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Prozess in Bonn: Angeklagter entschuldigt sich für Frontalfahrt auf Polizisten

Prozess in Bonn : Angeklagter entschuldigt sich für Frontalfahrt auf Polizisten

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 24-Jährigen versuchten Mord vor. Er soll im November frontal auf einen Polizeibeamten zugefahren sein. Vor Gericht fand er nun eine ganz andere Erklärung für sein Verhalten.

Nach einem mutmaßlich gezielten Angriff mit seinem Auto auf einen Polizisten hat sich ein 24-Jähriger vor Gericht für sein Verhalten entschuldigt. Er habe an dem fraglichen Tag nicht sofort erkannt, dass es sich um eine Polizeikontrolle gehandelt habe und sich erschrocken, erklärte der Mann zum Prozessauftakt am Montag vor dem Bonner Schwurgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor.

Der 24-Jährige soll am 8. November 2019 frontal auf einen 29 Jahre alten Polizeibeamten zugefahren sein, als ihn eine Streife in der Bonner Innenstadt stoppen wollte. Aus Angst vor der Kontrolle - so die Vorwürfe - habe er in Kauf genommen, einen Menschen tödlich zu verletzen, um nicht wegen kleinerer Straftaten - Urkundenfälschung, Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz sowie Fahren ohne Fahrerlaubnis - erwischt zu werden. Der Angeklagte, der keinen Führerschein besaß, war den Polizisten wegen seines nervösen Verhaltens, aber auch wegen unterschiedlicher Felgen an seinem Auto und einem kaputten Auspuff aufgefallen.

Am ersten Prozesstag äußerte sich der Angeklagte ausführlich zu den Vorwürfen. Er habe sich erschrocken, als vor ihm plötzlich zwei Personen auf die Fahrbahn gesprungen seien und eine ihn mit einer Taschenlampe angeleuchtet habe. In seiner Panik habe er Gas gegeben und sei auf die Gegenfahrbahn ausgewichen, um den Mann links zu umfahren. Zu seinem Schrecken jedoch habe der Beamte weiterhin mit Körpereinsatz versucht, ihn zu stoppen.

Erst am nächsten Tag habe er gelesen, dass jemand mit dem Auto auf einen Polizisten zugefahren sei und wegen des Verdachts des versuchten Mordes gesucht werden. Da erst habe er begriffen, dass es eine echte Kontrolle gewesen sei. Aus Angst vor den Konsequenzen habe er seine Sachen gepackt und sei in Polen untergetaucht. Fünf Monate später stellte er sich im März 2020 freiwillig der Polizei.

(chal/dpa)