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Münster: Prozess um Diebstahl des Borghorster Stiftskreuzes hat begonnen

Münster : Prozess um Diebstahl des Borghorster Stiftskreuzes hat begonnen

In einer Kirche verschwindet ein fast 1000 Jahre altes Reliquienkreuz. Rund drei Jahre ist es verschollen - dann gibt es einen Tipp. Jetzt steht der Tippgeber selbst vor Gericht. Zu unrecht, wie er sagt.

Vor dreieinhalb Jahren wird im münsterländischen Steinfurt-Borghorst ein rund 1000 Jahre altes Stiftskreuz gestohlen. Die Versicherungen taxieren den Wert der Reliquie auf über sieben Millionen Euro. Als es Anfang des Jahres zurückkommt, gleicht die Nachricht einer kleinen Sensation. Ein Mann aus Bremen gibt den entscheidenen Tipp. Seit Mittwoch steht der 42-Jährige nun jedoch selbst vor Gericht. Er soll nicht nur der Tippgeber, sondern auch der Auftraggeber des Diebstahls gewesen. Das bestreitet er allerdings.

So überraschend wie die Rückkehr des Borghorster Stiftskreuzes war allerdings auch der Prozessauftakt vor dem Landgericht Münster. Kaum hatten Fotografen und Kamerateams den Saal verlassen, stand im Zuschauerraum ein Mann auf und setzte sich zwischen die beiden Verteidiger. Der Mann, der vorher dort gesessen hatte und minutenlang gefilmt und fotografiert worden war, rückte zwei Plätze weiter. Er war gar nicht der Angeklagte, sondern ein Mitarbeiter der Verteidiger. Warum das vorher nicht gesagt worden ist? "Es hat ja keiner gefragt", sagte einer der Anwälte später.

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Und so gab es also kein Foto des Angeklagten, der sich ohnehin für unschuldig hält. "Ich habe keinen beauftragt, das Kreuz zu stehlen", hieß es in einer von seinem Verteidiger Martin Stucke verlesenen Erklärung. Er könne weder lesen noch schreiben und kenne sich überhaupt nicht aus. "Woher sollte ich von dem Dorf und der Kirche erfahren haben?", hieß es in einer Frage an die Richter. "Außerdem habe ich gelernt, die Gläubigen in Ruhe zu lassen."

Das so genannte Borghorster Stiftskreuz war am 29. Oktober 2013 aus der Nikomedes-Kirche in Steinfurt-Borghorst gestohlen worden. Der reine Materialwert ist nach Angaben eines Sachverständigen zwar gering, der religiöse Wert allerdings praktisch unermesslich. "Es gibt zwar viele ähnliche Kreuze aus dem Mittelalter", sagte der Experte vor der 3. Strafkammer des Landgericht Münster. "Aber nicht genau so eins. Das ist selten."

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte den Diebstahl in Auftrag gegeben hat. Dafür soll er den eigentlichen Tätern später rund 50 000 Euro gezahlt haben. Außerdem sei er an der Planung beteiligt gewesen. Genau das wird von dem 42-Jährigen jedoch bestritten.

Fakt ist allerdings: Das Borghorster Stiftskreuz ist nur auf Intiative des Angeklagten zurückgegeben worden. Was ihm nach eigenen Angaben allerdings nur möglich gewesen sei, weil in dem Bremer Stadtviertel, in dem er lebe, viel über den Diebstahl des Kreuzes gesprochen worden sei und er die Täter gekannt habe. In seiner verlesenen Erklärung hieß es dazu: "Ich betone, dass ich alles mit dem Willen unternommen habe, das Kreuz an die Kirche zurückzugeben." Er habe sich auch nicht daran bereichert. Eine Belohnung hätte er zwar nicht ausgeschlagen. Die habe es aber nicht gegeben. Stattdessen habe er den zwischenzeitlich erfolgten Weiterverkauf an einen Mittelsmann sogar mit rund 50 000 Euro mitfinanziert.

Nach Angaben der Richter hatte die Staatsanwaltschaft bereits Ende vergangenen Jahres signalisiert, dass sie nach einer unbeschädigten Rückgabe des Kreuzes mit einer Bewährunggsstrafe einverstanden sei.
Dafür sei allerdings auch noch ein volles Geständnis nötig. Genau das hat es zum Prozessauftakt jedoch nicht gegeben.

Die drei eigentlichen Diebe des Stiftskreuzes waren schon in früheren Prozessen zu Haftstrafen von bis zu fünf Jahren verurteilt worden.
Für den aktuellen Prozess hat das Landgericht Münster vorerst noch fünf Verhandlungstage bis zum 7. April vorgesehen.

(siev/dpa)