Proteste gegen Braunkohle: Rotes Band im Rheinischen Revier

Proteste im Rheinischen Revier: Rotes Band gegen die Braunkohle

3000 Menschen demonstrierten am Wochenende friedlich für den Ausstieg aus der Braunkohle. Aktivisten gelang es im Rheinischen Revier immer wieder, Bagger zu besetzen und Gleise zu blockieren. Im November wollen sie ihren Protest fortsetzen.

Mützen, T-Shirts, Fahnen - Rot war die Farbe des Tages am Braunkohletagebau Hambach bei Kerpen. Rund 3000 rotgekleidete Bürger und Vertreter von Umweltverbänden formierten sich zu einer zwei Kilometer langen roten Linie, um dem Energiekonzern RWE zu signalisieren: "Bis hierher und nicht weiter."

Sie demonstrierten gegen die weitere Abholzung eines Waldstücks zwischen Aachen, Mönchengladbach und Köln für den Kohle-Abbau. An der Menschenkette nahmen auch die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt, Cem Özdemir, Fraktionschef Anton Hofreiter und die Parteivorsitzende Simone Peter teil. Neben dem BUND hatten Greenpeace und die Umwelt-Allianz Deutschland zu der Aktion aufgerufen. Fast ein Viertel des deutschen Stroms wird noch aus Braunkohle gewonnen.

Hunderte Klima-Aktivisten beschäftigten zudem mit mehreren Aktionen das Wochenende über die Polizei. Im Tagebau Garzweiler kletterten elf Braunkohlegegner am Sonntagmorgen auf einen stillstehenden Bagger, um dort ein Transparent zu enthüllen, wie ein Sprecher der Polizei Aachen bestätigte. Sie seien aber kurz darauf ohne Gegenwehr heruntergestiegen. Im Tagebau Hambach ketteten sich vier Personen mit Fahrradschlössern an Förderbänder.

Andere Aktivisten blockierten am Samstag am Kraftwerk Neurath bei Grevenbroich alle Zufahrtsstraßen oder ketteten sich an Gleise der RWE-eigenen Nord-Süd-Bahn. Sie versorgt die RWE-Kraftwerke in Niederaußem, Frimmersdorf und Neurath mit Braunkohle. Im Kraftwerk Neurath drosselte RWE die Leistung vorübergehend.

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RWE-Sprecher Jan Peter Cirkel bekräftigte, dass Proteste gegen die Braunkohle legitim seien. Aber Aktivisten hätten mit der Gleisblockade "erneut eine rote Linie überschritten". Der Konzern werde die Aktion strafrechtlich verfolgen lassen.

Die Polizei zog eine positive Einsatzbilanz: Ihr sei es weitestgehend gelungen zu verhindern, dass Aktivisten in Tagebaue eindringen oder Kraftwerke besetzten. Vorübergehend wurden Hunderte Menschen in Gewahrsam genommen. Eine Frau wurde laut Polizei bei den Protesten verletzt. Das Aktionsbündnis "Ende Gelände" sprach von fünf Verletzten in Krankenhäusern. Zudem wurden sieben Polizisten verletzt.

Die Polizei kritisierte jedoch heftig, dass am Samstagmorgen kurz nach Mitternacht Unbekannte am Hambacher Forst aus dem Wald heraus einen Mannschaftswagen der Polizei mit Schleudern und Feuerwerkskörpern beschossen hatten. Das sei "abscheulich", sagte ein Sprecher. "Da saßen Menschen drin." Man habe auch sogenannte Krähenfüße, mit denen die Reifen der Mannschaftwagen aufgeschlitzt werden sollten, gefunden.

Eine Sprecherin von "Ende Gelände" kündigte an, dass die Aktivisten im November ins Rheinland zurückkehren wollen. Dann sei die Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Bonn der richtige Termin, mit "Massenaktionen zivilen Ungehorsams" wieder ein Zeichen zu setzen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Klima-Aktivisten formen "rote Linie" gegen Braunkohle

(RP)