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Preise für Schutzmasken: Verbrauchzentrale gibt Tipps zu überteuerten Masken

Gute Masken, böse Masken : Zwischen Wucher und Nähen für den guten Zweck

Während manche Menschen Schutzmasken für den guten Zweck nähen, versuchen andere sich daran zu bereichern. Die Verbraucherzentrale gibt Tipps zum Umgang mit möglichen Wucherangeboten.

Sind Schutzmasken das neue Klopapier? Vor einigen Wochen war die Nachfrage nach Toilettenpapier riesig: Die Regale in den Supermärkten waren fast überall leergefegt und es gab überteuerte Angebote in Online-Shops. Und heute? Nach der Ankündigung einer Maskenpflicht in Nordrhein-Westfalen gibt es einen nie dagewesenen Ansturm auf Stoffläden in der Region. Bestimmte Stoffe und Gummibänder sind immer schwieriger zu bekommen. Wer sich seine Maske nicht selbst nähen kann oder will, sucht nach bereits fertigen Exemplaren – und wird dafür an mancher Stelle heftig zur Kasse gebeten.

„Verkaufe Masken, je Stück 25 Euro.“ Diese Nachricht wurde so am Mittwoch im „Nettwerk Leverkusen“ bei Facebook gepostet. Es ist nicht das einzige Angebot für Schutzmasken in sozialen Netzwerken, das den Nutzern zu teuer erscheint, wie sie in den Kommentaren deutlich zum Ausdruck bringen. Und auch auf Verkaufsplattformen wie Ebay sind derzeit Annoncen für Masken mit stolzen Preisen von bis zu 50 Euro zu finden.

Das beobachtet auch die Verbraucherzentrale NRW. „Die Preise haben sich deutlich nach oben entwickelt“, sagt dazu Sprecher Georg Tryba im Gespräch mit unserer Redaktion. „Weil Millionen Menschen Bedarf haben, ist sofort ein Markt für Schutzmasken entstanden.“ Für Verbraucher ist die Situation indes unübersichtlich: Wie viel ist zu viel für eine Maske?

Wer vergleicht, erkennt schnell, dass sich die meisten Angebote etwa um die fünf Euro bewegen. „Einen konkreten Preisrahmen, wie viel angemessen für eine Maske ist, kann man aber nicht vorgeben“, sagt Tryba. Denn auch eine teurere Maske bedeute nicht zwingend, dass es sich dabei um Wucher handelt. Es könne sein, dass zum Beispiel der Verkäufer selbst hohe Preise an seine Lieferanten zahlen muss. Oder durch besondere Motive oder Herstellungsverfahren könnte ebenfalls ein höherer Wert entstehen als der für eine Standardmaske. Wer dennoch Hinweise auf Wucher-Preise entdeckt, kann diese bei der Verbraucherzentrale melden, die die Verkäufer im entsprechenden Fall abmahnen kann.

Worauf kommt es also an beim Maskenkauf? „Man sollte auf jeden Fall einen Preisvergleich machen“, sagt Tryba. Wer online kauft, sollte zudem auf eine kurze Lieferzeit achten und auf keine Fake-Shops reinfallen, die nach eingegangener Zahlung einfach nicht liefern. Deshalb sei es am sichersten, sich nur auf risikolose Bezahlarten wie Kauf auf Rechnung, Lastschrift, Paypal oder Amazon Pay einzulassen.

Wem die aktuelle Lage zu unübersichtlich ist, der muss trotz Maskenpflicht nicht zwingend Geld für den Schutz von Mund und Nase ausgeben. „Es besteht ja auch die Möglichkeit, einfach einen Schal oder ein Tuch von zu Hause zu verwenden bis der Markt sich wieder beruhigt hat“, sagt Tryba. „Es gibt also keinen Grund, in Panik zu verfallen.“

Es gibt aber auch die andere Seite: Viele Menschen in der Region nähen inzwischen für den guten Zweck. Dazu gehört etwa Liesel Veelemann aus Weeze. Die 83-Jährige schneidert auf ihrer 70 Jahre alten Pfaff-Nähmaschine Schutzmasken und hat schon mehr als 100 fertig. Die hat sie aber nicht verkauft, sondern an den ambulanten Pflegedienst und ein Kinderhospiz verschenkt.

Auch die Mitarbeiter des Textilmuseums „Die Scheune“ in Nettetal nähen Behelfsmasken für soziale Zwecke. Und in Kamp-Lintfort gibt Heike Schoenfeld ihre selbst genähten Masken für einen Betrag von zehn Euro an Kunden ab, um die gesamten Einnahmen im Anschluss zu spenden. Bisher profitierten ein Kindernest und ein erlebnispädagogisches Zentrum. In Wülfrath näht Alexandra Erbach gemeinsam mit ihrer 13-jährigen Tochter Ronja Masken und hat so bereits 1.300 Euro erlöst. Damit wurden beispielsweise Tablets für ein Seniorenstift finanziert.

Auch Pfarrerin Susanne Pundt-Forst aus Büderich ist ins Masken-Geschäft eingestiegen. Sie und vier weitere engagierte Frauen aus der Gemeinde sitzen täglich an der Nähmaschine, um den Ausfall der Kollekte zu kompensieren. Von dem in der Kirche gesammelten Geld werden normalerweise Hilfsprojekte und diakonische Aufgaben finanziert. Die Pfarrerin verteilt jetzt statt Gottes Segen Masken an die Menschen, die dafür eine Spende da lassen. Wie hoch die ist, entscheidet jeder selbst.

Alle wichtigen Fragen und Antworten zum Thema Schutzmasken finden Sie hier.

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