Polizei in NRW: Bei Einbrüchen und Unfällen schneller am Tatort - Bessere Einsatz-Reaktionszeit 2018

Einsatzreaktionszeit in NRW : Polizei ist schneller am Tatort

Zwischen 8,5 und neun Minuten braucht die Polizei in NRW im Durchschnitt, um bei einem Unfall mit Personenschaden zu sein. Bei Einbruch-Meldungen ist sie sogar noch schneller. Womit die verbesserten Zeiten zusammenhängen, weiß die Polizei nicht genau.

Der Alarm geht am Montagabend in der Einsatzleitstelle der Düsseldorfer Polizei ein. Ein Zeuge meldet telefonisch einen Unfall. Ein Rettungswagen ist beim Einsatz mit eingeschaltetem Martinshorn und Blaulicht in einem Kreuzungsbereich mit dem Auto einer 19-Jährigen kollidiert. Die junge Frau ist schwer verletzt. Die Leitstelle nimmt das Unfallgeschehen auf und informiert die zuständige Wache. Es wird geschaut, ob ein Streifenwagen in der Nähe ist. Dieser wird dann zur Unfallstelle geschickt.

Zwischen 8,5 und neun Minuten hat die Polizei in NRW im Jahr 2018 im Durchschnitt benötigt, um an einem Unfallort mit Personenschaden zu sein. Damit ist die Polizei nach Angaben des NRW-Innenministeriums bei diesen Einsätzen zehn Sekunden schneller als im Jahr 2017. Wird die Polizei zu einem Einbruch gerufen, bei dem der Täter noch vor Ort ist, treffen die Beamten sogar noch zügiger ein. „In fünf Minuten ist die Polizei da – und damit noch einmal 20 Sekunden schneller als im Jahr 2017“, sagt der Sprecher. 2016 benötigten Streifenwagen noch 5,34 Minuten und 2015 5,5 Minuten bei Einsätzen „Täter am Tatort“.

Womit die verbesserten Zeiten zusammenhängen, weiß die Polizei nicht genau. „Möglicherweise hat sich das Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer geändert, und sie bilden jetzt schneller und häufiger Rettungsgassen, wenn sie das Martinshorn hören oder eingeschaltetes Blaulicht sehen“, mutmaßt der Sprecher. „Dadurch würde die Polizei zum Beispiel innerstädtisch nicht mehr so häufig vor Ampelanlagen feststecken.“

47 Kreispolizeibehörden und Polizeipräsidien gibt es in NRW. „Wir führen Statistiken über die Zeiten, die wir zu den Einsätzen benötigen“, sagt eine Sprecherin der Kreispolizeibehörde Wesel. „Wir brauchten 2018 zu einem schweren Unfall durchschnittlich neun Minuten“, sagt sie. Das Innenministerium gibt die Zahlen der einzelnen Polizeibehörden nicht mehr heraus. Der Grund: Die Einsatzzeiten der Polizeibehörden seien nicht miteinander vergleichbar, weil die Gegebenheiten in einer Stadt anders seien als auf dem Land. Die Daten werden monatlich erhoben. „Sie dienen internen Zwecken. Daran können die Behörden sehen, ob sie eventuell etwas verbessern müssen“, sagt der Ministeriumssprecher. Eine Richtlinie, wie lange man maximal zu einem schweren Unfall benötigen darf, soll es aber nicht geben.

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Für Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), sind schnellere Einsatzreaktionszeiten gute Nachrichten. „Jede Sekunde, die wir schneller am Einsatzort sind, kann entscheidend sein“, sagt Rettinghaus. Er gibt aber auch zu bedenken, dass man noch schneller sein könnte. „Wenn wir mehr Personal und bessere Einsatzmittel zur Verfügung hätten, wären wir natürlich auch rascher an den Tatorten.“

Mehr als 151 Millionen Kilometer hat die Polizei im vergangenen Jahr mit ihren Streifenwagen zurückgelegt. Bei Alarmfahrten zum Einsatzgeschehen gab es laut Innenministerium 296 Unfälle, davon wurden 196 von der Polizei selbst verschuldet. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben, 44 wurden verletzt. „Damit gab es bei Alarmfahrten der Polizei 16 Prozent weniger Unfälle als noch 2016“, sagt der Sprecher des Innenministeriums. Unfallzahlen für 2018 liegen noch nicht vor.

Für die Polizisten gibt es spezielle Fahrsicherheitstrainings. Entsprechende Kurse sollen regelmäßig angeboten werden. „Als Polizist muss man natürlich besonders gut Auto fahren können. Der Beruf stellt besondere Anforderungen an das Fahrkönnen“, sagt Rettinghaus. Wenn man mit Tempo 70 durch eine Innenstadt fahre, müsse man das Fahrzeug gut beherrschen können. Richtiges Bremsen müsse gelernt werden. „Man muss Vollbremsungen bei höheren Geschwindigkeiten können“, betont Rettinghaus. Aber selbst das beste Fahrsicherheitstraining könne Unfälle bei Einsätzen nicht verhindern. „Heutzutage hören viele sehr laut Musik im Auto oder telefonieren, sind also abgelenkt. Da bringen Martinshorn und Blaulicht nichts“, sagt Rettinghaus.

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