Modedroge: NRW wird Drehkreuz für Crystal Meth

Modedroge: NRW wird Drehkreuz für Crystal Meth

Das gefährliche Aufputschmittel Crystal Meth wird immer häufiger in Nordrhein-Westfalen gefunden. Zoll und Polizei schlagen Alarm: Sie kritisieren, die Landesregierung unterschätze das Problem.

Sicherheitsexperten warnen die Landesregierung vor einer Verharmlosung der Crystal-Meth-Szene in Nordrhein-Westfalen. Anders als vor wenigen Jahren konzentriert sich der Handel des extrem gefährlichen Suchtstoffes offenbar nicht mehr auf das deutsch-tschechische Grenzgebiet. "Über Flughäfen wie Düsseldorf und große Binnenhäfen wie Duisburg wird jetzt auch NRW zum Brennpunkt der Crystal-Meth-Szene", sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Zollgewerkschaft, Christof Stechmann. Seine Botschaft: "NRW unterschätzt das Problem."

Für den Herbst bereiten die Zollfahnder einen Krisengipfel vor. Landespolitiker, Suchtmediziner und Vertreter der Justiz sollen sich dann an einem runden Tisch versammeln - voraussichtlich am 18. November in Emmerich. "Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit für das Problem", betonte Stechmann.

Crystal Meth ist für die Behörden eine neue Herausforderung: "Eine Erfassung in der polizeilichen Kriminalstatistik erfolgt erst seit 2014", räumte die Landesregierung auf die Frage der FDP-Landtagsabgeordneten Susanne Schneider und Robert Orth nach Crystal-Meth-Zahlen für Nordrhein-Westfalen ein. Die hilfsweise aus einer "Falldatei Rauschgift" entnommenen Daten ließen "derzeit nicht auf eine größere Verbreitung von Crystal Meth in NRW schließen", hieß es weiter.

Die Bundeszahlen sprechen eine andere Sprache. Nach Angaben des Zollkriminalamts wurden 2011 in Deutschland 17 Kilogramm der Droge beschlagnahmt, ein Jahr später 24 und 2013 schon 47 Kilogramm. In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Polizeispiegel" schreibt Kriminaldirektor Norbert Wolf: "Ich kann nicht glauben, dass NRW damit kein Problem haben wird. Nach meiner Einschätzung ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Welle auch NRW erreicht."

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2013 sei die bundesweite Zahl der erstauffälligen Konsumenten um fast sieben Prozent auf 2746 gestiegen - vor dem Hintergrund einer vielfach höheren Dunkelziffer. Eine Sprecherin der Zollfahndung Essen bestätigte eine zunehmende Zahl von Crystal-Meth-Funden an den Flughäfen Düsseldorf und Köln. Konkrete Daten dürfe nur das NRW-Innenministerium nennen. Das wiederum verweist auf die umstrittene Antwort der Landesregierung.

Der Sicherheitsexperte der CDU im Landtag, Peter Biesenbach, kritisierte: "Dass die Landesregierung ausgerechnet in NRW kein Crystal-Meth-Problem sehen will, ist naiv." Seine Vermutung: "Mangels Personal wird hier nur nicht genau genug hingeguckt." Das sieht der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus, ähnlich: "Eigentlich brauchen wir landesweit ein paar Sonderkommissariate, die sich um nichts anderes als Crystal Meth kümmern."

Seine Erfahrung: "Politiker reagieren meistens nur auf hohe Fallzahlen. Wir haben bislang aber nur sehr hohe Wachstumsraten." Deshalb verpasse Nordrhein-Westfalen gerade eine historische Chance. "Wenn wir jetzt entschlossen handeln, können wir die Strukturen zerschlagen, bevor sie sich etablieren", sagte Rettinghaus: "In ein paar Jahren laufen wir dem Problem nur wieder hinterher."

(RP)