Polizei Bielefeld übernimmt Ermittlungen im Fall Lügde

Sexueller Missbrauch auf Campingplatz: Opferzahl steigt auf 29 – Polizei Bielefeld übernimmt Ermittlung

Im Fall des massenhaften sexuellen Missbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde hat das Polizeipräsidium Bielefeld die Ermittlungen übernommen. Die Dimension des Falls sei zu groß. Die Opferzahl ist von 23 auf 29 gestiegen.

Der Fall habe eine solche Dimension angenommen, dass jetzt Bielefeld als übergeordnete Behörde den Fall an sich gezogen habe. Wie die Bielefelder Polizei mitteilte, sind inzwischen 29 Opfer sexueller Gewalt bekannt. Am Freitag wird die Ermittlungskommission „Eichwald“ eingerichtet, die aus bisherigen Ermittlern der EK „Camping“ und Ermittlern der Kriminalpolizei Bielefeld besteht.

„Insbesondere die große Menge sichergestellter digitaler Daten macht es erforderlich, weitere Fachleute anderer Polizeibehörden aus NRW in die Bearbeitung einzubinden“, teilt die Behörde mit. Die im Raum stehenden Vorwürfe gegen zwei Jugendämter werden gesondert bearbeitet - auch aus Neutralitätsgründen.

Zusätzlich zu den Ermittlungen gegen die Tatverdächtigen und die Jugendämter steht auch die Polizei in der Kritik. Bereits 2016 sollen zwei Hinweise auf sexuellen Missbrauch bei der Polizei Lippe eingegangen sein. Nach Telefongesprächen mit den Zeugen leiteten die Beamten die Hinweise an das Jugendamt weiter. Weitere Schritte blieben aber aus. Die Staatsanwaltschaft Detmold hatte am Donnerstag bestätigt, dass auch gegen die Polizei ermittelt werde. Da Polizeibeamte bei Verdachtshinweisen laut Strafprozessordnung zur Verfolgung verpflichtet seien, sei diese Überprüfung jetzt folgerichtig, sagte ein Ministeriumssprecher.

Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) fordert die Einsetzung einer Untersuchungskommission sowie Änderungen im Kinder- und Jugendhilferecht.

Nach einer Anzeige im November 2018 war der schwere sexuelle Missbrauch von mindestens 23 Kindern über zehn Jahren hinweg auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen entdeckt worden. Der Hauptverdächtige sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft, zwei weitere Tatverdächtige seit Januar. Ihnen wird auch die Verbreitung von Kinderpornografie vorgeworfen.

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) zeigte sich am Freitag zutiefst erschüttert von dem Fall. Er kündigte an, dass das Land systematisch vorgehen und analysieren werde, wo Verbesserungen erfolgen können und müssen. "Gemeinsam mit Experten werden wir zügig prüfen, ob und wo Defizite bestehen und wie diese zeitnah behoben werden können", sagte der Landesminister.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schwerer Kindesmissbrauch auf Campingplatz in Lügde

(hsr/dpa)
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