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Radevormwald: Fünf Tote und Brand eines Wohnhause - Mordkommission ermittelt

Feuer in Radevormwald : Vater soll Familie getötet und Haus angezündet haben

Nach dem Brand eines Wohnhauses in Radevormwald und dem Fund von fünf Leichen gehen Polizei und Staatsanwaltschaft von einem Gewaltverbrechen aus. Vor dem Ausbruch des Feuers soll der Vater seine Familie erstochen haben.

Es werde eine Tat des 41 Jahre alten Familienvaters angenommen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag in Köln mit. „Für eine Beteiligung weiterer Personen liegen keine Anhaltspunkte vor“, erklärten die Ermittler nach der Obduktion der Leichen.

Es sei davon auszugehen, dass der 41-jährige Familienvater kurz vor 17 Uhr am Freitag seine Ehefrau, seine beiden kleinen Töchter sowie seine Schwiegermutter im Wohnhaus der Familie mit einem Messer getötet, das Haus angezündet und sich dann auf gleiche Weise umgebracht hat. Das Motiv für die Tat dürfte laut den Angaben im Scheitern der ehelichen Beziehungen zu sehen sein. 

Die Ermittler erklärten, das Todesermittlungsverfahren werde eingestellt, wenn es nicht noch neue Erkenntnisse gebe. Ermittlungen gegen gestorbene Täter seien nicht vorgesehen. Weitere Auskünfte zu den Verstorbenen soll es nicht geben, auch nicht zur Tat und den Lebensverhältnissen der Familie.

Bereits am Freitagabend hatte der Erkennungsdienst die Arbeit aufgenommen. Spurensicherer und Brandermittler waren vor Ort. Der Unglücksort wurde weiträumig abgesperrt. Die Feuerwehr habe den Brand gelöscht und sei nach einem etwa zweistündigen Löscheinsatz wieder abgerückt, sagte ein Feuerwehrsprecher. Der Brandort sei der Polizei übergeben worden.

Um 17 Uhr war den Angaben zufolge ein Notruf eingegangen, dass ein Wohnhaus brenne. Bei den Löscharbeiten seien die Einsatzkräfte auf die fünf Leichen gestoßen. Um etwa 19.30 Uhr sei die Feuerwehr wieder abgezogen. Es sei „nichts mehr zu machen gewesen“.

Das Entsetzen in Radevormwald ist groß. Um 11.30 Uhr am Samstag zündet Suada Hadzihasanovic ein Grablicht an und legt es auf die Stufe vor der Haustüre. „Ich kenne die Familie zwar nicht“, sagt die 32-Jährige. „Aber ich habe gehört, dass zwei kleine Kinder gestorben sind. Ich habe auch zwei Kinder. Das Ganze ist schrecklich.“ Wahrscheinlich seien sich die Kinder der beiden Familien einmal auf dem Spielplatz begegnet. „Das ist ja hier eine kleine Stadt.“

Ralf Rother wohnt in der Nähe des Hauses. Er habe die Familie gekannt, so wie man sich eben als Nachbarn kenne. Er sei auf einem Spaziergang gewesen, als er die Sirenen gehört habe. Dann sei ihm klar geworden: „Das ist ja bei dir in der Nähe!“ Flammen seien nicht zu sehen gewesen.

Am Samstag waren am Unglückshaus die zerborstenen Fenster durch Spanplatten ersetzt, die Rollläden an Fenstern heruntergelassen.

„Um den Menschen in der Stadt eine erste Möglichkeit zu geben, ihrer Betroffenheit Ausdruck zu verleihen, wird die Kirche am Markt am Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet sein“, erklärt Dr. Dieter Jeschke, Pfarrer der reformierten Gemeinde. Dort können die Bürger ein Gebet sprechen und eine Kerze anzünden.

In den vergangenen Monaten gab es in Nordrhein-Westfalen zwei vergleichbare Fälle: Im Dezember soll ein Mann in Isselburg im Münsterland seine ältere Tochter sowie seine Ehefrau getötet haben, bevor er sich das Leben nahm. Die jüngere Tochter wollte er ebenfalls umbringen. Sie überlebte, weil sie sich in ihrem Zimmer einschloss. In Rösrath bei Köln tötete ein Mann im Oktober Tochter und Ehefrau und anschließend sich selbst.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fünf Tote in Radevormwald – Vater tötet Familie und sich selbst

(bsch/dpa/csi)