Unternehmer und Loveparade-Organisator Vermisst vor Costa Rica – das ist Rainer Schaller

Düsseldorf · Das Privatflugzeug des Unternehmers Rainer Schaller ist offenbar vor der Küste von Costa Rica abgestürzt. Der 53-Jährige stammt zwar aus Bamberg, sein Name wird in Nordrhein-Westfalen aber immer mit der Loveparade-Katastrophe in Duisburg verknüpft bleiben.

Fitnessunternehmer Rainer Schaller (Archivbild)

Fitnessunternehmer Rainer Schaller (Archivbild)

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Auf dem Flug von Mexiko nach Costa Rica verschwindet am Freitagabend ein Kleinflugzeug vom Radar. Am nächsten Morgen werden Trümmerteile im Meer gefunden, später die Leichen eines Kindes und eines Erwachsenen. Nach Angaben der costa-ricanischen Regierung waren fünf Deutsche und ein Pilot mit Schweizer Staatsangehörigkeit an Bord der Maschine. Es soll sich um den Fitnessunternehmer Rainer Schaller, seine Lebensgefährtin, deren beiden Kinder und einen Mitarbeiter der Familie handeln. Dies bestätigte eine Sprecherin der RSG-Group GmbH der „Bild“-Zeitung.

Am Sonntagabend meldete auch die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine Quelle im Ministerium für öffentliche Sicherheit in San José, dass sich Schaller und fünf weitere Personen zur Zeit des Absturzes in der Maschine befunden hätten. Zwei Leichen seien bereits gefunden worden, die Suche dauere an. Eine offizielle Bestätigung stand weiter aus.

Die Suchtrupps konnten im Laufe des Sonntags keine weiteren Toten oder Überreste der verunglückten Maschine bergen, schrieb die Zeitung „La Nación“ und berief sich auf das Ministerium für öffentliche Sicherheit. „Die Witterungsverhältnisse haben die Suche heute erschwert“, hieß es in der Mitteilung. An diesem Montag soll die Suche fortgesetzt werden. Die Strömung trieb die Wrackteile dem Fernsehsender Canal 6 zufolge weiter nach Süden. Bislang haben die Suchmannschaften die Leichen eines Erwachsenen und eines Kindes geborgen. Um wen es sich bei den Opfern handelt, teilten die Behörden in Costa Rica bisher nicht mit.

Flugzeugabsturz Costa Rica:  Wrackteile und Gepäck aus Meer gezogen​
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Flugzeugabsturz vor Costa Rica - Wrackteile und Gepäck aus Meer gezogen

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Foto: AFP/EZEQUIEL BECERRA

Rainer Schaller, 53 Jahre alt, ist Gründer, Inhaber und Geschäftsführer der RSG Group. Zur Gruppe gehört unter anderem die Fitnessstudio-Kette „McFit“ mit 250 Studios in ganz Europa. Für die RSC Group arbeiten laut Unternehmensangaben mehr als 41.000 Menschen in 48 Ländern.

Schaller wurde 1969 in Bamberg geboren. Er startete seine Karriere mit einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und wurde später Franchisenehmer bei Edeka, bevor er 1997 sein erstes Fitnessstudio in Würzburg eröffnete. „Entgegen des damals vorherrschenden Wellnesstrends übertrug er als Vorreiter seiner Branche das Discountprinzip in die Fitnessindustrie und etablierte dieses dort mit großem Erfolg“, wie es auf der Unternehmensseite heißt. Schallers Vermögen wird auf 250 Millionen Euro geschätzt.

In Nordrhein-Westfalen ist der Name des Multimillionärs vor allem mit der Loveparade-Katastrophe verknüpft, bei der am 24. Juli 2010 in Duisburg 21 Menschen im Gedränge zu Tode kamen. Mindestens 650 Menschen wurden bei der Massenpanik verletzt. Schaller hatte mit seiner Firma Lopavent die Raverparty organisiert und damals im Vorhinein ein „Riesenspektakel“ versprochen. Nach dem tragischen Ausgang der Loveparade verkündete er das Aus der Veranstaltung. „Worte reichen nicht aus, um das Maß meiner Erschütterung zu erklären“, sagte er damals. „Mir ist alles daran gelegen, die Geschehnisse vollständig aufzuklären.“ Wie der damalige Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland wurde Schaller nicht angeklagt, beide wurden aber als Zeugen im Prozess gehört.

Für alle Angehörigen der Opfer wurden die Ermittlungen zu den Hintergründen der Katastrophe und der Prozess vor dem Landgericht Duisburg zur Qual. Nach 184 Verhandlungstagen endete der aufwendige Prozess schließlich im Mai 2020 ohne Urteil. Ursprünglich angeklagt unter anderem wegen fahrlässiger Tötung waren insgesamt sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalterunternehmens Lopavent. Zuletzt hatte es nur noch drei Angeklagte gegeben. „Den großen Bösewicht haben wir nicht gefunden“, sagte der Vorsitzende Richter Mario in der Einstellungsbegründung. Leute hätten Fehler gemacht, obwohl sie ihr Bestes gegeben hätten, ja sogar ihre eigenen Kinder zum Techno-Spektakel gelassen hatten.

Die Frage, wie es zu dem Unglück kommen konnte, hatte im Prozess viel Raum eingenommen. Auf der Grundlage eines 3800 Seiten umfassenden Gutachtens eines Verkehrssicherheitsexperten stellte das Gericht am Ende fest, dass eine „Vielzahl von Umständen“ zu dem tödlichen Gedränge geführt habe. So sei etwa der Veranstaltungsort für das Konzept und die Besuchermengen nicht geeignet gewesen. Vereinzelungsanlagen und Schleusen an den Eingängen seien nicht auf die erwartenden Personenmengen ausgerichtet gewesen. Das Gericht stellte auch fest, dass das Unglück auch am Veranstaltungstag noch hätte verhindert oder zumindest in den Folgen abgemildert werden können.

Rainer Schaller sagte aus, dass er sich bei der Vorbereitung der Technoparade meist auf seine Mitarbeiter verlassen habe. Allerdings räumte er eine „moralische Verantwortung“ ein. Im Prozess sagte er damals: „Ich möchte den Hinterbliebenen mein herzliches Beileid aussprechen und mich aufrichtig entschuldigen. Alles Leid, was Sie seit der Loveparade in Duisburg empfunden und durchleben mussten, ist auf meiner Veranstaltung passiert.“

In den sozialen Netzwerken wird die Nachricht vom abgestürzten Kleinflugzeug des Unternehmers teils hämisch und mitleidlos kommentiert. Doch es gibt auch viele Gegenreaktionen auf die Kommentare. Einer schreibt: „Da freuen sich Menschen, weil der Veranstalter der Duisburger Loveparade abgestürzt ist. Mit zwei Kindern, seiner Frau und einem Freund. Ohne Worte!“

Am Sonntagabend bestätigte das Ministerium für öffentliche Sicherheit in Costa Ricas Hauptstadt San José, dass Rainer Schaller und Angehörige an Bord des verunglückten Kleinflugzeuges waren.

(mit dpa)
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