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Rainer Woelki: Diözesanrat kündigt Kölner Kardinal die Gefolgschaft

"Ungeklärte Missbrauchsaufarbeitung" : Diözesanrat kündigt Kardinal Woelki die Gefolgschaft

Kirchenaustritte, Brandbriefe von Priestern - und nun beendet auch der Diözesanrat im Erzbistum Köln die Zusammenarbeit mit Kardinal Rainer Woelki. Das Gremium fordert Konsequenzen im Missbrauchsskandal.

Der Diözesanrat im Erzbistum Köln hat laut einem Zeitungsbericht Kardinal Rainer Woelki die Gefolgschaft aufgekündigt. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" in seiner Freitagsausgabe berichtet, setzte das Gremium aus Laien und Klerikern unter Hinweis auf die Vorwürfe einer unzureichenden Aufklärung von Missbrauchsfällen seine Mitwirkung an dem von Woelki gestarteten "Pastoralen Zukunftsweg" aus.

Aufgrund der "ungeklärten Missbrauchsaufarbeitung" sei für die Initiative, mit welcher der Kardinal dem kirchlichen Leben in dem Erzbistum neue Impulse geben will, "keine hinreichende Akzeptanz vorhanden", zitiert das Blatt aus einem Beschluss des Diözesanrats. Dieser Beschluss sei fast einstimmig gefallen.

In einer weiteren Entschließung forderte das Gremium den Kardinal sowie alle amtierenden und ehemaligen leitenden Geistlichen mit Personalverantwortung im Erzbistum zu persönlichen Konsequenzen aus möglichen Verfehlungen im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs auf.

"Übernehmen Sie Verantwortung (...). Warten Sie nicht, bis Rom entscheidet oder bis Rechtsgutachter Ihnen sagen, was Sie falsch gemacht haben", heißt es laut "Kölner Stadt-Anzeiger" in der Entschließung. Nach Jahren des Verschweigens und Leugnens erwarteten die Menschen im Erzbistum "endlich Klartext und konkrete Schritte der Verantwortung".

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Auch die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ fordert schnelles Handeln. „Jeder Tag, an dem im Kölner Erzbistum die Unklarheit über das zurückgehaltene Missbrauchsgutachten andauert, ist einer zu viel. Alle Katholiken in Deutschland warten auf das Erzbistum. Es ist völlig unverständlich und skandalös, wie die Bistumsleitung mit dem Gutachten umgeht“, sagte ihr Sprecher Christian Weisner der Rheinischen Post. Jetzt sei der Vertrauensschaden in Köln, aber auch für die Kirche in Deutschland nach den Worten Weisners enorm. „Solange keine Umkehr der Kölner Bistumsleitung wenigstens erkennbar ist, solange wirkt ihr Handeln oder besser Nichthandeln verheerend.“ Zudem bezeichnete es Weisner im Gespräch mit der Rheinischen Post  als „unverständlich, dass die von Bischof Felix Genn in Rom angeforderte Untersuchung zu Vertuschungen im Erzbistum noch nicht begonnen wurde und die Aufnahme der Untersuchung offenbar noch gar nicht absehbar ist. Die Kirche in Deutschland sollte nicht nur auf Rom warten, sondern muss selber Verantwortung übernehmen. Da sind jetzt die anderen Bischöfe in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz gefragt.“

Woelki steht in der Kritik, weil er ein 2018 in Auftrag gegebenes unabhängiges Gutachten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln unter Verschluss hält. In einem Missbrauchsfall aus den 70er Jahren wird dem Erzbischof zudem Vertuschung vorgeworfen.

In einem Brandbrief an Woelki, über den der "Kölner Stadt-Anzeiger" am Donnerstag berichtet hatte, beklagten 34 Pfarrer einen "Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust". Das Erzbistum Köln sieht sich mit einer Welle von Kirchenaustritten konfrontiert.

(los/peng/AFP)