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Rauchen ist out, Kiffen bleibt aber in

Studie zum Konsum bei Jugendlichen : Rauchen ist out, Kiffen immer beliebter

Es rauchen in Deutschland so wenige Jugendliche wie noch nie, zeigt eine Studie der Bundesregierung. Allerdings ist der Konsum von Cannabis so hoch wie seit fünfzehn Jahren nicht mehr. Gut 46 Prozent der jungen Erwachsenen von 18 bis 25 Jahre haben schon einmal gekifft.

Ein historischer Tiefstand beim Rauchen, aber auch die höchsten Werte beim Cannabis-Konsum seit langer Zeit: Das Fazit der Studie zur Drogenaffinität bei Jugendlichen in Deutschland fällt gemischt aus. Die repräsentative Studie wird von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) seit 1973 regelmäßig erstellt. Nun liegen die Ergebnisse für das Jahr 2019 vor. Die Untersuchung liefert neben den Erkenntnissen zu Cannabis- und Zigarettenkonsum von Jugendlichen auch solche über den Konsum von anderen illegalen Drogen und Alkohol.

46,4 Prozent der jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) haben laut Bericht schon einmal gekifft. Die Studie vergleicht auch die Daten mit diesen aus früheren Jahren, nimmt aber für diesen Zweck nur die Befragungen, die per Festnetzt durchgeführt wurden. Nach dieser Methode waren es 2019 41,4 Prozent, die schon einmal gekifft haben. Mehr waren es seit Beginn der Untersuchungen nur einmal – im Jahr 2004 (43 Prozent). Auch bei den Jüngeren ist der Trend ähnlich. 10,1 Prozent der 12- bis 17-Jährigen haben Cannabis bereits ausprobiert, mehr waren es zuletzt 2004 (15,1 Prozent). „Die Risiken des Cannabiskonsums sind umso höher, je früher und intensiver konsumiert wird“, sagte BzgA-Leiterin Gudrun Thaiss. Zu diesen Risiken könnten etwa Psychosen gehören. „Diese sind zum Teil irreversibel“, ergänzte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Daniela Ludwig. Es sei inzwischen klar, dass das Gehirn erst mit 25 Jahren ausgereift sei, sagte Ludwig. Auf eine Diskussion über die Legalisierung zu Cannabis wollte sie sich bei der Vorstellung der Studie deswegen gar nicht erst einlassen. „Wir haben schon zwei Volksdrogen“, sagte Ludwig mit Blick auf Alkohol und Zigaretten. „Ich will keine dritte haben.“

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Cannabis ist die mit Abstand am häufigsten von Jugendlichen konsumierte illegale Droge. An zweiter Stelle kommt Ecstasy – das haben 7,8 Prozent der jungen Erwachsenen schon ausprobiert, darauf folgen Amphetamin (6,8 Prozent), psychoaktive Pflanzen (5,4 Prozent) und Kokain (4,7 Prozent). Diese Reihenfolge bleibt auch bei den unter 17-Jährigen ähnlich, bei ihnen hält sich der Konsum aber in Grenzen – ausprobiert haben die Stoffe jeweils 0,6 und 0,3 Prozent der Jugendlichen.

Positive Nachrichten gab es im Hinblick auf den Konsum legaler Drogen. Rauchen hat unter Jugendlichen einen historischen Tiefstand erreicht. Nur 21,2 Prozent der 18- bis 25-Jährigen bezeichnen sich als ständige oder gelegentliche Raucher, 45,9 Prozent von ihnen gaben sogar an, noch nie geraucht zu haben. Bei den 12- bis 17-Jährigen sind nur 5,6 Prozent Raucher, 85,1 Prozent haben noch nie geraucht. Bei allen vier Werten setzen sich die positiven Trends aus den vergangenen Jahren fort. „Da sind wir richtig gut“, sagte die Drogenbeauftragte. Von einem Land, in dem die Zigarette dazu gehört habe, habe sich Deutschland zu einem Land entwickelt, in dem die Jugend bewusst Zigaretten ablehne.

Immer seltener trinken Jugendliche Alkohol. 9,5 Prozent der bis 17-Jährigen gaben an, mindestens einmal in der Woche zu trinken, bei den 18- bis 25-Jährigen waren es 32,9 Prozent. Das sogenannte Rauschtrinken oder Komasaufen bleibt jedoch laut der Studie seit Jahren konstant. Etwa jeder siebte Jugendliche (14,7 Prozent) praktiziert das einmal pro Woche, bei den jungen Erwachsenen sind es 40,6 Prozent. Rauschtrinken wird in der Studie als Konsum von mehr als fünf Gläsern Alkohol bei einer Gelegenheit definiert.