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Pädagogen-Mangel: NRW wirbt um Lehrer aus dem Osten

Pädagogen-Mangel : NRW wirbt um Lehrer aus dem Osten

Der Lehrermangel ist in NRW so dramatisch, dass die Landesregierung Pädagogen in anderen Bundesländern abwirbt. Der Wettbewerb wird bundesweit immer härter.

Im Kampf gegen Lehrermangel wirbt NRW in Thüringen und Sachsen-Anhalt um junge Pädagogen. "Es gibt eine Vereinbarung, dass wir dort Informationsveranstaltungen durchführen", erklärte gestern der Sprecher von NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) unserer Redaktion.

In NRW sind zur Zeit 5400 Lehrer-Stellen ausgeschrieben — mehr als 1500 an Gymnasien, 950 an Grundschulen, 900 an Berufskollegs, je 500 an Real- und Gesamtschulen sowie 400 an Förderschulen.

Der Wettbewerb unter den Ländern wird immer schärfer. Der Philologenverband schätzt, dass bundesweit mindestens 20.000 Lehrer fehlen. Die NRW-Landesregierung setzt nun bei ihrer Personaloffensive bewusst auf einen anderen Weg als Hessen, das mit Anzeigen-Kampagnen aggressiv in anderen Bundesländern Lehrer abwirbt und damit für Unmut sorgt. In Hessen werden zum Beispiel Lehrer in Mangelfächern bis zum 50. Lebensjahr verbeamtet. In NRW liegt diese Grenze generell bei 35 Jahren.

Der Kurs Hessens stößt bei den betroffenen Ländern auf Ablehnung. Tenor der Kritik: Länder wie NRW investieren in die Ausbildung von Lehrern und werden dann um den Ertrag gebracht. Ein deutliches Indiz dafür: 2005 kam jeder fünfte Referendar in NRW aus einem anderen Bundesland, heute ist es schon jeder dritte. Das Land ist damit faktisch Lehrer-Schmiede für andere Länder. Die Zahl der Referendare stieg von 2005 bis 2009 von 13.800 auf 16.300.

Der Philologenverband in NRW kritisiert Hessen scharf — Verbandschef Peter Silbernagel: "Es kann nicht angehen, dass andere Länder keine Anstrengungen mehr in der zweiten Phase der Lehrerausbildung unternehmen und dann sagen: Wir kaufen uns unsere Lehrer woanders zusammen." Silbernagel bekräftigt aber auch die Forderung, in NRW die Verbeamtungsgrenze von 35 Jahren anzuheben: "Das ist ein heftiger Wettbewerbsnachteil."

NRW sucht bei seiner Abwerbeaktion den Konsens: "Sachsen-Anhalt und Thüringen können nicht allen Nachwuchslehrern eine Stelle anbieten und sind froh, wenn wir diesen eine Perspektive bieten", so Sommers Sprecher. Das Land versucht außerdem, die eigenen Referendare im Land zu halten. Junge Lehrer, die zum Sommer ihre Stelle antreten, erhalten etwa schon jetzt ihre Ernennungsurkunde, damit sie sicher sein können, zum Sommer einen Arbeitsplatz zu haben.

(RP)