NRW-Verfassungsschutz-Bericht 2018: Scientology unterwandert Wirtschaft

NRW-Verfassungsschutz warnt: Scientology unterwandert Wirtschaft

Die umstrittene Scientology-Organisation versucht laut nordrhein-westfälischem Verfassungsschutz, die Wirtschaft zu unterwandern und so ihre Einflussmöglichkeiten zu vergrößern. Auch auf junge Sportler hat es die Organisation abgesehen.

Sie nähere sich durch "geschicktes und verdecktes Marketing" besonders kleineren und mittleren Unternehmen, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten aktuellen NRW-Verfassungsschutzbericht. Zur Unterwanderung der Wirtschaft habe die Scientology-Organisation (SO) den eigenen Wirtschaftsverband "World Institute of Scientology Enterprises" (WISE) gegründet. Dort würden Organisations- und Managementstrategien entwickelt, um "sukzessive bei der Infiltration der Wirtschaft voranzuschreiten".

Bundesweit zählt die SO nach den Abgaben 3.500 Mitglieder, davon etwa 420 in NRW. Die Organisation finanziere sich über die Veranstaltung kostenpflichtiger Kurse und den Vertrieb von Kursmaterialien mit Scientology-Ideologie. Zudem wird den Sicherheitsbehörden zufolge "Druck auf Mitglieder ausgeübt", aus ihrem Privatvermögen an Scientology zu spenden.

An der Gefahreneinschätzung der SO hat sich nach den Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden in den letzten Jahren "nichts geändert". 2008 hatte das Oberverwaltungsgericht Münster die Beobachtung der Scientologen durch den Verfassungsschutz für rechtmäßig erklärt, weil ihre Organisation eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung darstelle.

  • Verfassungsschutz in NRW : Scientology wirbt "perfide" um Jugendliche

Neuerdings versucht Scientology laut Verfassungsschutz, junge Sportler für ein Studium an ihrer "Clearwater International Academy" in den USA zu begeistern. Dies geschehe offenbar mit dem Ziel, die Sportler im Laufe des Studiums für die SO anzuwerben. Besonders Football-Spieler aus NRW seien mit US-Stipendien von der Sekte geködert worden.

Auch würden zunehmend Jugendliche von Scientology umworben, hieß es. Dies geschehe unter dem Deckmantel guter Taten, etwa eine Aufklärung über die Menschenrechte, Förderung von Toleranz und Frieden sowie den Kampf gegen Drogen. Zur Pflege ihres Images nutze die SO vermehrt Soziale Netzwerke. Das Internet diene als "Werbe- und Propagandaplattform". Ziel aller PR-Kampagnen sei es, die Interessenten zu einem späteren Zeitpunkt an "kostenintensive Kurse" heranzuführen, so der Verfassungsschutzbericht.

Aus der Ideologie der Scientologen schließen die Verfassungsschützer, dass die 1953 im amerikanischen Lafayette durch Ron Hubbard gegründete hierarchische Organisation "eine Weltherrschaft anstrebt". In Deutschland unterhalten die Scientologen Niederlassungen in Düsseldorf, Berlin, München, Hamburg, Hannover und Frankfurt.

(sef/kna)