Erstochener Basketballer aus Düsseldorf „Wir trauern und nehmen Abschied“ – Tatmotiv bislang Rätsel

Update | Oberhausen · Die Polizei ermittelt weiter nach dem Tod eines 17-jährigen Düsseldorfer Basketballers am Oberhausener Hauptbahnhof. Anschuldigungen, dass er erstochen worden sei, weil er Ukrainer war, bestätigten sich laut Polizei aber nicht.

Nachwuchsspieler Volodymyr Yermakov starb nach mehreren Messerstichen.

Nachwuchsspieler Volodymyr Yermakov starb nach mehreren Messerstichen.

Foto: ART Giants

Die Düsseldorfer ART Giants stehen unter Schock. „Es geschehen Ereignisse, die manchmal einfach nicht zu begreifen oder in Worte zu fassen sind … Wir trauern und nehmen Abschied von unserem Nachwuchsspieler Volodymyr Yermakov, der am Samstagabend einer Gewalttat zum Opfer fiel und verstorben ist“, teilt der Verein mit. „Der erst 17-jährige Ukrainer war fester Bestandteil unserer NBBL-Mannschaft in der U19-Bundesliga, wurde für die U-18-Nationalmannschaft nominiert und hat sogar ab und zu bei unseren Profis mittrainiert“, heißt es von Vereinsseite weiter.

Der junge Basketballer ist infolge einer Auseinandersetzung am Wochenende in Oberhausen ums Leben gekommen. Die Essener Polizei, die eine Mordkommission eingerichtet hat, ermittelt.

Laut Staatsanwaltschaft und Polizei war gegen 20.15 Uhr ein Streit zwischen zwei Jugendgruppen an einer Bushaltestelle auf dem Willy-Brandt-Platz in Oberhausen eskaliert. Bei dieser körperlichen Auseinandersetzung wurden vier Personen mutmaßlich durch Messerstiche schwer verletzt. Der 17-jährige Ukrainer wurde so schwer verletzt, dass er kurze Zeit später im Krankenhaus starb. Die beim Polizeipräsidium Essen eingerichtete Mordkommission konnte zwei jugendliche Tatverdächtige (14 und 15 Jahre alt) festnehmen.

Das Tatmotiv ist noch nicht bekannt. Aus der Ukraine hieß es, dass der 17-jährige Junioren-Basketballer angeblich wegen seiner ukrainischen Herkunft erstochen worden sei. Das konnte die Essener Polizei nicht bestätigen. „Am Montag wurden Veröffentlichungen von ukrainischen Medien bekannt, die von gesicherten Erkenntnissen sprechen, dass ihre Landsleute allein deshalb angegriffen wurden, weil sie Ukrainer sind“, so die Essener Polizei. „Nach umfangreichen Zeugenvernehmungen und Auswertungen von Beweismitteln gibt es derzeit allerdings keine konkreten Hinweise auf eine fremdenfeindlich motivierte Tat. Aktuell deutet alles auf eine spontane Gewalteskalation des 15-jährigen Haupttäters hin“, so die Polizei weiter.

Die beiden Personengruppen waren demnach in einem Linienbus auf dem Weg in die Oberhausener Innenstadt zunächst verbal aneinandergeraten. „Als die Beteiligten am Willy-Brandt-Platz den Bus verließen, eskalierte der Streit in einer körperlichen Auseinandersetzung. Nach ersten Ermittlungen kam es dabei auch zum Einsatz eines Messers“, so die Polizei. Insgesamt vier Jugendliche wurden dabei schwer verletzt.

Zwei 17- und 18-jährige männliche ukrainische Jugendliche aus Düsseldorf erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Zwei weitere Jugendliche (ein 14-jähriger Syrer aus Gelsenkirchen und eine 13-jährige Deutsch-Libanesin aus Oberhausen) wurden laut Polizei schwer verletzt. Alle Verletzten wurden in Krankenhäuser eingeliefert. Die mutmaßlichen Täter flüchteten zunächst unerkannt vom Tatort.

Am Sonntagmorgen gelang es der Polizei schließlich, zwei dringend tatverdächtige Jugendliche zu ermitteln und an ihren Wohnorten vorläufig festzunehmen. Bei ihnen handelt es sich laut Polizei um einen 15-jährigen Deutsch-Türken aus Gelsenkirchen und einen 14-jährigen Deutsch-Griechen aus Herne, die beide bereits erheblich kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten sein sollen.

Die Staatsanwaltschaft Essen beantragte einen Haftbefehl wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung gegen den 15-jährigen Gelsenkirchener, der bereits vom zuständigen Haftrichter verkündet wurde. Der 14-jährige Herner wurde nach den polizeilichen Maßnahmen seinen Erziehungsberechtigten übergeben, da sich der dringende Tatverdacht gegen ihn letztlich nicht erhärten ließ.

Sein Verein in Düsseldorf erklärte: „Über die genauen Gründe zur Todesursache von Volodymyr können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage treffen. Viel wichtiger ist, dass wir in dieser schweren Stunde zusammenstehen, für ihn und seine hinterbliebenen Angehörigen. Als Verein, als Familie, als Freunde - in Gedenken an Volodymyr. Ruhe in Frieden!“

Von Vereinsseite hieß es weiter, dass Artem Kozachenko, ein Mannschaftskollege des Getöteten, ebenfalls in die brutale Attacke verwickelt gewesen war. Dieser habe aber den Angriff zum Glück überlebt und befinde sich noch in einem Krankenhaus. „Ihm wünschen wir eine gute Besserung und schnelle Genesung“, so die Düsseldorfer Giants.

Volodymyr Yermakov war erst im Juli 2023 nach Düsseldorf gezogen, um dem Krieg in seinem Geburtsland zu entkommen. Hier habe er, so teilt es der Verein mit, eine neue Heimat gefunden. „Volodymyr war bei Trainern, Mitspielern und Freunden sehr beliebt. In Erinnerung bleibt ein junger Mensch, dessen Alltag durch pure Lebensfreude und sportlichen Ehrgeiz geprägt war“, so die Giants.

(csh)
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