Outlets: Bald zwei Designer-Outlets im Bergischen Land?

Remscheid/Wuppertal : Bald zwei Designer-Outlets im Bergischen?

In Wuppertal haben sich die Pläne, ein Factory-Outlet-Center in der Innenstadt zu errichten, konkretisiert. Die Stadt Remscheid ist mit einem ähnlichen Projekt schon einen Schritt weiter. Nun entbrennt Streit um die Großvorhaben.

Das Bergische Land wird entweder für Modebewusste und Schnäppchenjäger zur ersten Adresse - oder katapultiert sich durch den Streit über Fabrikverkauf-Standorte ins modische Abseits. In Wuppertal ist Investor Uwe Clees mit seiner Idee, im ehemaligen Gebäude der Bundesbahndirektion ein rund 30.000 Quadratmeter großes Factory-Outlet-Center (FOC) zu errichten, einen entscheidenden Schritt weiter. Mit dem Zukauf eines nahe gelegenen Geländes hat Clees nun den Raum für die erforderlichen Parkplätze - weil diese fehlten, war das Projekt bisher nicht umsetzbar. In Remscheid dagegen hat der Plan, auf dem Platz des ehemaligen Röntgen-Stadions ein Designer-Outlet-Center (DOC) anzusiedeln, konkrete Formen angenommen. Wenn auch Wuppertal sein FOC bekäme, würde an zwei nur rund 20 Kilometer voneinander entfernten Standorten Designermode günstig angeboten.

Bisher existieren in Nordrhein-Westfalen zwei FOC, die rund 220 Kilometer auseinanderliegen: Ochtrup in Westfalen und Bad Münstereifel. Im ehemals beschaulichen Eifelort, sonst bekannt als Heinos Heimatbasis, wird seit August hochklassige Designerware, in der Regel nicht aus der aktuellen Kollektion, mit Rabatten angeboten. In Bad Münstereifel wurde das FOC in die pittoreske Innenstadt implantiert. Rund 12.000 Quadratmeter Verkaufsfläche vermarktet die Firma ROS-Retail Outlet Shopping, verteilt auf 40 Geschäfte. Viele von ihnen standen bis dahin leer. Rund zwei Millionen Besucher im Jahr soll das Shopping-Paradies anlocken.

Einen ähnlichen Effekt erhoffen sich die Städte im Bergischen. In Wuppertal hat eine Potentialanalyse ergeben, dass in der Innenstadt sowohl billige Angebote für junge Konsumenten als auch das gehobene Segment fehlen. "Deshalb begrüßen wir die FOC-Pläne", sagt Stadtsprecherin Ulrike Schmidt-Keßler. Einen möglichen Interessen-Konflikt mit den DOC-Plänen in Remscheid sieht die Stadt nicht. Der Remscheider Oberbürgermeister sei informiert worden. "Alles andere, etwa die Auswahl des Sortiments, ist Sache der Investoren", sagt Schmidt-Keßler.

Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) zeigte sich allerdings verärgert über die Informationspolitik der bergischen Nachbarn. Am vergangenen Freitag habe er auf der Verwaltungsebene erstmals offiziell von den DOC-Plänen am Wuppertaler Hauptbahnhof erfahren. Bei einer Zugfahrt zur Wiedereröffnung der Müngstener Brücke berichtete ihm Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) von den Entwicklungen. Eine Abstimmung im Vorfeld habe es nicht gegeben. "Eine gemeinsame regionale Herangehensweise an dieses Thema stelle ich mir ausdrücklich anders vor", sagte Mast-Weisz in Anspielung auf die gerade erst von den Räten in Remscheid, Wuppertal und Solingen verabschiedeten Pläne für eine gemeinsame Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die im Januar an den Start gehen soll. Mit dem Investor McArthurGlen, der auch das FOC in Roermond betreibt, ist sich Mast-Weisz einig, dass die Wuppertaler FOC-Pläne die Remscheider Entwicklung nicht beeinflussen sollen. "Wir ziehen unser Projekt durch." Clees' Idee stelle "das, was wir vorhaben, in keinster Weise in Frage".

In Remscheid sind die DOC-Pläne zudem einen wichtigen Schritt vorangekommen. Der Rat beschloss in der vergangenen Woche das Verkehrskonzept für die Einbindung des DOC an die denkmalgeschützte Lenneper Altstadt. Im Frühjahr sollen die Baupläne für das 150-Millionen-Projekt nochmals öffentlich präsentiert werden. Geplant ist, dass 2016 mit dem Bau des DOC begonnen wird. Für 2017 ist die Eröffnung geplant. In Wuppertal gibt es noch keinen Zeitplan. Clees will zunächst Abstimmungsgespräche mit der Stadt führen.

Die Verkehrsanbindung ist bei beiden Projekten ähnlich gut. Das DOC in Remscheid-Lennep liegt unmittelbar an der A 1, bis Köln fährt man gerade mal 30 Minuten. Wuppertal ist über die A 46 gut zu erreichen, die Parkplätze liegen zudem außerhalb des engeren Innenstadtbereichs. Zudem würde sich das FOC direkt neben dem Hauptbahnhof befinden. Das kleine Schwarze von Prada zum Schnäppchenpreis könnte man also auch per Zug in der Tüte nach Hause tragen.

(RP)
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