Prozess in Köln Eine Nacht in Todesangst – zwei Männer sollen Psychotherapeutin entführt haben

Köln · Eine Psychotherapeutin wird im Oktober 2023 in ihrer Praxis in Köln von zwei Männern überwältigt, sediert und entführt. Nun hat der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter begonnen. Einer soll ein ehemaliger Patient der Frau sein.

 Die Angeklagten mit Verteidigerin Petra Wunsch und Verteidiger Salih Kocak am Mittwoch in Saal 112 des Kölner Landgerichts.

Die Angeklagten mit Verteidigerin Petra Wunsch und Verteidiger Salih Kocak am Mittwoch in Saal 112 des Kölner Landgerichts.

Foto: RPO/Claudia Hauser

Eine Kölner Psychotherapeutin musste im Oktober vergangenen Jahres viele Stunden Todesangst durchleben. Sie wurde am Nachmittag des 13. Oktobers aus ihrer Praxis entführt und eine Nacht lang bedroht und gequält. Die beiden Männer, die die Entführung begangen haben sollen, stehen nun in Köln vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen erpresserischen Menschenraub, versuchte räuberischer Erpressung und gefährliche Körperverletzung vor.

Die Angeklagten sind 40 und 55 Jahre alt, der Jüngere der beiden war früher ein Patient der Psychotherapeutin. Weil er sich wohl schlecht von ihr behandelt gefühlt hatte, plante er mit seinem Kumpel die Entführung, um Geld von der Frau zu erpressen, eine Millionensumme – so der Anklagevorwurf. Die Männer sollen die Therapeutin in ihrer Praxis trotz deren heftiger Gegenwehr überwältigt, mit einem Narkosemittel betäubt und in eine Metallkiste gezwängt haben. Die Frau hatte dem 55-Jährigen noch in den Finger gebissen, um zu entkommen.

Die Kiste sollen sie mit einem gemieteten Gemüsetransporter in ihre Wohnung geschafft haben, wo sie die Frau ins Badezimmer gesperrt, dort mit Kabelbinder gefesselt und immer wieder bedroht haben sollen.

Das Badezimmer hatten sie laut Anklage vorher mit Fließstoff an den Wänden schallisoliert. Sie sollen 1,5 Millionen Euro von der Therapeutin verlangt haben, sonst lande sie in der Kiste im Rhein, so lautete eine ihrer Drohungen. Während der Nacht sollen sie ihr Opfer immer wieder betäubt haben. Über einen Venenzugang, den sie selbst gelegt haben sollen, sollen sie der Frau unter anderem Ecstasy und ein starkes Beruhigungsmittel gespritzt haben. Die Frau schaffte es, den Männern glaubhaft zu versichern, dass sie zahlen werde, so dass sie sie schließlich frei ließen. Kurz darauf überwältigte ein Spezialeinsatzkommando die beiden Männer. Die Frau erlitt unter anderem eine Venenverletzung, Hautabschürfungen, Würgemale und Prellungen.

Die Psychotherapeutin leidet noch sehr unter den Folgen der Tat. Sie hat Angstzustände, Schlafstörungen und Albträume. Bis heute kann sie aus Angst ihre Praxis nicht betreten. Ein Urteil ist für Ende August geplant.