Osama bin Ladens Haus steht jetzt in Oberhausen

Spionagemuseum : Osama bin Ladens Haus steht jetzt in Oberhausen

Im Spionagemuseum Oberhausen ist das Wohnhaus des Terroristen zu sehen. Die neue Ausstellung "Operation 9/11 - Dokumentation eines Terroranschlags" beschäftigt sich auch mit der Tötung des einstigen Staatsfeindes Nummer eins.

Das Gebäude mit der Hausnummer sieben an der Aratani Road in Abbottabad, Pakistan, ist längst zerstört. Anfang 2012 wurde das Haus, in dem bis zu seiner Tötung am 2. Mai 2011 Osama bin Laden wohnte, dem Erdboden gleich gemacht. In Oberhausen allerdings ist eine beklemmende Szenerie wieder zum Leben erweckt worden.

Dort steht im "Institut für Spionage"-Museum eine Nachbildung des Wohnhauses. Es ist umgeben von einer Mauer, die mit Stacheldraht abgesichert ist. In einem Fenster im ersten Stock steht hinter einem Fliegengitter eine Gestalt. Sie blickt nach draußen. Unten steht der Besucher und kann sich fühlen wie einer der Spione, die über Wochen in dieses Fenster auf den Terroristen Osama bin Laden geblickt haben.

Die neue Ausstellung "Operation 9/11 - Dokumentation eines Terroranschlags" im Spionagemuseum Oberhausen liefert mit Exponaten, Dokumenten und einer Videoinstallation Einblicke in die Ereignisse des 11. Septembers 2001, als Terroristen zwei Flugzeuge in das World Trade Center in New York lenkten.

Sie dokumentiert aber auch die Operation, die mit der Tötung bin Ladens am 2. Mai 2011 endete. Ingo Mersmann, seit Jahresbeginn Geschäftsführender Gesellschafter des Museums, hat die Exponate zusammengetragen. "Die erste Nachricht, dass dies das Haus bin Ladens sei, kam vom deutschen Bundesnachrichtendienst", erzählt er. Es sei also nicht nur die Geschichte der CIA. "Wir zeigen hier die Fassade des Hauses, an der die Menschen täglich vorbeigelaufen sind und hinter der sich bin Laden versteckte."

Mersmann will zeigen, wie wichtig die Arbeit der Nachrichtendienste ist. "Ich höre immer: ,Die spionieren uns doch aus.' Das machen sie, aber ihr eigentlicher Job ist es, Anschläge zu verhindern." Bedenken, dass manche Besucher die Rekonstruktion des Hauses als pietätlos empfinden könnten, hat Mersmann nicht:

"Wir lenken den Blick stärker auf die Opfer als auf den Täter." Für Kinder sei die Ausstellung auch geeignet. "Sie kennen den Anlass oft nicht, aber sie wissen aus den Nachrichten, dass es Terroristen gibt", sagt Mersmann. "Sie sehen diese Bilder nicht mit den gleichen Gefühlen, die ein Erwachsener hat."

Durch seine guten Kontakte kam Mersmann an einige besondere Exponate - etwa an den von einer deutschen Firma hergestellten biometrischen Scanner, mit dem US-Soldaten nach der Tötung bin Laden identifizieren konnten. "Das ist der Original-Scanner", versichert Mersmann, der als Experte für Spionage und Geheimdienste gilt.

Rund 20 Jahre lang war der gelernte Historiker für einen bundesdeutschen Nachrichtendienst tätig. Über seine damalige Arbeit darf er nur bedingt sprechen. "Meine Aufgabe bestand darin, durch meinen Beruf als Kunsthändler Menschen für mich zu gewinnen, um an Informationen zu kommen", verrät er. Unter anderem führte ihn seine Arbeit nach Südamerika und in den Nahen Osten.

Neben dem Nachbau des Hauses im Maßstab 1:2 sowie zahlreichen Exponaten gibt es noch Anekdoten, die die Mitarbeiter bei Führungen erzählen. Wie etwa die Geschichte von den Motten: Ingo Mersmann erzählt, wie die CIA lange versucht hatte, Bilder aus dem Inneren des Hauses Osama bin Ladens zu bekommen - durch Drohnen, Satellitenbilder, Infrarot- und Wärmebildkameras.

"Schließlich hat man Motten eingefangen, nach Washington geschickt und dort mit einem neurologischen Chip ausgestattet." Diese schickte man zurück nach Pakistan und tatsächlich verirrten sich einige in das Haus. "Durch elektrische Impulse konnte man sie steuern. Ein Kamera-Chip lieferte die Bilder." Heute sei es üblich, auch Tiere als "Spione" einzusetzen, sagt Mersmann.

(RP)
Mehr von RP ONLINE