bundespolizei eine 59 Jahre alte Frau aus Thailand, die in Siegen wohnt und dort verhaftet wurde. Allein dort seien zwei Haftbefehle vollstreckt und acht Menschen vorläufig festgenommen worden. "Aber es werden noch mehr werden", sagte ein Sprecher der Bundespolizei an diesem Einsatzort.

Der Kern der Bande aus dem Rotlichtmillieu soll aus 15 bis 20 Personen deutscher und thailändischer Nationalität bestehen soll. Ihnen werde unter anderem Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und Ausbeutung von Prostituierten vorgeworfen, sagte der Sprecher in Siegen. Die mutmaßlichen Täter sollen mehrere Hundert Frauen und Transsexuelle aus Thailand nach Deutschland eingeschleust haben, um sie zur Prostitution zu zwingen. Die mutmaßlichen Täter hätten nach bisherigen Ermittlungen einen siebenstelligen Betrag eingenommen. Durchsuchungen laufen demnach in Bordellen und Massagestudios.

"Wir durchsuchen derzeit 62 Einrichtungen in zwölf Bundesländern", sagte Christian Altenhofen, Sprecher der Bundespolizei in Koblenz, am Morgen unserer Redaktion. Es handelt sich um den bislang größten Einsatz in der Geschichte der Bundespolizei. Die Aktion soll noch mindestens bis Mittag dauern.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nannte die Großrazzia der Bundespolizei einen beispiellosen Schlag gegen "ein bundesweit verzweigtes Netzwerk". "Viele hunderte Frauen und Männer waren der menschenverachtenden grenzenlosen Profitgier von Schleusern über Jahre und Landesgrenzen hinweg ausgeliefert", teilte Seehofer mit.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

(lsa/sg)
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