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Paderborn: Polizei ermittelt wegen Tornado-Sensationstourismus​

Polizei ermittelt wegen Sensationstourismus : Schaulustige und Plünderer nach Tornado — Paderborn kommt nicht zur Ruhe

Paderborn kommt nach dem Tornado nicht zur Ruhe. Als wären die Schäden und Zerstörungen nicht schlimm genug, muss die Polizei nun auch noch gegen Kriminelle, Schaulustige, Verkehrsrowdys und Spendenbetrüger ermitteln.

Kriminelle, Verkehrsrowdys, Schaulustige und erneute Unwetterwarnungen: Auch drei Tage nach dem verheerenden Unwetter mit zerstörerischen Tornados kehrt in Paderborn und Lippstadt keine Ruhe ein. Die Paderborner Polizei ermittelt seit Montag nach eigenen Angaben gegen mutmaßliche Betrüger, die versuchen, die Hilfsbereitschaft der Menschen auszunutzen und im Namen der Stadt illegal Spenden zu sammeln. Darauf machte auch die Verwaltung auf ihrer Homepage aufmerksam. „Die Stadt Paderborn steckt ausdrücklich nicht hinter Spendenaufrufen, die derzeit in den sozialen Netzwerken, beispielsweise auf Facebook, kursieren. Hier versuchen Unbekannte, die aktuelle Lage für sich zu nutzen und schnell an Geld zu kommen.“

Die Polizei bestätigte der Deutschen Presse-Agentur eine entsprechende Strafanzeige gegen die unbekannten Spendensammler. „Wir haben Ermittlungen aufgenommen“, sagte ein Sprecher, „wegen des Verdachts des Betrugs.“ Die Unbekannten nutzen für ihren versuchten Spendenbetrug die Internet-Plattform GoFundMe.com. Unter dem Titel „Tornado in Paderborn NRW“ steht dort zu lesen: „Hallo, wir sind Orkan in Deutschland und wir sammeln im Auftrag von der Stadt Paderborn Geldspenden für die betroffenen Personen (...).“

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Die Plattform ist populär, um Spenden einzusammeln. Es gab aber immer wieder Versuche, falsche Aufrufe dort zu platzieren. So betonte die Stadt ausdrücklich, dass diese Kampagne nicht von ihr stammt und sie „weder online noch analog zu Spendensammlungen aufgerufen hat“. Die Polizei riet einmal mehr, für Spenden nur offizielle Stellen zu nutzen. „Im Internet gibt es viele Kriminelle, Betrüger, Fakes und Scharlatane“, so der Polizeisprecher.

Auch auf anderen Gebieten haben die Behörden weiter jede Menge Arbeit in der gebeutelten Region. Auch gegen Schaulustige wird vorgegangen. Am Sonntag - zwei Tage nach dem verheerenden Unwetter - habe es zahlreiche Hilferufe von Geschädigten gegeben. Die Einsatzkräfte sprachen von „regelrechtem Sensationstourismus“. Deswegen seien „Dutzende Platzverweise“ ausgesprochen worden. Zudem habe es drei entsprechende Strafanzeigen gegeben, teilte die Polizei mit. Darüber hinaus seien in einem Fall Ermittlungen wegen des Verdachts einer Plünderung in einem Textilgeschäft, in einem weiteren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr aufgenommen worden.

Die Besitzerin eines Bekleidungsgeschäfts erstattete Anzeige. Die Geschäftsfrau hatte laut Polizei ihren Laden gegen 16.00 Uhr am Freitag geschlossen. Nachdem der Tornado durchgezogen war, habe sich eine Geschäftsnachbarin gemeldet und ihr gesagt, dass die Ladentür durch den Sturm aufgedrückt worden sei und im Laden alles durcheinander läge. Die Besitzerin habe vor Ort dann festgestellt, dass Kleidung im Wert von mehreren Tausend Euro gestohlen worden war.

Auch einige Handwerker können nicht ungestört arbeiten. Im Riemeke-Wohnviertel sei ein Dachdecker, der sein Steigerfahrzeug aufbauen wollte, angegangen worden. Der Verkehr musste dort kurzzeitig angehalten werden. Ein Autofahrer sei dann bedrohlich auf den Dachdecker zugefahren und habe erst kurz vor ihm gebremst. Er beleidigte den Handwerker, fuhr ihm über einen Fuß und gab dann Gas. Die Polizei ermittelt wegen „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“.

Im Riemekepark, im Paderquellgebiet und anderen Schadensbereichen hätten sich viele Passanten am Wochenende nicht an die Absperrungen gehalten. Flatterbänder seien abgerissen oder einfach „unterwandert“ worden, monierte die Polizei. Im Industriegebiet Dörener Feld seien Wachschutzunternehmen beauftragt worden, Fremde von den zerstörten Betriebsgebäuden fernzuhalten. Auch die Anweisungen der Wachmänner seien missachtet worden, so dass diese die Polizei um Unterstützung gerufen hätten. Die Polizei habe gleich mehrere Streifen eingesetzt.

Unterdessen dauerten die Arbeiten zur Beseitigung der Sturmschäden auch am Montag an. An vielen Stellen unterstützten Beamtinnen und Beamte mit Straßen-Sperrungen oder Absicherungen von Gefahrenstellen. Immer noch gebe es lebensgefährliche Bereiche, hieß es. Auch auf Privatgrundstücken müssten Bewohner vorsichtig sein, denn viele beschädigte Dächer seien noch nicht abgesichert.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte derweil vor neuen Gewittern, Windböen und möglichen Unwetter-Gefahren am Montagnachmittag im Kreis Paderborn. Die Warnungen seien ernst zu nehmen. Niemand solle sich dann im Freien aufhalten, insbesondere in den noch nicht sicheren Schadensgebieten des Freitags-Tornados. Durch herabfallende Dachziegel oder abbrechende Äste bestehe Lebensgefahr.

Ebenfalls keine Entwarnung gab es für die Abiturienten. Sie müssen ran für ihre Prüfungen. Auch wenn drei Gymnasien - zwei im ebenfalls stark betroffenen Lippstadt, eins in Paderborn - noch geschlossen blieben, müssen Schülerinnen und Schüler die noch wenigen ausstehenden Abi-Prüfungen wie geplant absolvieren. Dabei kann die Polizei dann wohl kaum helfen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Aufräumarbeiten und weitere Schäden in Padernborn und Lippstadt

(kag)