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Randale in Köln: Polizei erhöht Zahl der Einsatzkräfte

Randale bei Partys in Köln und Münster : „Wer Flaschen auf Polizisten wirft, ist kein Pandemie-Freiheitskämpfer“

Mehrere Einsatzkräfte von Polizei und Ordnungsdienst sind am Wochenende in Köln, Düsseldorf und Münster verletzt worden. Köln reagierte mit einer Aufstockung der Einsatzkräfte. NRW-Innenminister Herbert Reul bezeichnet die Vorfälle als „vollkommen unbegreiflich“.

Mit einer Reiterstaffel und einer zusätzlichen Hundertschaft hat die Kölner Polizei ab Samstagnachmittag am Aachener Weiher und im Grüngürtel deutliche Präsenz gezeigt, um Szenen wie die vom Vorabend zu verhindern. Das hatte Kölns stellvertretende Polizeipräsidentin Miriam Brauns am Samstag im Historischen Rathaus angekündigt. Zwar mussten die Beamten erneut eingreifen, die Situation eskalierte aber nicht noch einmal, wie ein Sprecher am Sonntag sagte: „Wegen des schönen Wetters war wieder viel los, aber die Lage war nicht mit Freitag vergleichbar.“ Sieben Platzverweise seien ausgesprochen und eine Person wegen einer Schlägerei in Gewahrsam genommen worden.

Etwa 1000 junge Menschen hatten in der Nacht zu Samstag bei einer illegalen Party mit DJs am Aachener Weiher gefeiert und getanzt. Mitarbeiter des Kölner Ordnungsamtes holten sich Verstärkung der Polizei – drei Hundertschaften waren mit Helmen und Schutzschilden im Einsatz. „Ordnungsdienst und Polizei trafen vor Ort auf massive Aggressivität und wurden mit Flaschen beworfen“, sagte Andrea Blome, Leiterin des Kölner Krisenstabs am Samstag im Rathaus. Erheblich im Gesicht verletzt wurde ein städtischer Mitarbeiter, auch zwei Polizisten wurden von Flaschen getroffen und verletzt, sie blieben aber dienstfähig.

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„Die Aggressivität und Respektlosigkeit gegenüber den Kolleginnen und Kollegen des Ordnungsdienstes und der Polizei hat mich tief erschüttert“, sagte Blome. „Während in weiten Teilen des Stadtgebietes die Menschen die Lockerungen verantwortungsvoll im Freien genossen haben, ist die Situation am Aachener Weiher eskaliert.“ Miriam Brauns sagte: „Wenn Massen von Menschen, die vom Alter her noch nicht geimpft sein dürften, uns durch ihre Art des Feierns in die Gefahr eines Rückschlags bringen, hat das mit Vernunft nichts mehr zu tun.“ Die Gewalt sei ein Schlag ins Gesicht derer, die auf das Ende der Pandemie hofften und ihre Freiheiten zurückbekommen wollten. „Die Bereitschaft, aus dem Hinterhalt Gegenstände auf Einsatzkräfte zu werfen, macht mich tief betroffen.“

  Leere Flaschen schwimmen als letzten Überreste einer Party im Aachener Weiher.
 Leere Flaschen schwimmen als letzten Überreste einer Party im Aachener Weiher. Foto: dpa/Roberto Pfeil

Auch in Münster warfen Feiernde auf einer Wiese am Aasee Flaschen und Pyrotechnik auf Einsatzkräfte. An der Bismarckallee sammelten sich bis zu 250 aggressiv auftretende Personen, vereinzelt wurde auch hier Pyrotechnik gezündet, wie die Polizei mitteilte. Ein Mann widersetzte sich nach einem Körperverletzungsdelikt den Maßnahmen der Beamten und verletzte einen Polizisten. Fünf Personen wurden in Gewahrsam genommen und mussten die Nacht im Polizeipräsidium verbringen. Die Ermittlungen zu den Flaschenwerfern dauern an. Auch in Düsseldorf wurden am Wochenende fünf Polizisten verletzt, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte. Eine Beamtin wurde am Bolker Stern durch einen Flaschenwurf verletzt. Sie kam ins Krankenhaus und war anschließend nicht mehr dienstfähig. In anderen Fällen wurden in Düsseldorf Beamte bei der Festnahme von Tatverdächtigen und beim Einschreiten bei Schlägereien verletzt.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ist davon überzeugt, „dass die allermeisten Menschen sehr verantwortungsvoll mit den wiedererlangten Freiheiten umgehen“, wie er auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. „Es ist mir jedoch vollkommen unbegreiflich, wie einzelne auf die wahnsinnige Idee kommen, Polizei und Ordnungskräfte zu bepöbeln und mit Flaschen zu bewerfen“, sagte er. Wer die öffentliche Sicherheit gefährde, müsse sich auch bei diesen Temperaturen warm anziehen, so Reul. „Die Polizeibehörden vor Ort sind weiter aufmerksam und passen Ihre Maßnahmen zielgerichtet an.“

Der Lockdown sei so schlagartig aufgehoben worden wie er verhängt worden sei, sagte Michael Mertens, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei. „Ob alle Menschen in NRW damit diszipliniert umgehen können, muss man nach den Ereignissen vom Wochenende bezweifeln.“ Um nicht in der nächsten Corona-Welle zu landen, müssten alle noch ein gewisses Maß an Vorsicht an den Tag legen. „Die Menschen, die nun ihre Aggressionen ausleben, hatten aber schon vor der Pandemie ein gestörtes Verhältnis zu Staat und Polizei – daran hat leider auch der Lockdown nichts geändert“, sagte Mertens.

Kölns stellvertretende Polizeipräsidentin Brauns kündigte für die kommenden Wochenenden ein frühes Einschreiten der Polizei an. „Wer Flaschen auf Ordnungskräfte und Polizisten wirft, ist kein Pandemie-Freiheitskämpfer, sondern ein Straftäter, der ganz schlicht mit Konsequenzen rechnen muss“, sagte sie. „Wir werden alles dafür tun, unsere Einsatzkräfte zu schützen.“ Im gesamten Kölner Stadtgebiet gab es in der Nacht zu Sonntag 394 Polizeieinsätze, in der Nacht zuvor waren es nach Angaben des Polizeisprechers 406. „Vor vier Wochen hatten wir nur 215 Einsätze in einer Samstagnacht“, sagte der Sprecher. Die Zahlen würden sich nun wieder den Vor-Pandemie-Zahlen angleichen.