Rauchverbot in NRW: CDU und FDP wollen Lockerung: "Zum Alkohol gehört einfach eine Zigarette"

Wirte zum Vorstoß zur Lockerung des Rauchverbots : "Kneipe und Rauchen gehört für viele einfach noch zusammen"

CDU und FDP wollen das Nichtraucherschutz-Gesetz in NRW entschärfen. Als Grund nennen sie, dass die Gastronomie darunter leide. Sterben tatsächlich Kneipen in der Region wegen des Rauchverbots? Und was sagen die Wirte zu dem Vorschlag, es zu lockern?

Die rot-grüne Landesregierung hatte 2013 strenge Nichtraucher-Regeln in NRW verhängt. CDU und FDP haben mit Blick auf die Landtagswahl angekündigt, das Verbot zu entschärfen. Eine entsprechende Absichtserklärung steht in den Wahlprogrammen beider Parteien. Was halten die Wirte der Kneipen in der Region von dem Vorschlag? Wir haben uns umgehört.

"Wir haben uns immer gegen ein absolutes Rauchverbot ausgesprochen", sagt Thorsten Hellwig von der Dehoga NRW. "Die Entscheidung muss beim Gastwirt selbst liegen", so die Philosophie des Dachverbands der Gastronomie und Hotellerie im Land. Eine Position für oder gegen das Rauchen beziehe der Dehoga damit aber nicht, betont Hellwig. "Das ist eine unternehmerische Entscheidung, die der Gastronom mit seinen Gästen treffen soll."

Doch könne der Dachverband durchaus einen Zusammenhang zwischen dem seit 2013 geltendem absoluten Rauchverbot und dem Kneipen-Sterben im Land ziehen. "Die Umsätze der Kneipen sind klar zurückgegangen", sagt Hellwig. Ein Jahr nach der Einführung des strikten Rauchverbots hätten 81 Prozent der Schank- und Tanzbetriebe Umsatzeinbußen beklagt, heißt es beim Dachverband. Davon 63 Prozent der Betriebe, deren Umsatz um mehr als zehn Prozent gesunken sei. "Das Modell 'Rauchen, Reden, Trinken' funktioniert so eben nicht mehr", sagt Hellwig. "Kneipe und Rauchen gehört für viele einfach noch zusammen."

Beim Dehoga hofft man deshalb darauf, dass das Rauchverbot nicht nur ein Wahlkampfthema bleibt. Die gesamtwirtschaftliche Lage der Kneipen im Westen sei ohnehin schon schwierig genug, das absolute Rauchverbot habe dabei als "gesetzlicher Brandbeschleuniger" und Umsatzvernichter gewirkt. Neben den Umsatzeinbußen hätten die Kneipen durch das Rauchverbot zusätzlich verstärkt mit Beschwerden wegen Lärmbelästigung zu kämpfen. "Wer hat schon Lust, seine Gäste bei jedem Wetter vor die Tür zu setzen?", fragt Hellwig. Für die Anwohner werde das mitunter zum Problem.

Marvin Schorn vom Hamtorkrug in Neuss fände es gut, wenn das Rauchverbot gelockert werden würde und die Gastwirte wieder selbst bestimmen könnten, ob in ihrem Lokal geraucht werden darf oder nicht. Dass ihm wegen des Verbots reihenweise die Gäste weglaufen, hat er nicht erlebt. Die Leute hätten sich mittlerweile mit dem Rauchverbot abgefunden. "Nur hin und wieder hört man von den Gästen, dass sie es nicht so gut finden, dass sie zum Rauchen immer nach draußen gehen müssen", sagt Schorn.

"Im Sommer stehen viele Leute dann vor der Bar, nicht nur die Raucher, sondern auch ihre Freunde, die nicht rauchen. Dann ist es draußen natürlich lauter. Das stört die Nachbarn." Falls eine Lockerung kommt und er als Gastronom selbst entscheiden dürfe, würde Schorn in einem seiner beiden Gasträume das Rauchen ab Mitternacht erlauben. "Dann sind keine Minderjährigen mehr in der Bar und die Küche hat geschlossen."

Das "Töff-Töff" in Mönchengladbach-Rheydt ist laut Wirt Reinhold Biewald die erste Kneipe in Nordrhein-Westfalen, die nach den Vorgaben der Landesregierung nach den damaligen Raucherschutzrichtlinien umgebaut wurde. In der Kneipe von Wirt Biewald gibt es heute also einen Raucher- und einen Nicht-Raucher-Bereich. Seit 2013 ist diese Aufteilung nun überflüssig. "Geraucht wird heute in keinem der beiden Räume mehr."

Dabei wäre eine flexible Lösung laut des 67-Jährigen genau die richtige. "So stört keiner den anderen." Emotional hängt der Wirt aber der alten Raucherkneipe nach. Das "Töff-Töff" gibt es bereits seit 31 Jahren. "Das war einfach gemütlicher", sagt Biewald. Zumindest für die Raucher. "Da saßen immer alle zusammen." Auch der Umsatz im "Töff-Töff" sei seit der Einführung des Rauchverbots leicht zurückgegangen. Seine Gäste kämen aber trotzdem nach wie vor gerne.

Mladen Ivankovic betreibt zwei Brauerei-Ausschänke im Kreis Mettmann: das Bürgerhaus in Ratingen und das Frankenheim in Mettmann. Beides größere, traditionelle Gastronomien mit deutlich mehr als 100 Plätzen. Die Vorschläge von CDU und FDP interessieren ihn sehr. Denn die Gesetze zum Nichtraucherschutz sind seine Umsätze stark zurückgegangen, sagt er. "Die Zahl der Thekengäste, die einfach sitzen und ihre Zigarette genießen wollen, hat sich durch das Rauchverbot halbiert."

Er will jetzt wissen, was konkret geplant ist. "Ich hoffe, ein neues Gesetz würde nicht nur für Eckkneipen gelten, sondern auch für größere Läden wie meine." Auf jeden Fall wäre er glücklich, wenn der Nichtraucherschutz gelockert würde. "Die Gastronomie in Deutschland hat ihr Flair verloren", findet er. "Ich beobachte das oft: Da sitzt eine Runde um den Tisch und diskutiert ein interessantes Thema. Auf einmal steht die Hälfte auf und geht rauchen. Damit ist das interessante Gespräch vorbei."

Ralph Heinz von der Neusser Kneipe Flotte Theke dagegen sagt ganz klar: "Wir haben durch das Rauchverbot Gäste verloren. Neue Gäste hinzugewonnen haben wir nicht." Er würde eine Lockerung des Rauchverbotes begrüßen und findet, die Gastronomen sollten selbst entscheiden, wie sie es handhaben wollen. "Falls es zu einer Lockerung kommt, würde ich meinen Gästen das Rauchen in den Abendstunden erlauben", sagt Heinz.

Serif Abdulahi, Inhaber der Szene-Kneipe "Tank-Stelle" in Dormagen, begrüßt die Initiative von CDU und FDP: "Für die Gastronomie wäre das eine gute Sache. Der Umsatz ist mit dem Rauchergesetz runtergegangen. Zum Alkohol gehört einfach eine Zigarette", sagt er. Auch Tobias Bühnemann von der Gaststätte "Bei d'r Tant" in Dormagen-Rheinfeld würde sich über eine Lockerung der jetzigen Regelung freuen. Er sagt: "Wir haben damals extra einen Wintergarten für die Raucher angebaut. Als das Gesetz verschärft wurde, war er dann ein weiterer Gastraum für uns. Kommt es zu einer Lockerung des Gesetzes, würden wir den Wintergarten den Rauchern zur Verfügung stellen." Zu Umsatzeinbußen habe das Rauchverbot aber nicht geführt — "wir haben viele Stammgäste", so Bühnemann.

Für Heinrich Robens, Wirt der gleichnamigen Gaststätte in Dormagen-Nievenheim, ist es klar, dass Rauchern die Möglichkeit gegeben werden muss, "in einem geschlossenen Raum zu rauchen". Weichen die Raucher nach draußen aus, haben auch die Wirte ein Problem, "weil der Bürgersteig nicht konzessioniert ist. Der Raucher ist dann ein Gast, der unerlaubterweise draußen raucht, solange er nicht bezahlt hat". Somit befürwortet Robens eindeutig eine Lockerung der jetzigen Regelung, auch wenn er in seiner Gaststätte einen überdachten Innenhof für die Raucher anbieten kann.

Ähnlich sieht das Michael Vollak, Inhaber der Dürpelstube in Solingen-Ohligs: "Ich wäre für eine Lockerung des Rauchverbots." Vollak selbst raucht. Gerade im Winter sei es für die Gäste unangenehm, vor die Tür zu müssen, klagt er.

Frank Brocker, Inhaber der Gaststätte "Op de Eck" an der Bahnstraße in Grevenbroich, steht hinter dieser Initiative: "Ich finde das super", sagt er: "Meiner Meinung nach gehört es sich, in Restaurants oder Kneipen mit Gastronomiebetrieb nicht drinnen zu rauchen. In reinen 'Bierkneipen' sollte das aber möglich sein." Er selbst habe an den Wochenenden zwischen 20 bis 30 Raucher auf der Straße stehen, das ständige Rein- und Rausgehen habe die Atmosphäre in der Kneipe zerstört. "Deshalb veranstalten viele Schützenzüge ihre Versammlungen mittlerweile privat, da gehen Kunden verloren", sagt Brocker: "Rauchen oder nicht — das sollte jeder Wirt für sich selbst entscheiden."

Auch Thomas Stenbrock, Inhaber der Gaststätte Stenbrock in Neukirchen und selbst Nichtraucher, hat schlechte Erfahrungen mit dem strengen Rauchverbot gemacht. "Eine Gesetzesauflockerung würde wieder Schwung ins Thekengeschäft bringen", meint er: "Eine leere Theke ist einfach nicht so gemütlich — und wenn jeder Raucher nach draußen muss, bleibt von der Geselligkeit nicht viel übrig. Und die ist unerlässlich für eine gute Gaststätte." Michael Corres, Wirt im Wevelinghovener "Erftblick", befürwortet ebenfalls eine Überarbeitung des Nichtraucherschutzgesetzes — jedoch unter einer Bedingung: "Der Inhaber der Gaststätte muss dafür sorgen, dass es für Nichtraucher keine Benachteiligung gibt."

Ganz anders reagiert Walter Theisen vom Café-Restaurant Drusushof in Neuss. "Ich will nicht mehr zurück. Das mit dem Rauchverbot hat sich jetzt eingebürgert. Ich will nicht mehr, dass hier geraucht wird", sagt er. Es sei verträglicher mit dem Essen, wenn nicht geraucht wird. Für Kneipen, in denen nur Getränke verkauft werden, könne er sich eine Lockerung des Rauchverbotes besser vorstellen. Auch bei ihm sei die Theke "fast ausgestorben", seitdem es das Verbot gibt.

Auch Volker Brandt, Inhaber der Solinger Gaststätte Brandy's ist gegen eine Lockerung des Rauchverbots. "Bei uns wird nicht mehr geraucht", sagt er. Erst vor Kurzem habe er die Räume der Gaststätte renoviert. Natürlich sei es zu Beginn eine Umstellung für alle gewesen, dass die Leute zum Rauchen vor die Tür mussten. Aber das hat sich jetzt alles eingespielt", sagt Brandt. "Für die Gäste, die durch das Rauchverbot weggeblieben sind, sind neue gekommen. Vermehrt auch Familien, die ihre Kinder früher nicht dem Rauch aussetzen wollten."

Anna Kesseler vom Café Alte Post in Neuss: "Das Nichtrauchergesetz hat sich so gut eingebürgert, dass selbst die Raucher sagen, es ist angenehm, dass hier nicht geraucht wird." Sie fügt hinzu: "Wenn das Rauchverbot gelockert werden würde, müssten alle Gastronomen bis zu einem gewissen Grad mitziehen. Das will ich nicht, auch wegen der Gesundheit meiner Angestellten, die nicht vor dem Rauch weglaufen können." Bis 22 Uhr könne man das Rauchen noch verbieten, weil bis dahin die Küche offen sei. "Aber danach? Da zieht das Argument nicht mehr, und die Gäste, die rauchen wollen, würden dann das Lokal wechseln, wenn wir beim Verbot bleiben."

Sebastian Hucks vom Cafe Mondrian in Moers hält nichts von einer Lockerung des Rauchverbots. "Das Thema hat sich erledigt. Wer setzt sich denn heute noch in eine verrauchte Kneipe?" Die Kneipen und Cafes hätten sich in den vergangen Jahren angepasst und das Speise-Angebot verstärkt. Das Rad bekäme man nicht mehr zurückgedreht.

Isa Fiedler, Sprecherin der Altstadt-Wirte in Düsseldorf, hat das Raucherverbot damals doppelt schwer getroffen. Unter Schwarzgelb musste sie ihr Lokal "Knoten" zu einer Raucherkneipe machten — wodurch deutlich weniger Nichtraucher kamen. Als das totale Rauchverbot durchgesetzt wurde, verschwanden wiederum die Raucher. Sie will daher erst mal wissen, was CDU und FDP konkret planen: "Ich habe noch keine endgültige Meinung, mir ist das noch zu unklar. Was ich aber gerne wüsste: Hätte die Lösung dann dauerhaft Bestand? Ein Hin und Her ist nicht förderlich."

Für sie sind Rauchverbote in der Gastronomie nicht automatisch ein wahlentscheidendes Thema. "Was die Parteien zum Arbeitsschutz sagen, interessiert mich beispielsweise viel mehr." Interessanter als eine neue Landes-Regelung fände sie eine bundeseinheitliche Regel. "Kann man das denn nicht schaffen? Es muss doch nicht sein, dass sich die Gastronomien in den einzelnen Bundesländern die Touristenströme abgraben. Ob geraucht werden darf oder nicht, ist auch ein Standortvorteil. Die Leute überlegen sich durchaus auf dieser Basis, in welche Stadt sie übers Wochenende mit ihrem Kegelclub fahren."

Richard Hütches, Inhaber des Bistros "RichArt's" am Grevenbroicher Bahnhof, ist geteilter Meinung. "Klar, viele Gäste würden es begrüßen, wenn drinnen wieder geraucht werden könnte. Ob wir dadurch aber neue Kunden gewinnen können, bezweifele ich."

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