Polizei-Einsatz in Rheinbad in Düsseldorf: Hunderte gegen eine Familie im Freibad

Großeinsatz in Düsseldorfer Rheinbad : Hunderte gegen eine Familie im Freibad

Rund 60 Polizisten mussten am Samstag in ein Düsseldorfer Freibad ausrücken. Hunderte Jugendliche hatten einen Familienvater bedroht. Das Bad wurde daraufhin geschlossen - am Sonntag wurde es erneut geräumt.

Zwei Polizeieinsätze im Düsseldorfer Rheinbad befeuern die Debatte um die Sicherheit in Freibädern. Das Bad neben dem Fußballstadion Merkur Spiel-Arena schloss am Samstagabend vorzeitig, nachdem mehrere Hundert Jugendliche einen Familienvater umzingelt hatten und die Situation zu eskalieren drohte. Auch die ersten eintreffenden Polizisten wurden von einer Menschentraube umringt, ein Beamter setzte Pfefferspray ein. Am Ende räumten mehr als 60 Polizisten das Bad. Ein Gast, der das Bad nicht verlassen wollte, wurde in Gewahrsam genommen. Später überwachte die Polizei die Abfahrt einer Gruppe aggressiver Jugendlicher an der benachbarten U-Bahn-Station.

Am Folgetag verlief der Badebetrieb bis zum späten Nachmittag friedlich, dann eskalierte die Situation offenbar erneut: Die Bädergesellschaft rief wieder die Polizei zu Hilfe – und die beendete ein weiteres Mal vorzeitig den Badebetrieb. Einem Polizeisprecher zufolge hatte es mehrere kleinere Auseinandersetzungen zwischen jugendlichen Besuchern gegeben.

Das Rheinbad war wegen der Temperaturen von mehr als 30 Grad an beiden Tagen sehr gut besucht, die Bädergesellschaft spricht von bis zu 6000 Tagesgästen. Eine Gruppe von Jugendlichen war schon am Samstagnachmittag durch aggressives Verhalten aufgefallen, eine Polizeistreife war daher bereits auf dem Weg. Der Familienvater, der nach Angaben der Zeitung „Hürriyet“ türkische Wurzeln haben soll, beschwerte sich gegen 18 Uhr laut Zeugen bei zwei Jugendlichen, als sie auf der Liegewiese rangelten und dabei auf die Familie zu stürzen drohten. Er soll die beiden dabei laut Zeugenangaben als „Nafris“ beleidigt haben, ein Polizeibegriff für nordafrikanische Straftäter.

In der Folge versammelten sich mehrere hundert Menschen um die Familie. Offenbar fühlten sich auch viele unbeteiligte Jugendliche als Gaffer angezogen. Es soll zu Rangeleien gekommen sein. Erst das große Polizeiaufgebot befriedete die Situation. Die Familie verließ das Bad unter Polizeischutz. Die Bädergesellschaft entschied sich dafür, den Betrieb für den Tag komplett zu beenden, auch weil viele unbeteiligte Badegäste geflohen waren oder Angst hatten.

Die Polizei stellte die Personalien der Jugendlichen nicht fest. Daher gibt es keine genaueren Angaben zu den Randalieren. Einem Sprecher zufolge lag die Priorität darauf, die Situation schnell unter Kontrolle zu bringen. Ob der Vorfall strafrechtliche Folgen hat, ist unklar. Es liegt eine Strafanzeige wegen Bedrohung vor.

Der Chef der Düsseldorfer Bädergesellschaft, Roland Kettler, lobte am Sonntagvormittag, dass die Bademeister richtig gehandelt hätten. Sie sind für Konfliktsituationen geschult und haben die Anweisung, frühzeitig die Polizei zu rufen, wenn Gewalt droht. „Solche Konflikte sind für uns nicht lösbar, da ist die Polizei gefragt“, sagt Kettler. Am Sonntag sahen sich die Badmitarbeiter dann offenbar schon wieder gezwungen, einen Notruf abzusetzen.

Seit Tagen kommt es immer wieder zu Zwischenfällen in den Freibädern. In Essen waren vor einer Woche zwei Bademeister von einer Gruppen junger Männer verprügelt worden. In Haltern am See gab es eine Schlägerei unter rund 20 Badegästen an einer Pommesbude. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Schwimmmeister, Peter Harzheim, hatte unserer Redaktion gesagt, dass das Verhalten mancher Badegäste seit etwa zehn bis 15 Jahren immer schlimmer werde. Die Zahl der Halbstarken nehme offenbar immer weiter zu, betonte der Verbandschef. „Das ist eine erschreckende Entwicklung. Wir müssen da knallhart durchgreifen.“ Seine Aussage hatte eine bundesweite Diskussion über zunehmende Aggressivität in Freibädern ausgelöst.

Der Dortmunder Bäderchef Michael Dominik bestätigt die Einschätzung des Verbandschefs. „Es gibt eine zunehmende Respektlosigkeit gegenüber dem Personal, Diebstähle und Schlägereien von Gästen untereinander“, sagte Dominik. Das, was für Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei gelte, sei nun auch in den Bädern angekommen. „Es ist eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft zu erkennen“, betonte er. In Dortmund gebe es demnach vor allem in Bädern, die in sozialen Brennpunkten liegen, Probleme mit aggressiven Badegästen. Eine ähnliche Auffassung vertritt auch der Düsseldorfer Bäderchef. „Die Aggressivität im Verhalten nimmt zu, auch die Respektlosigkeit gegenüber denen, die für Sicherheit und Ordnung sorgen“, sagt er. Das sei ein Problem, das die Bäder nicht alleine lösen könnten. Die Freibäder seien abhängig davon, dass sich die Gäste benehmen. „Das waren am Samstag offenbar Menschen, die große Defizite im Sozialverhalten haben.“

Psychologen und Ärzte machen auch die Hitze für die Aggressivität einzelner Badegäste verantwortlich. Der Klimafaktor sei bislang eher belächelt worden, sagte der Konfliktforscher Andreas Zick von der Universität Bielefeld. Er rechne mit wachsendem Interesse an dem Thema, da Hitzewellen auch hierzulande mehr ins Blickfeld rückten. „Wahrscheinlich werden wir in Zukunft mehr Daten sehen, weil wir erst jetzt feststellen, dass diese Faktoren eine Rolle spielen.“

Eine Umfrage unserer Redaktion hatte ergeben, dass viele Städte private Sicherheitsleute in ihren Bädern einsetzen. Es gibt auch einige Städte, die bislang keine großen Schwierigkeiten haben wie zum Beispiel Münster. „Wir setzen kein Sicherheitspersonal in unseren Schwimmbädern ein“, sagte eine Sprecherin der Stadt. „Auftretende Konflikte können in der Regel mit eigenem Personal gelöst werden. In sehr seltenen Fällen wird die Polizei hinzugezogen.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Großer Polizei-Einsatz im Juni 2019 im Rheinbad in Düsseldorf

(arl/csh)
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